Echt Damonisch

Interview mit Matt Damon zu Brothers Grimm

In Terry Gilliams Brothers Grimm gibt Matt Damon den schlitzohrigen Abenteurer und fantasievollen Märchenonkel – im SKIP-Exklusiv-Interview spricht er selbstverständlich nichts als die ungeschminkte Wahrheit.

Nach seinem Hollywood-Durchbruch Good Will Hunting, der ihm und seinem besten Buddy Ben Affleck den Oscar eingebracht hatte, schwor sich Matt Damon, so viele völlig verschiedenartige Rollen wie möglich spielen zu wollen. Und im Gegensatz zu Ben hat er den Vorsatz auch durchgehalten – nun wagte er sich für Terry Gilliam in dessen schaurig-schönen Märchenwald.

SKIP: Im deutschsprachigen Raum wachsen wir mit den Grimm-Märchen auf. Wie war das in deiner Kindheit? Was war das erste Märchen, das du gehört oder gelesen hast?

Matt Damon: Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches das erste Märchen war, aber ziemlich sicher auch eines der Gebrüder Grimm. Meine Mutter hat sie mir alle vorgelesen. Wir hatten die komplette Sammlung zuhause. Und am Set sorgte Terry Gilliam dafür, dass immer alle Bände zur Hand waren, damit wir nachschauen konnten. Also habe ich alle noch mal gelesen, weil ich mich an viele nicht mehr erinnern konnte.

SKIP: Bei welchem Märchen hast du dich als Kind am meisten gefürchtet?

Matt Damon: Ganz klar Hänsel und Gretel. Die Idee, dass zwei kleine Kinder mitten im Wald ausgesetzt werden … brrr! Im Gegensatz dazu war der große böse Wolf ein Klacks. In den amerikanischen Illustrationen hat der noch dazu immer total lieb ausgesehen. Nicht annähernd so wild wie ihn Terry Gilliam darstellt.

SKIP: In der Originalversion sprichst sowohl du als auch Heath Ledger mit einem britischen Akzent – ist euch eigentlich aufgefallen, dass die Brüder Grimm Deutsche waren?

Matt Damon: (lacht) Ja, natürlich! Wir hatten auch lange Debatten darüber. Aber mit einem deutschen Akzent ist man in einem englischsprachigen Film nun mal meist automatisch entweder Nazi oder verrückter Wissenschafter – und das wollte Terry natürlich auf keinen Fall (grinst). Deshalb hat er schließlich einen Londoner Akzent vorgeschlagen.

SKIP: Wieviel habt Ihr über die wahre Geschichte der Brüder Grimm erfahren? Jeder kennt ihre Märchen, aber über sie selbst weiss man kaum etwas …

Matt Damon: Das, was mir am wichtigsten erschien, war, wie unglaublich gebildet die beiden waren, und dass sie die dermaßen gut zusammen arbeiten konnten – ihr ganzes Leben hindurch bis zu ihrem Tod. Sie waren wunderbare, kreative Menschen, die auch sehr einflussreich wurden. Jakob war Politiker, ein sehr mächtiger Politiker in Deutschland. Und das zu einer Zeit, als die Deutschen angesichts der Franzosen, die als viel zivilisierter galten, eine Identitätskrise durchmachten. Und genau damals gruben die Gebrüder Grimm die alten Legenden aus und schrieben sie auf. Denn bis dato gab es sie nur als mündlich übertragene Geschichten und Fabeln. Und auf einmal wurde den Deutschen klar, dass ihre Geschichte in keiner Weise nur barbarisch war, dass es etwas gab, worauf sie stolz sein konnten. Die Brüder waren wichtige Figuren in der Geschichte Deutschlands.

SKIP: Terry Gilliam ist für seine sehr fordernden Dreharbeiten bekannt. Wie war das bei diesem Film?

Matt Damon: Wundervoll. Für Heath Ledger und mich war es wie ein schönes Märchen, einfach unglaublich. Wir lernten so viel. Heath und ich wollen beide mal Regie führen, und dieser Film war für uns wie eine Meisterklasse. Terry zu beobachten, seine unfassbare Aufmerksamkeit für Details – wow. Natürlich gab es auch Probleme. Gleich zu Beginn hat er sich mit dem Studio überworfen, aber das gehört bei Terry ja fast dazu und hatte auf uns keinen Einfluss. Und die Gruppendynamik zwischen dem ganzen Team hat wunderbar funktioniert, wir haben ganz Prag unsicher gemacht.

SKIP: Du bist spätestens seit Ocean´s Eleven gefürchtet für deine Scherze am Set – was hast du dir diesmal ausgedacht?

Matt Damon: Diesmal hab ich darauf verzichtet. Terry hat einen großartigen Humor, daher ist die Atmosphäre rund um ihn auch immer extrem witzig. Aber er legt auch unheimlich großen Wert auf Ernsthaftigkeit bei der Arbeit. Er dreht viel in Großaufnahmen, daher ist es wichtig, dass jeder genau weiß, was er in einem Take zu tun hat. Ein kleiner Fehler, und die Szene muss wiederholt werden. Terry verlangt von allen das Beste. Aber er selbst setzt auch das beste Beispiel, und sein Enthusiasmus ist ansteckend.

SKIP: Wie verstehst du dich eigentlich heute mit Ben Affleck? Vor Jahren habt ihr noch kaum eine Minute ohne einander verbracht, jetzt sieht man ihn immer nur zusammen mit Jennifer Garner.

Matt Damon: Ja, und das ist schon die zweite Jennifer (lacht). Ich wünsche ihnen wirklich nur das Beste, Jennifer Garner ist eine wunderbare Frau. Das einzig Traurige ist nur, dass ich Ben arbeitsbedingt so wenig sehe. Wir sind fast immer auf zwei verschiednen Kontinenten, und weil wir auch nie zum Schreiben kommen, müssen wir uns wirklich anstrengen, uns zu treffen. Meistens geschieht das über die Weihnachtsfeiertage, weil wir da immer beide daheim in Boston sind.

Interview: August 2005

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