Blut am Piano

Interview mit Romain Duris zu Der wilde Schlag meines Herzens

Ob man durch Kunst ein besserer Mensch wird? Mit einer waghalsigen Balance zwischen Gefühl und Gewalt sichert sich Romain Duris einen Spitzenplatz in der europäischen Filmlandschaft.

SKIP: Jacques Audiards Der wilde Schlag meines Herzens beruht lose auf James Tobacks Thriller Fingers. Als knallharter Straßenpunk mit heimlicher Liebe zum Klavierspiel treten Sie in die Fußstapfen von Harvey Keitel. Macht das nervös?

Romain Duris: Nein, weil ich glaube, dass sich unser Film doch deutlich von Fingers unterscheidet. Das Einzige, was ich mir von Harvey Keitel abgeschaut habe, ist die starke körperliche Präsenz, die er in Jane Campions Das Piano beim Klavierspiel zeigt. Ich mag diese Form von Energie.

SKIP: Ich kenne Sie aus Filmen, in denen Sie eher sanfte, sensible Charaktere spielen. Aber plötzlich stellen Sie einen Menschen dar, der einen unglaublichen aggressiven Kern hat.

Romain Duris: Grundsätzlich kann ein Schauspieler immer nur die Rollen spielen, die er angeboten kriegt. An Tom gefällt mir, dass seine Aggressivität nicht aus dem Nichts kommt. Es gibt Gründe für seine seelischen Wunden. Ich finde es schade, dass mir solche Parts nicht schon früher angeboten wurden. Aber vielleicht es das auch eine Frage von persönlicher Reife. Womöglich kann man einen Menschen, der so sehr vom Drang besessen ist, sein Leben unbedingt ändern zu wollen, erst spielen, wenn man selbst ein gewisses Alter erreicht hat. Mit 20 ist es leicht, alles hinzuschmeißen und völlig neu anzufangen. Mit 30 schaut das anders aus. Da steht schon einiges auf dem Spiel.

SKIP: Mussten Sie auch wie Tom erst ein anderes Leben aufgeben, bevor Sie Schauspieler werden konnten?

Romain Duris: Ganz so tragisch war es nicht. Ich habe Design studiert, bevor ich mich anders entschied. Aber wie schon gesagt, mit 20 ist das kein Problem. Es gab ja nichts zu verlieren. Es war einfach die Entscheidung, meinem Leben eine andere Richtung zu geben. Ich bereue nur, dass ich heute nicht mehr so viel zum Malen komme wie früher.

SKIP: Welche Art von Bildern malen Sie?

Romain Duris: Frauen bei der Liebe. Aber nichts Pornografisches. Ich sehe das mehr von der humoristischen Seite. Und ich male Landschaften. Ausstellung gab es noch keine. Meine Bilder existieren nur für mich.

SKIP: Spielen Sie selbst auch Klavier?

Romain Duris: Nein. Meine Schwester ist Konzertpianistin, sie hat mir alles beigebracht, was ich für den Film brauchte. Wir hatten ein Klavier zu Hause. Ich bin damit aufgewachsen, dass ich meine Schwester 10 Stunden am Tag üben hörte. Also kann man schon sagen, dass ich eine besondere Beziehung zu diesem Instrument habe.

Interview: September 2005

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