Familienbande

Interview mit Dustin Hoffman zu Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich

"Das war der erste Film meiner Karriere, in dem ich mich selber spielen durfte!" Hoffen wir mal, dass Scherzkeks Dustin das nicht ganz ernst gemeint hat.

Als Charakterdarsteller ist er legendär – seine Performances in Rain Man, Kramer gegen Kramer, Midnight Cowboyoder Die Reifeprüfungbewegten Millionen. Doch erst in der Rolle als Ben Stillers Dad kann er wirklich zeigen, was in ihm steckt. Behauptet zumindest er selbst.

SKIP: Mr. Hoffman, nach Tootsie ist Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich der erste Film, bei dem sie richtig lustig sein dürfen. Hats Ihnen auch so viel Spaß gemacht wie den Zuschauern?

Hoffman: Ja, klar! Vor allem, weil diese Rolle so ganz anders ist als alles, was ich zuvor gespielt habe.

SKIP: Regisseur Jay Roach sagte, dass er total überrascht war, wie sehr der private Dustin Hoffman der Figur des Bernie Focker ähnelt ...

(Lacht) Ja, das stimmt. Ich bin in vielen Dingen ganz genau wie er – und das war das erste Mal, dass ich diese Seiten an mir in einem Film zeigen konnte.

SKIP: Worin sind Sie ihm denn so ähnlich? Ich berühre gerne Menschen. Ich hab keine Scheu davor, wenn mir jemand nahe kommt, Distanziertheit im Umgang mit anderen ist mir völlig fremd. Ich liebe meine Kinder und meine Familie über alles, und habe immer versucht, ihnen ein gesundes Selbstvertrauen zu geben. Und ich mache mindestens genau so gerne schmutzige Witze wie Bernie (lacht).

SKIP: Sie haben im Film ja auch eine heiße Liebesszene mit Barbra Streisand.

Oh ja, das habe ich wirklich genossen (lacht)! Wir haben vorher lange überlegt, wie wir diese Szene anlegen. In den meisten Filmen laufen Liebesszenen ja völlig formelhaft ab. Zuerst gibt´s den Zungenkuss, dann Gefummel, dann ein Schnitt. Dann liegen beide im Bett, erst er auf ihr, dann sie auf ihm, alles sehr geschmackvoll und stylish und so, wie es in Wirklichkeit nie ist. Roz und Bernie Focker sind ein sehr unkonventionelles Paar. Sie sind richtig scharf aufeinander, und haben ganz natürlichen, ehrlichen Sex. Das wollten wir rüberbringen – ohne zu viel zu zeigen, wir haben hier schließlich einen absolut familientauglichen Film (lacht). Wir haben viel improvisiert, und weil wir uns auch wirklich gern haben, hat das wunderbar funktioniert, finde ich. Vor allem das mit dem Schlagobers (grinst).

SKIP: Roz und Bernie haben nach Jahrzehnten Ehe immer noch ein lebendiges Liebesleben. Kann Sex mit dem Alter besser werden?

Oh ja, auf jeden Fall! Nehmen Sie mich zum Beispiel. Ich war zwar mein ganzes Leben lang scharf, aber ich habe ein Problem: Ich komme zu schnell. Jetzt bin ich 60. Ich komme immer noch viel zu früh – aber das dauert mittlerweile einenhalb Stunden! Das ist doch großartig (lacht).

SKIP: Barbra und Sie sind seit langer Zeit befreundet ...

Ja, wir kennen einander noch aus der Schauspielschule. Ich erzähle gerne, dass wir damals gemeinsam als Reinigungskräfte gearbeitet haben, um Geld zu verdienen, und gemeinsam Toiletten geputzt haben. Und sie regt sich dann immer furchtbar auf. "Dustin, das stimmt nicht. Ich habe nie für Geld Toiletten geputzt. Ich ging babysitten!" Ich weiß, dass sie Recht hat. Aber meine Version ist die bessere Geschichte!

Interview: Dezember 2004

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