Liebe zu dritt

Interview mit Penélope Cruz zu Head in the Clouds

In Head in the Clouds liebt Penélope einen Mann und eine Frau. Ist aber auch schwierig, sich zwischen so schönen Menschen wie Stuart Townsend und Charlize Theron zu entscheiden! Elisabeth Sereda traf die Vielbeschäftigte exklusiv in Toronto.

SKIP: In Head in the Clouds haben Sie Sex mit Männern und Frauen – war das für Sie schwierig zu spielen? Wie haben Sie sich in diese Figur hineinversetzt?

Penélope Cruz: Das war einfach. In diesem Film geht es ja weniger um Sex als um Liebe, und für Mia, die ich spiele, ist Charlize Therons Figur die ganz große Liebe. Das hat mit dem Geschlecht gar nichts zu tun. Mia ist wahrscheinlich mehr lesbisch als bisexuell. Unser Film ist eine einzige Liebesgeschichte: zwischen Frauen, Männern und der Menschheit im Allgemeinen.

SKIP: Was hat Sie zuerst an der Rolle fasziniert – die Story, der Regisseur, die Co-Stars?

Penélope Cruz: Dass ich so eine Figur wie Mia noch nie gespielt habe. Ich will mich in meiner Arbeit nicht wiederholen. Der wichtigste Rat, den mir meine zwei ersten Regisseure, Pedro Almodóvar und Bigas Luna, gegeben haben, war: "Lass dich nie auf eine bestimmte Rolle oder ein bestimmtes Image festlegen, denn damit ruinierst du deine Karriere." Ich versuche, mich bei allen Entscheidungen daran zu halten.

SKIP: Was würden Sie machen, wenn Sie nicht Schauspielerin wären?

Penélope Cruz: Pedro Almodóvar hat einmal gesagt, ich wäre eine gute Krankenschwester! (lacht) Vielleicht weil ich schon ein paar Mal eine gespielt habe. Ich finde, es ist ein wunderschöner Job, sein Leben damit zu verbringen, anderen zu helfen. Ich habe viel aus diesen Rollen gelernt. Und in meinem nächsten Film Sahara spiele ich eine Ärztin, da konnte ich meine Kenntnisse erweitern: Ich habe zu Hause meinen Orangen Spritzen verpasst, um zu üben, wie man Injektionen verabreicht.

SKIP: Apropos Sahara – stimmt es, dass Sie jetzt mit Co-Star Matthew McConaughey zusammen sind?

Penélope Cruz: Ich habe einen Freund, aber ich will nicht darüber reden. Schon mit 16 Jahren zuhause in Spanien habe ich gelernt, dass es besser ist, wenn ich mein Privatleben für mich behalte. Als Filmschauspielerin hat man ohnehin fast keine Privatsphäre, deshalb müssen Beziehungen und Familie vor der Öffentlichkeit beschützt werden. Alles, was ich tue, hat Auswirkungen auf meine Familie, zu denen ich eine sehr enge Beziehung habe. Meine Eltern sind noch recht jung, erst 50, die haben mich schon mit 20 bekommen. Und meine Schwester ist der einzige Mensch, den ich täglich anrufe, ganz gleich wo ich bin.

SKIP: Sie sind dieses Jahr 30 geworden. Ein wichtiger Punkt in Ihrem Leben?

Penélope Cruz: Ja, und nein. Ich mag alle meine Geburtstage. Und ich freue mich auf den 40., 50., 60. und 70. Ich will nie damit anfangen, über mein Alter Lügen zu verbreiten. Das halte ich für dumm und sinnlos.

SKIP: Sie gelten als eine der schönsten Schauspielerinnen. Was bedeutet Ihnen das persönlich?

Penélope Cruz: Ach, ich weiß nicht. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin sehr dankbar dafür, dass mich Mutter Natur mit halbwegs regelmäßigen physischen Features ausgestattet hat. Aber man sollte das nicht überbewerten. Privat zum Beispiel beschäftige ich mich so gut wie überhaupt nicht mit meinem Äußeren: Ich habe z. B. weder die Zeit noch Geduld, mich zu schminken. Wenn man auf Filmsets täglich zwei bis vier Stunden im Schminksessel verbringt, dann wird einem das zuhause bald zu dumm. Daher lebe ich ohne Kamm, ohne Make-up und trage nur Jeans und T-Shirts. Meine Jeans sind für mich das wichtigste Kleidungsstück. Ich habe 10 Paar davon.

SKIP: Sie führen ein regelrechtes Nomadenleben und reisen ständig durch die Weltgeschichte – besitzen Sie überhaupt einen festen Wohnsitz?

Penélope Cruz: Im Prinzip schon. Ich hab mir im New Yorker Stadtteil Chelsea eine 3-Zimmer-Wohnung gekauft, aber ich bin nie dort. Und ich habe ein Haus in L. A. gemietet, weil ich oft dort arbeite – ich lebe allerdings nicht gern dort. Aber das ist eben mein Job. Und eigentlich bin ich mehr in Europa als in Amerika. Sogar wenn ich in Amerika drehe, arbeite ich oft mit Europäern oder Nicht-Amerikanern – wie bei einem meiner nächsten Projekte Banditas, das ich mit Salma Hayek in Mexiko machen werde. Wir haben einen norwegischen Regisseur, und es stecken französische Produzenten dahinter. Und dann möchte ich auch bald wieder einen spanischen Film drehen. Ich könnte mir nicht vorstellen, nur in den USA zu arbeiten, das würde mich wahnsinnig machen. Es gibt so viele talentierte Leute in Europa. Hollywood ist mir viel zu einseitig.

Interview: Elisabeth Sereda / September 2004

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