Sex mit System

Interview mit Liam Neeson zu Kinsey - Die Wahrheit über Sex

VonStar Warszur Sexualkunde. Liam Neeson spielt den Mann, der verhindert hat, dass der Storch die Kinder bringt. Interview von Peter Krobath.

SKIP:Warum kann ein Film über Leben und Werk des Sexualforschers Alfred C. Kinsey noch heute zu so heftigen Kontroversen führen wie jüngst in den USA?

Liam Neeson: Das wurde von der Presse übertrieben. Es ist doch kaum was passiert. Wir hätten uns jedenfalls viel heftigere Proteste erwartet. Aber all diese ultrakonservativen Gruppen haben wohl aus ihren Erfahrungen mit Mel Gibsons Christusfilm gelernt, soviel unbezahlte Werbung wollten sie nicht noch einmal liefern. Ich kann mich erinnern, dass einmal eine Protestaktion am Filmset angekündigt war. Wir haben uns auf alles Mögliche vorbereitet - und dann sind gezählte vier Demonstranten aufgetaucht, nette alte Damen und Herren mit selbstgemalten Schildern. Wir haben sie später sogar zum Lunch eingeladen.

SKIP: Das klingt natürlich sehr harmlos. Aber doch gibt es Gruppen, die Kinseys Sexualreporte für absolut verwerflich halten.

Liam Neeson: Natürlich. Aber diese Leute behaupten auch, dass Shakespeares Romeo und Julia pure Pornografie ist. Kein Witz. Ich habe deren Pamphlete gelesen.

SKIP: Wie denken Sie persönlich über Kinsey?

Liam Neeson: Ich bewundere diesen Menschen. Kinsey hat sich mit seiner Arbeit in Gebiete vorgewagt, die damals noch absolute Tabuzonen der Gesellschaft waren, das ist eine Eigenschaft, die außergewöhnliche Wissenschaftler auszeichnet. Und Kinsey war einer von ihnen. Er wollte die menschliche Sexualität systematisch vermessen, obwohl alle maßgeblichen Stimmen in der Gesellschaft sagten, dass dies aus moralischen Gründen verboten sei. Aber Kinsey ging es nicht um Moral. Ihm ging es um Wissenschaft.

SKIP: Welchen Einfluss hatte Kinsey auf Hollywood?

Liam Neeson: Wohl höchstens den, dass in Hollywood heute viel zuviel Sex gezeigt wird. Das ist jedenfalls meine Meinung als erwachsener Mensch und Familienvater. Mir persönlich ist dieser Overkill an nackten Körpern peinlich. Da wird nichts mehr der Fantasie überlassen. Natürlich betrifft das nicht nur Hollywood. In unserer Gesellschaft wird die Jugend 24 Stunden am Tag mit sexuellen Reizen bombardiert. Ich weiß wirklich nicht, ob das gesund ist.

SKIP: Gibt Ihnen als Schauspieler ein verhältnismäßig kleiner Film wie Kinsey – Die Wahrheit über Sex eine größere Befriedigung als etwa eine Mega-Produktion wie Star Wars?

Liam Neeson: Man darf die künstlerische Komponente vonStar Wars nicht unterschätzen. Es ist eine außergewöhnliche Erfahrung, wenn man sieht welche Kräfte an so einem Set frei werden, das hundertprozentig von Computerfreaks und Kabeln und Festplatten bestimmt wird. Und letztendlich kommt es doch sowieso nur auf die persönliche Vorstellungskraft an. Du musst in eine fremde Welt eintauchen, egal ob du Kinsey spielst oder einen Jedi-Ritter.

Interview: Februar 2005

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