Krieg im Frieden

Interview mit Susanne Bier zu Brothers

Das dänische Kino genießt in Cineastenkreisen einen ausgezeichneten Ruf. Susanne Bier liefert mit der intensiven Dreiecksgeschichte Brothers einen weiteren guten Grund dafür.

SKIP:Gab es tatsächlich dänische Opfer beim Afghanistan-Feldzug?

Susanne Bier: Ja, die gab es. Aber die Story von Brothers ist natürlich rein fiktiv.

SKIP: Dänemark ist ein Teil der US-"Allianz der Willigen", auch im Irak. Bei uns weiß man wenig über die Position der dänischen Bevölkerung zu dieser Teilnahme an den US-Militäreinsätzen …

Susanne Bier: Nun, Dänemark befindet sich seit mehreren Jahren im Krieg, das ist schon eine recht bizarre Situation, quasi Krieg im Frieden. Natürlich gibt es auch eine Opposition gegen unsere Kriegsteilnahme. Gleichzeitig haben wir jedoch einen starken Anteil in der dänischen Bevölkerung, der findet, dass man zum Schutz der eigenen Werte da mitmachen müsste. Wir hatten kürzlich Wahlen, und die Partei, die unseren Kriegskurs verantwortet, hat gewonnen. Also kann die Kriegsopposition wohl nicht so stark sein.

SKIP: Wie haben Sie die harten Szenen im afghanischen Gefangenenlager inszeniert?

Susanne Bier: Dafür haben wir uns natürlich Tipps bei Offizieren geholt, das ist für mich ja doch eine sehr fremde Welt. Und Afghanistan haben wir in Spanien nachgestellt.

SKIP: Das Prinzip Hoffnung scheint Ihnen sehr wichtig zu sein …

Susanne Bier: Hoffnung ist ein zentrales Element in all meinen Arbeiten. Natürlich kann ich auch nicht sagen, ob das Paar in Brothers nach diesen schweren Prüfungen für immer zusammenbleiben wird. Aber es gibt die Hoffnung darauf. Und erst die Liebe seiner Frau macht diesen Soldaten nach seinen traumatischen Erlebnissen wieder zum Menschen. Erlebnisse und Empfindungen aufrichtig mit Partnern zu teilen, ist sehr heilsam. Man muss lernen, genau zuzuhören, andere Menschen und ihre Lebensgeschichte so akzeptieren, wie sie eben sind.

SKIP: Ihr letztes Projekt Open Hearts war noch eindeutig den Dogma-Prinzipien verpflichtet. Brothers hingegen ist das nicht …

Susanne Bier: Brothers war auch nie als Dogma-Film konzipiert, aber er ist natürlich auch davon inspiriert. Die Handkamera verwende ich ja ebenfalls immer noch. Aber ich wollte hier die Ausdruckspalette erweitern und unter anderem auch Musik verwenden.

SKIP: War es eigentlich schwierig, Connie Nielsen und Ulrich Thomsen, die mittlerweile ja auch international recht begehrt sind, für dieses doch recht kleine Projekt zu gewinnen?

Susanne Bier: Es ist halt, wie´s immer ist, wenn Leute ein bißchen berühmt sind. Mit Connie selbst war alles kein Problem. Aber sobald ihre Agenten ins Spiel kamen, wurde es mühsam. Mit Ulrich Thomsen hingegen hatten wir überhaupt keine Schwierigkeiten – obwohl der zu der Zeit gerade Königreich der Himmel drehte.

SKIP: Sie waren auch in der Werbung und Musikvideo-Business tätig …

Susanne Bier: Werbung mach ich jetzt teilweise immer noch. Allerdings heute in erster Linie für Charity- oder Non-Profit-Organisationen. Früher hab ich viel Werbung produziert, auch Musikvideos. Ich steh einfach auf die Kunstform des Kurzfilms.

SKIP: Arbeiten Sie schon an einem neuen Projekt?

Susanne Bier: Wir drehen bereits an meinem neuen Film. Er heißt After The Wedding, eine Liebesgeschichte und viel weniger brutal als Brothers.

Interview: April 2005

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