Echt fett!

Interview mit Morgan Spurlock zu Super Size Me

In seiner preisgekrönten Doku-Satire Super Size Me kriegt Fastfood-Gigant McDonald´s sein Fett ab. Ein gefundenes Fressen für Kritik und Publikum. Auch SKIP-Redakteurin Catherine Holzer fand Morgan Spulock, den Mann mit dem aufregendsten Schnurrbart seit Leutnant Gustl, zum Anbeißen.

SKIP: Deine Kritiker werfen dir vor, dass du dein Publikum absichtlich schockierst. Würde es dir etwas ausmachen als der "Marilyn Manson unter den Dokumentarfilmern" bezeichnet zu werden?

Morgan Spurlock: Nein, überhaupt nicht! Im Gegenteil: Marilyn Manson ist ein Genie. Seine Arbeit wird einfach verkannt. Er ist smart. Ich liebe es, wenn McDonald´s behauptet, Super Size Me wäre schockierend. Mir wird vorgeworfen, dass im Film zu sehen ist, wie ich kotze oder wie eine rektale Untersuchung durchgeführt wird. Das Leben an sich ist schockierend. Eine Dokumentation soll informieren und aufrütteln. Das ist legitim. Wir leben nicht in einer heilen Plastikwelt, in der alle glücklich sind. Ich zum Beispiel habe 30 Tage lang nur Fastfood von McDonald´s gegessen. Eine Folge davon war, dass mein Sexlife total eingegangen ist. So etwas sollten alle Männer dieses Planeten wissen!

SKIP: Was macht eine gute Dokumentation aus?

Morgan Spurlock: Eine gute Dokumentation ist dazu da, Leute über ein Thema zu informieren oder über Zustände zu unterrichten, von denen sie bisher nicht allzu viel wussten. Super Size Me ist eine Art "Doku-Komödie". Der Film setzt sich mit einem sehr ernsten Thema auseinander: Fettleibigkeit in Amerika. Der Humor, mit dem die Geschichte erzählt wird, hilft, dieses Thema leichter zu verarbeiten. Der Film macht Spaß. Wer interessiert sich schon für Filme, die dir vorschreiben, was du zu tun hast? Ich wollte einen Film machen, der unterhält, dir Fakten zum Phänomen Fastfood und die Macht der Fastfood-Industrie in den USA präsentiert und dir die Chance gibt, dir deine eigene Meinung über das Thema zu bilden.

SKIP: Was soll Super Size Me bewirken?

Morgan Spurlock: Wenn jemand aus dem Kino geht und für sich entscheidet, dass er mehr auf seine Ernährung achten sollte, mehr Sport betreiben sollte und seinen Kindern ein besseres Vorbild abgeben sollte, dann habe ich genau das erreicht, was ich wollte.

SKIP: Zum Zeitpunkt, als Super Size Me nach Europa kam, war der Effekt dieses Films auf die Produktpalette des Marktführers unter den Fastfood-Riesen bereits nachvollziehbar. Bei uns gab es beispielsweise schon gesunde Salat-Menüs.

Morgan Spurlock: Richtig. Der Einfluß von Super Size Me auf McDonald´s war massiv. Der Film hat den Prozeß des Umdenkens bei McDonald´s unglaublich beschleunigt. Natürlich behauptet McDonald´s weiterhin steif und fest, die gesunde Erweiterung der Produktpalette hätte rein gar nichts mit Super Size Me zu tun ...

SKIP: Glaubst du, dass die von dir im Film vorgestellten Termini wie McBrick (klumpes Gefühl im Magen), McShiver (Gänsehaut) und McFrankenstein (Chicken McNuggets aus Hühnerresten) Eingang in die Alltagssprache finden werden?

Morgan Spurlock: Warum nicht? Die Bezeichnung McJob für unterbezahlte Tätigkeiten mit niedriger Aufstiegsmöglichkeit und geringer Jobzufriedenheit im Dienstleistungsgewerbe gibt es bereits in jedem Wörterbuch.

SKIP: Bist du so etwas wie ein moderner Robin Hood, der sich im Dienst der Volksgesundheit mit dem mächtigen Fastfood-Industrie anlegt?

Morgan Spurlock: Ganz und gar nicht. Ich esse immer noch gern Burger. Nur laß ich sie mir von meiner Mama brutzlen.

Interview: Catherine Holzer / August 2004

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