Bin am Beach!

Interview mit Nicole Kidman zu Die Dolmetscherin

Vier Monate lang zog Nicole Kidman australische Strände amerikanischen Studios vor. Die Diva machte Urlaub ohne Ende. Und wer sie erreichen wollte, musste schon ihre Handy-Nummer haben. SKIP hatte sie.

Das Telefon klingelt um 17 Uhr, Ortszeit Los Angeles. Nicole Kidman ruft aus Sydney an. Dort ist es früher Morgen. Sie ist auf dem Weg zum Flughafen, ihre Tochter Bella muss zurück zu Daddy Tom Cruise. Die Kinder werden abwechselnd zwischen den Eltern aufgeteilt. Nicole Kidman ist auf Urlaub. Ihrem ersten seit der Scheidung. Ein Urlaub ohne absehbares Ende, wie sie mir beim Plaudern verrät.

SKIP: Nicole, du nimmst dir seit Jahren vor, endlich eine längere Arbeitspause einzulegen. Aber irgendwie kommen dir immer interessante Filme dazwischen. Was gab den Ausschlag, den Thriller Die Dolmetscherin zu machen?

Nicole Kidman: Man kriegt nicht oft die Chance, mit Könnern wie Sydney Pollack und Sean Penn zu arbeiten. So ein Projekt darf man einfach nicht absagen. Und ich fand, dass eine Geschichte, die in der UNO spielt, derzeit besonders aktuell ist.

SKIP: Wozu man sagen muss, dass Die Dolmetscherin nicht das erste Zusammentreffen zwischen dir und Oscar-Preisträger Sydney Pollack ist...

Nicole Kidman: Das stimmt. In Stanley Kubricks letztem Film Eyes Wide Shut habe ich Sydney als Schauspieler-Kollegen kennen gelernt, später produzierte er meine Filme Unterwegs nach Cold Mountain und Birthday Girl. Schließlich meinte ich: Sydney, jetzt ist aber Schluss! Du musst einfach mein Regisseur werden, du kennst mich schon viel zu gut!

SKIP: Wie ist Sydney Pollack als Regisseur?

Nicole Kidman: Er ist sehr stark und sehr clever. Sydney versteht, wie Schauspieler fühlen, und er fürchtet sich nicht vor Stars, was sehr gut ist. Sean Penn zum Beispiel hat in diesem Film eine wahre Meisterleistung hingelegt. Er ist ungeheuer sexy, er spielt den Beschützer und das finde ich als Frau extrem anziehend. In diesem Film schaust du ihn an und sagst sofort: Wow! Sean Penn ist ein Filmstar!!!

SKIP: Da bleibt nur zu sagen: Schade, dass ihr keine Liebesszene habt.

Nicole Kidman: Im Zentrum von Die Dolmetscherin stehen zwei kaputte Menschen, die einander zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben kennen lernen, wo es keine andere Möglichkeit als Freundschaft gibt. Typischer Fall von richtige Person, falscher Zeitpunkt. Ich halte das für eine interessante und reife Art, Beziehungen zu betrachten. Es wirkt doch immer so gezwungen, wenn man im Kino eine Liebesszene sieht und sofort begreift: Die gehört da gar nicht hin, die wurde nur vom Produzenten reingepresst, um Schlagzeilen zu kriegen.

SKIP: Sprichst du da aus eigener Erfahrung?

Nicole Kidman:Haha, guter Versuch. Nein, ich rede natürlich nur von diesem Film.

SKIP: Du hast einmal gesagt, dass du nie die Tussi mit der Kanone in einem Actionthriller spielen willst. Vermeidet Die Dolmetscherin dieses Klischee?

Nicole Kidman: Ja, das tut er, obwohl er natürlich immer ein Genre-Film bleibt. Die Dolmetscherin ist ein spannender Thriller, kein Fall fürs Kunstkino. Aber meine Rolle ist smart. Und obwohl ich irgendwann mal auch eine Kanone habe, geht es hier sicher nicht darum, so viele Leute wie möglich abzuknallen.

SKIP: Ich konnte mir den Akzent deiner Figur nicht so ganz erklären – war das Absicht?

Nicole Kidman: Ja. Sylvia Broome ist eine wilde Mischung. Sie stammt aus Südafrika, studierte an der Sorbonne, hat in Amerika gelebt und viel Zeit in Europa und England verbracht. Sydney wollte einen undefinierbaren Akzent, damit jedem Zuschauer klar ist, das ist eine internationale Frau.

SKIP: Das erinnert mich ein wenig an dein eigenes Leben. Du wurdest auf Hawaii geboren, bist in Australien aufgewachsen, hast lange in den USA gelebt und verbringst bei Filmdrehs immer wieder viel Zeit in fremden Ländern.

Nicole Kidman: Klar. Ich wollte immer international sein. Schon als Teenager war es mir wichtig, nicht nach meiner Nationalität, sondern nur nach Herz und Seele beurteilt zu werden.

SKIP: Aber derzeit fühlst du dich sehr australisch, oder?

Nicole Kidman: Ach, es ist einfach wunderbar. Ich bin seit vier Monaten auf Urlaub. Und wenn es nach mir geht, wird das auch noch für eine Weile so bleiben.

SKIP: Dabei wolltest du doch in Australien das Melodram Eucalyptus drehen. Warum ging dieser Film flöten?

Nicole Kidman:Weil sich Russell Crowe mit der Regisseurin Jocelyn Moorhouse nicht auf ein Drehbuch einigen konnte. Das muss man sich einmal vorstellen! Ich bin immer noch wütend, weil dieses Projekt wegen so einer Blödheit geplatzt ist. Jetzt werde ich wohl mit dem Secretary-Regisseur Steven Shainberg einen Film über die berühmte Fotografin Diane Arbus machen. Aber ich bin mir noch nicht ganz sicher. Vielleicht setze ich mich ja auch einfach nur hin und schreibe meine Gedanken auf. Ich bin ein sehr kreativer Mensch. Es muss ja nicht immer Schauspielerei sein.

SKIP: Du klingst jedenfalls weit entspannter als ich dich in den letzten vier Jahren erlebt habe?

Nicole Kidman:Weil ich endlich wieder einfach nur in den Tag hinein lebe. Ich mache viel Yoga, gehe schwimmen, ich koche. Nachdem ich gleich meine Tochter ins Flugzeug gesetzt haben werde, treffe ich eine Freundin zum Lunch, danach geht es an den Strand, und abends gibt es Cocktails. Gestern war ich mit meiner Mutter beim Shopping, danach haben wir uns am Strand mit Fish & Chips vollgestopft. Einfach herrlich!

Interview: März 2005

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