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Interview mit Gael García Bernal zu La mala educación - Schlechte Erziehung

Das Besondere an Gael Garcia Bernal: Er ist als Mann genauso schön wie als Frau. Den Rest erfuhr Peter Krobath beim Interview in Cannes.

SKIP:Schlechte Erziehung beschäftigt sich nicht zuletzt auch mit Kindesmissbrauch im katholischen Knabeninternat. Vorher hast du in Die Versuchung des Padre Amaro einen Priester gespielt, der Probleme mit dem Zölibat bekommt. Wie ist dein Verhältnis zur Kirche?

Gael Garcia Bernal: Ich bin nicht sonderlich religiös, eigentlich gar nicht gläubig. Aber ich liebe die katholischen Feiertage, weil da bei uns immer besonders ausgelassen gefeiert wird. Am besten gefällt mir die tolle Party, die wir einmal im Jahr veranstalten, um den Tod nicht zu vergessen. Das ist typisch Mexiko.

SKIP: Pedro Almodóvar verlangte von dir eine Sexszene mit einem Mann. War das schwierig für dich?

Gael Garcia Bernal: Als Schauspieler muss ich tun, was die Rolle erfordert. Aber es ist sicher leichter, einen Mann zu küssen, als eine Frau zu spielen. In hohen Absätzen und engem Kleid herumzulaufen, in Tränen auszubrechen, während man im Fummel steckt, in solchen Momenten nicht peinlich zu sein, sondern wahre Gefühle zu vermitteln - das ist schwierig.

SKIP: Als Vorbereitung bist du mit blonder Perücke und verführerischem Outfit durch die Nachtclubs von Mexiko City gestöckelt. Wie hast du dich als Frau gefühlt?

Gael Garcia Bernal: Es war ungemein befreiend. Als Frau kannst du Dinge tun, die du dir als Mann nie erlauben dürftest. Erst seit dieser Rolle weiß, wie viel Kontrolle Frauen über uns Männer haben. Wenn dir ihr Spiel beherrschen, haben wir einfach keine Chance. Die machen mit uns, was sie wollen. Die Transvestitenrolle habe ich übrigens mit meiner Mutter im Kopf gespielt. Aber ich weiß nicht, ob man das als Kompliment werten kann.

SKIP: Vor nicht einmal drei Jahren war das mexikanische Gegenwartskino in Europa so gut wie unbekannt. Mit den Kultfilmen Amores Perros und Y tu mamá también bist auch du ganz nach oben geschwommen, Die Versuchung des Padre Amaro wurde sogar für den Oscar nominiert. Wie hat der Erfolg dein Leben verändert?

Gael Garcia Bernal: Ich bin mit der Bühne aufgewachsen, mein Vater und meine Mutter sind beide Schauspieler. In so einer Familie lernt man schnell, dass Erfolg relativ ist. Wenn ich morgens aufwache, bin ich immer noch derselbe. Ich lebe in Mexiko City, da gehen die Menschen sehr cool mit mir um. Wenn ich auf der Straße angesprochen werde, dann auf eine sehr höfliche Art und Weise. Die wollen über meine Filme reden, nicht über meine Freundin. Das gefällt mir. Nur Autogrammsammler kann ich nicht leiden. Ich verstehe einfach nicht, was die von mir wollen. Meine Unterschrift auf einem Stück Papier? Wozu soll das gut sein?

Interview: Mai 2004

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