Zombies machen Spaß

Interview mit Simon Baker zu Land of the Dead

Der erste Biss ist der Beste. Oder: Wie der australische Schauspieler Simon Baker in Hollywood zum großen Fan von George A. Romeros Zombies wurde. SKIP-Exklusiv-Interview von Peter Krobath.

Simon Baker wuchs in einem kleinen Ort an der Nordküste von New South Wales auf. Reines Arbeiter-Milieu. Working Class Heroes in den Bars und ein paar Surfer am Beach, wie er erzählt. "Da kamen sechs Männer auf eine Frau. Nicht gerade der Ort, wo du mit dem Berufswunsch Schauspieler punkten kannst." Nach der Highschool jobbte Simon in einem Pub, das Russell Crowes Eltern gehörte. Russell selbst lernte er erst später kennen, als er neben ihm und Guy Pearce der dritte Australier in Curtis Hansons Neo-Noir-Thriller L.A. Confidential war. Heute lebt Simon Baker mit seiner Frau Rebecca Riggs und drei Kindern in Hollywood - wenn auch ohne rechte Begeisterung. "Ich bin nur wegen dem Job da. Mir geht ab, dass diese Stadt kein Herz hat." Nicole Kidman ist eine enge Freundin der Familie. Als Hauptdarsteller in der TV-Serie The Guardian wurde Simon Baker für den Golden Globe nominiert. Zuletzt war er neben Naomi Watts in The Ring 2 zu sehen. Danach kamen die Zombies auf den Geschmack.

SKIP: Warum sind George A. Romeros Zombies immer noch zu faul zum Laufen? Irgendeine Erklärung dafür?

Simon Baker: Tja, die gehen wirklich keinen Schritt schneller als notwendig. Das hat wohl damit zu tun, dass George seine Zombies wie eine Epidemie sieht, wie eine extrem unterhaltsame Krankheit, die da über die Welt gekommen ist. Sie sind eine Art moderne Beulenpest. Im Grunde geht es in diesen Filmen auch immer nur darum, wie wir Menschen untereinander klarkommen, die Zombies nur der Hintergrund für die eigentliche Geschichte. Noch ein Grund warum sie nicht laufen: Die Zombies lassen sich Zeit, damit wir uns in Sicherheit wiegen. Das ist wie beim Tennis. Je langsamer und überlegter dein Gegner spielt, desto mehr Fehler machst du. Du glaubst, du hast das Spiel im Griff, dabei bringt dich der Zombie mit Leichtigkeit dazu, jeden zweiten Ball ins Netz zu donnern.

SKIP: Verlieren Zombies ihren Schrecken, wenn man sich lang genug an sie gewöhnt hat?

Simon Baker: Natürlich. Aber das ist in der Realität doch auch nicht anders. Weißt du noch, wie aufgeregt die Welt war, als wir das erste Mal von AIDS gehört haben? Mittlerweile haben uns an den Schrecken gewöhnt. Immer noch stecken sich tagtäglich massenweise Menschen mit dem HI-Virus an. Aber es ist uns keine Schlagzeile mehr wert. Irgendwann im Film sagt meine Figur: "Die Zombies sind wie wir. Die suchen auch nur ihren Platz auf dieser Welt." Diesen Satz kann man auf viele verschiedene Weisen interpretieren, selbstverständlich auch politisch. Darin liegt die große Kraft von Romeros Filmen.

SKIP: Du klingst wie ein Fan des Zombie-Genres ...

Simon Baker: Meine erste Zombie-Begegnung hatte ich mit Dawn of the Dead (gemeint ist das Original aus dem Jahr 1978, Anmerkung der Redaktion). Ich muss damals so Anfang Zwanzig gewesen sein. Ich war ein Tellerwäscher in einem kleinem Pub in Australien, am Meer, ein Kollege und ich hatten uns nach der Arbeit einen Joint reingezogen und dann sah ich diesen Film. Ich dachte: "Holy Shit, was ist denn das?" Damals hätte ich keinen Cent gewettet, dass ich selbst mal beruflich mit diesen Biestern zu tun kriegen würde.

SKIP: Wie fühlt man sich als Schauspieler, wenn da wochenlang am Set mit Zombies abhängt?

Simon Baker: George A. Romero ist noch alte Schule, da gibt es quasi keine digitalen Bilder, da wird jeder Zombie von Hand gebaut, jeder Schädel, der da explodiert, beruht auf liebevoller Kleinarbeit. Wir hatten 42 Drehtage, hauptsächlich wurde nachts gearbeitet, wir brauchten die Dunkelheit ... in Kanada, im Winter ... es war schweinekalt, das weiß ich noch. Die Arbeitsbedingungen waren echt hart, aber der Dreh hat Spaß gemacht. Am Coolsten war es in der Maskenabteilung. Diese Typen lieben ihren Job. Man glaubt gar nicht, wie viel Herzblut in so einem Zombie steckt. Und natürlich schminkt sich keiner ab, wenn er zwischendurch zur Kaffeemaschine geht. So sind auch die Pausen ziemlich surreal.

SKIP: Was sind das für Menschen, die als Zombie-Statisten durch einen George A. Romero-Film schlurfen?

Simon Baker: Du würdest dich wundern, wie normal diese Typen sind. An denen ist aber auch gar nichts Außergewöhnliches. Da stehen Leute stundenlang in der Schlange, um sich zum Zombie schminken zu lassen, du denkst dir Freaks, und irgendwann begreifst du, das sind ganz normale Durchschnittsbürger, Ärzte, Rechtsanwälte, Familienmenschen, die eben eine Affinität zu diesem Genre haben. Das habe ich auch an mir selbst gespürt: Am Anfang war ich ein richtiger Snob, ich wollte gar nicht zugeben, dass ich in einen Zombie-Film mitmache. Dann habe ich gemerkt, wie viele meiner Freunde völlig ausflippen, wenn ich den Namen George A. Romero erwähne. Das hat mir die Augen geöffnet. So wie zum Beispiel meine gute Freundin Nicole Kidman, auch die findet Zombies cool. Das habe ich vorher nicht gewusst.

Interview: Juni 2005

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