Hart aber schmerzlich

Interview mit Viggo Mortensen zu A History of Violence

Mittelerde-Hero Viggo Mortensen kann mehr als nur die Welt retten. In Kult-Regisseur David Cronenbergs neuem Epos zeigt er, was sonst noch so in ihm steckt. Kurt Zechner traf den bescheidenen Superstar.

SKIP:Viggo, Ihr neuer Schnauzer hat doch sicher mit einer Filmrolle zu tun, oder …

Viggo Mortensen: Ja, ich drehe gerade eine großen spanischen Produktion mit dem Titel Alatriste, ich spiele den gleichnamigen Soldaten im 30-jährigen Krieg.

SKIP: Wie haben Sie sich mit Ihrer schwieirgen Rolle in David Cronenbergs A History of Violence auseinandergesetzt?

Viggo Mortensen: Ich konzentriere mich immer sehr darauf, was mit einer Figur passierte, bevor sie überhaupt den ersten Satz im Skript sagt. Die Vorbereitung auf eine Rolle ist für mich eines der größten Vergnügen bei meiner Arbeit. Für A History of Violence ging ich nach Philadelphia und traf mich dort mit ein paar wirklich zwielichtigen Typen. Das war lustig. Auch im mittleren Westen der USA hab ich mich viel rumgetreiben, um das Kleinstadt-Feeling richtig hinzukriegen. Recherche zahlt sich immer aus. Ich finde, das sieht man auf der Leinwand.

SKIP: Was denken Sie zum Thema Gewalt im Kino? Speziell in den USA wird ja viel darüber diskutiert, ob die Darstellung von Gewalt im Film die Gewaltbereitschaft der Zuseher verstärkt.

Viggo Mortensen: Gewalt an sich ist etwas, das im Leben eines jeden Menschen in jedem Land eine wesentliche Rolle spielt. Nicht nur in den USA. Gewalt wird existieren, solange es Menschen gibt. Und Gewalt wird ja keineswegs immer verurteilt. Man sieht auch in A History of Violence Leute, die für eine Gewalttat applaudieren – der Täter wird sogar zum Helden gemacht, bloß weil seine Handlungen in den Augen vieler gerechtfertigt scheinen. A History of Violence beschäftigt sich mit dem freien Willen eines jeden Menschen. Man kann all seine Handlungen hinterfragen und sein Verhalten ändern, wenn man will. An jedem Punkt seines Lebens. Cronenberg lädt sein Publikum immer ein, selbst nachzudenken. Das machen nur ganz wenige Regisseure. Er öffnet eine Tür und man folgt ihm – und zwar, weil man neugierig ist und nicht, weil einen jemand dazu zwingt.

SKIP: Und wie stehen Sie nun zu der Form, wie Cronenberg Gewalt darstellt?

Viggo Mortensen: Eine meiner ersten Fragen an ihn war: Wie wollen Sie die Gewalt zeigen? In der Hand eines weniger talentierten Filmemachers würden bei so einem Stoff wohl extreme Gewaltszenen massiv überinszeniert werden. Schön gefilmt, mit viel Zeitlupe etc. So ein Film wäre allerdings schnell wieder vergessen. Cronenberg zeigt, wie Gewalt wirklich ist: Sie passiert schnell, nicht in Zeitlupe, oft unerwartet und hat schreckliche Konsequenzen – nicht nur physisch, sondern emotional. Das ist nicht angenehm anzusehen. Aber genau weil die Gewalt hier so realisitsch ist, geht’s in Wirklichkeit gar nicht darum. Es geht nicht um die Gewalt selbst, es geht um ihren Preis.

Interview: Mai 2005

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