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Interview mit Renée Zellweger zu Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns

Renée Zellweger hat ein Problem: Alle reden sie nur auf ihre Kilos an. Das Leben als ein ewiger Kampf zwischen Flirtversuch und Fettnäpfchen, Übergewicht und Unterwäsche. Auch das zweite Kinoabenteuer der Bridget Jones wirft gewichtige Fragen auf. Elisabeth Sereda stellte sie alle.

SKIP: Um nicht wie alle nur über Ihr Gewicht zu sprechen, will ich dieses Interview mit einer Frage nach Bridgets Gang eröffnen: Sie watschelt wie eine Ente, diesmal sogar noch mehr als im ersten Film. War das Absicht?

Renée Zellweger: Wow, freut mich wirklich, dass Sie das bemerkt haben! Diesmal war mir das Watscheln nämlich ganz besonders wichtig. Bridget ist pur und rein, aber innerlich fühlt sie sich unsicher und tollpatschig. Sie versucht, elegant und stilsicher zu sein, wenn sie ausgeht, aber im täglichen Leben lässt sie sich total gehen. Sie ist absolut ehrlich, das finde ich so liebenswert an ihr. Nicht einmal wenn sie aus diplomatischen Gründen lügen wollte, würde sie das schaffen. Ich finde das charmant. All das führt zum Entengang. Mit diesem Watscheln will ich zeigen, wie sich Bridget Jones in ihrem tiefsten Inneren fühlt.

SKIP: Sie schwärmen von Bridgets Ehrlichkeit. Dabei wird dieser Charakterzug in Hollywood nicht gerade hoch gehalten, oder?

Renée Zellweger: Das mag schon sein. Ich persönlich lege trotzdem sehr viel Wert auf Ehrlichkeit, allerdings benehme ich mich nicht ganz so direkt wie Bridget Jones. Es ist nicht nötig, immer genau das zu sagen, was man gerade denkt. Sich zurückzuhalten hat ja nichts mit Unehrlichkeit zu tun. Mit meinen Freunden bin ich natürlich anders. Da kommt alles auf den Tisch.

SKIP: Nach dem ersten Kino-Abenteuer von Bridget Jones haben Sie erzählt, dass es Probleme mit dem Zunehmen gegeben hat. War das diesmal leichter?

Renée Zellweger: Das Zunehmen war weniger das Problem als die Art des Zunehmens. Um an die nötigen Kilos zu kommen, habe einfach alles verschlungen, was mir hingestellt wurde. Das war ein Fehler. Diesmal wurde ich von einem Ernährungsspezialisten betreut, ich wollte zunehmen, ohne dabei wieder soviel Energie zu verlieren. Diesmal war es weniger Eiscreme und mehr Salatdressings mit Erdnussöl statt Olivenöl. Was aber nicht heißt, dass ich nicht oft mit meinen Freunden in der Pizzeria gesessen bin und nach der Pasta mit Knoblauchbrot auch noch eine nette fette Torte in mich reingestopft habe.

SKIP: Werden Sie immer noch gefragt, wie Sie wieder abgenommen haben?

Renée Zellweger: Ständig. Und es macht mich traurig, dass offenbar so viele Frauen vom Abnehmen besessen sind. Wir leben in einer Welt, in der Frauen ein sehr negatives Körperimage haben und sich unwürdig fühlen, wenn sie nicht in Größe 34 reinpassen. Deshalb gebe ich auch keine Diät-Tipps. Ich sage, dass ich die Frage für sinnlos halte. Schließlich hatte ich ja keine Krankheit, ich war nur zwei Filme lang etwas dicker als sonst, was mich aber noch lange nicht zu einer Expertin in Gewichtsfragen macht.

SKIP: Kennen Sie Ihre innere Bridget Jones?

Renée Zellweger: Ich bin mir ihrer Anwesenheit sehr stark bewusst! Ich sitze hier und weiß, dass meine Wimperntusche sicher verschmiert ist, und dass ich in diesem Kleid lang nicht so elegant aussehe wie andere Frauen. Ich lebe ständig mit der Angst, tollpatschig zu wirken. Besonders auf dem Roten Teppich kriege ich dieses Gefühl nicht aus dem Kopf. Ich sehe mich nicht als Filmstar.

SKIP: Nach dem ersten Film, erzählte Hugh Grant, dass die Produzenten gemeint haben, er hätte endlich die Rolle gefunden, die ihm selbst am meisten ähnlich ist - ein richtiges Arschloch. Neuerdings benimmt er sich auch so, will keine Filme mehr machen, keine Interviews mehr geben und ist immer schlecht gelaunt. Wie war er am Set?

Renée Zellweger: Reden wir mal über Ehrlichkeit, was Hugh betrifft: Da ist ein Typ, der immer ehrlich ist. Wenn er schlecht drauf ist, dann weiß das jeder, er verbirgt es überhaupt nicht. Ich persönlich finde das ja charmant. Obwohl ich sagen muss, dass er bei diesem Film viel weniger genörgelt hat als beim ersten. Da war er furchtbar.

SKIP: Gibt es Rollen, denen Sie so richtig nachjagen?

Renée Zellweger: Ja, natürlich. In Unterwegs nach Cold Mountain zum Beispiel wollte ich unbedingt die Hauptrolle haben, zehn Jahre bevor der Film schließlich gemacht worden ist. Aber der Regisseur, der damals mit dem Projekt verbunden war, hatte eine andere Schauspielerin im Kopf. Dann ist das Projekt in sich zusammengefallen, wie es in Hollywood eben oft passiert, und auf einmal gab es keinen Regisseur mehr, keine Hauptdarstellerin, gar nichts. Das Drehbuch war ein Desaster, keiner glaubte mehr, dass es je verfilmt wird. Dann ist Anthony Minghella aufgetaucht und hat mit die Rolle der Ruby eingeredet. Ich wollte nicht, aber er hat mich überzeugt. Heute bin ich froh darüber.

SKIP: Wenn das Projekt groß genug ist, übernehmen Sie also ruhig auch mal eine kleinere Rolle...

Renée Zellweger: Als Schauspielerin musst du über den Rand deiner Rolle hinausschauen können. Du bist ja nicht allein im Film. Mich interessiert immer das gesamte Projekt, das Drehbuch, die Story. So war es bei Weißer Oleander, so war es bei Unterwegs nach Cold Mountain, so war es bei Jerry Maguire, und so ist es jetzt auch bei Das Comeback. Ich habe kein Vorurteil, was Nebenrollen betrifft. Oft sind sie ohnehin die besseren Parts.

SKIP: Ein Höhepunkt in den neuen Abenteuern der Bridget Jones ist der Schiausflug in die österreichischen Alpen. Sind Sie eine gute Schifahrerin?

Renée Zellweger: Sehen Sie die Narbe, die quer über mein Gesicht geht? Ein Slalomstange, als ich 13 war. Ich bin eine grässlich schlechte Schifahrerin. Aber Österreich war ein Hammer! Ich liebe Lech! Der Schnee, die Berge, die Sonne, wunderbar. Außerdem habe ich dort die besten Spaghetti meines Lebens gegessen. Ich komme sicher wieder!!!

Interview: Elisabeth Sereda / Oktober 2004

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