Haubentaucher

Interview mit Bill Murray zu Die Tiefseetaucher

Ghostbuster auf Haifischjagd. Als Wes Andersons krisengeschüttelter Meeresforscher Steve Zissou hat Bill Murray reichlich Gelegenheiten, um zu demonstrieren, dass sein lakonischer Humor wirklich in alle Lebenslagen passt. Untertauchen will er trotzdem so schnell nicht wieder.

Bill Murray ist ein scharfzüngiger Satiriker, der die Gesetze der Filmindustrie nie ernster nimmt als unbedingt notwendig. So gab es auch beim Interview-Termin zu Die Tiefseetaucher durchwegs Antworten, die sich klar von der allgemein üblichen Lächel-Politik Hollywoods unterscheiden. Das Problem dabei: Dieser Schauspieler ist ein Spaßvogel. Und welche seiner Sätze ernst gemeint waren und welche nur ein Gag sind, muss der Leser selbst entscheiden. Bill Murray wird es sicher nicht verraten.

SKIP: Wie fühlt man sich als Meeresforscher? Haben die Dreharbeiten mit Taucherbrille Spaß gemacht?

Bill Murray: Spaß? Sie machen Spaß. Es war der blanke Horror. Ich hatte Angst. Klaustrophobische Zustände kamen auf. Ich bin vorher noch nie richtig getaucht, aber die wichtigste Regel fürs Überleben unter Wasser habe ich trotzdem sofort begriffen. Sie lautet: Nur nicht in Panik geraten!!! Aber wir Schauspieler sind eben nicht für ein Leben unter Wasser geschaffen. Eher für ein Leben in Luxushotels.

SKIP: Sie haben wirklich keinerlei Taucherfahrungen? Mittlerweile ist das ein Breitensport. Noch nichts davon mitbekommen?

Bill Murray: Nein. Aber ich habe eine lustige Tauchergeschichte auf der Karibik erlebt. Ich hatte da auf einer kleinen Insel einen Tauchkurs gebucht und beim Frühstück hörte ich wie der Tauchlehrer zu seiner Freundin sagt, dass er eben ein Mail von ihrem Vater bekommen hat, der ihn dazu auffordert, sich schleunigst von der Insel zu verdrücken, weil sonst irgendeine grobe Gemeinheit passieren würde. Na ja, eine Stunde später stehe ich mit dem Typ im flachen Wasser und übe Maske abnehmen, Maske aufsetzen, Maske abnehmen und so weiter. Es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, das Wasser brannte in den Augen, mir war schlecht. Dann ging es zurück zum Lunch, wo der Kerl wieder sofort mit seiner Freundin über deren Vater herzog, er brachte sogar eine Handfeuerwaffe ins Spiel. Ich habe den Tauchkurs dann abgebrochen. War mir sowieso zu blöd.

SKIP: Dann lasen Sie das Drehbuch zu Die Tiefseetaucher und wussten, dass sie das Wasser doch nicht so schnell aus den Fingern lassen würde?

Bill Murray: Exakt. Dann musste ich tauchen. Im Tank war es nicht so schlimm, da konntest du zwischendurch immer wieder raus aus dem Wasser, was auch notwendig war, weil es war schweinekalt. Außerdem war ich nervös, weil wir ja, um in der Zeit zu bleiben, Taucherausrüstungen aus den 60er und 70er Jahren verwenden mussten. Also unser Material war wirklich nicht auf dem neuesten Stand der Technik, außerdem war es richtig schwer mit all dem Stahl und den Gewichten. Ich sank wie ein Stein nach unten und da saß ich nun. Es war kalt und ungemütlich und dann sollte ich auch noch so schauspielern, dass es zumindest für den Oscar reicht. Aber einmal war ich richtig gut. Da waren wir zu Dritt unter Wasser, ich in der Mitte, und in der Szene ging es darum, dass wir in Panik geraten. Das habe ich locker hingekriegt. Viel besser als die anderen.

SKIP: Auch wenn diese Frage seltsam klingen mag: Können Sie mir in aller Kürze erklären, worum es in Die Tiefseetaucher eigentlich geht?

Bill Murray: Sie wollen, dass ich Ihre Kritik verfasse? Sehr clever. Na gut. Ich denke, ich weiß, was uns Wes Anderson mit diesem Film sagen möchte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das auch gut ausdrücken kann. Jedenfalls hat Die Tiefseetaucher eine ganz andere Form, einen ganz anderen Rhythmus und vor allem ganz andere Absichten als ein gewöhnlicher Film. Ich habe noch nie bei einem derartigen Projekt mitgemacht. Es geht um einen Mann, der sich auf seine letzte große Reise begibt, um einen Hai zu fangen – da steckt viel drin in diesem Satz, finden Sie nicht? Ich klinge schon wie Filmkritiker. Aber ist es ein Film über einen Mann, der einen Hai jagt? Nein. Es ist ein Film über einen Mann, der Probleme mit der Liebe hat und auch mit seiner Karriere nicht mehr so richtig gut klarkommt. Aber auch nur ein bisschen. Wissen Sie, ich sollte jetzt wirklich den Mund halten. Die Leute kommen zu mir, sie haben den Trailer gesehen und glauben, dass das ein urkomischer Film wird. Dann beginne ich zu reden und nach drei Minuten sind sie völlig verwirrt, weil ich ihnen beim besten Willen nicht sagen kannn, worum es in diesem Film eigentlich geht. Ich habe Die Tiefseetaucher schon einige Male gesehen und blicke immer noch nicht durch. Es ist auf jeden Fall ein großer Film, und zwar so groß, dass die Leute sicher einige Zeit brauchen werden, um zu verstehen, was ihnen da überhaupt gezeigt wird. Ein wenig erinnert mich das alles an Apocalypse Now.

SKIP: So wie Sofia Coppola, mit der sie Lost in Translation gemacht haben, gehört auch Wes Anderson zu einer neuen Generation von Filmemachern in Hollywood. Was finden Sie an diesen Leuten?

Bill Murray: Sie sind noch unverbraucht. Und wenn sich solche Leute für meine Arbeit als Schauspieler interessieren, habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst auch noch nicht völlig im System aufgerieben habe. Außerdem verlange ich winzig kleine Gagen. Kann gut sein, dass die nur deshalb alle so scharf auf mich sind.

Interview: November 2004

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