Mädchen für alles

Interview mit Keira Knightley zu Stolz und Vorurteil

Raus aus der verfluchten Karibik, rein ins romantische Derbyshire: Keira Knightley hat viel zu tun. Nach dem SKIP-Exklusiv-Interview in London gings gleich ans nächste Set nach L.A., wo sie fürTop Gun-Regisseur Tony Scott vor der Kamera steht.

Seit Keira Knightley im Überaschungshit Kick it Like Beckham und der Episoden-Lovestory Tatsächlich ... Liebe erstmals ihren ganz speziellen Zauber einsetzte, ist für die mittlerweile 20-Jährige leinwandmäßig einiges weitergegangen. In der Fluch der Karibik-Serie hat sie als eigensinnige Südseeperle einen Fixplatz zwischen Johnny Depp und Orlando Bloom. Gerade hat sie für Regisseur Tony Scott (Top Gun, Staatsfeind Nr. 1) die schwarze Action-Komödie Domino abgedreht. Und die Rolle als Lizzy Bennet in der Neuverfilmung von Jane Austens ultimativem Liebesroman Stolz und Vorurteil kommt – zumindest in ihrer Heimat Großbritannien – sowieso einer Art nationaler Heiligsprechung nahe. Dass die bllutjunge Beauty trotzdem so natürlich allürenfrei, lustig und nett geblieben ist, grenzt an ein kleines Kinowunder. Aber für Wunder ist Hollywood schließlich da.

SKIP: Hast du vor dem Dreh eigentlich Jane Austens Roman gekannt?

Keira Knightley: Gekannt? Ich war besessen davon!!! (lacht). Als Kind hab ich von meiner Mum das Audiobook auf Kassette gekriegt, das lief dann wochenlang in Endlosschleife. Und ich hatte auch Stolz und Vorurteil-Puppenhäuser mit allen Romanfiguren drin – und in den Häusern lagen überall Miniaturkopien des Buchs rum (grinst)! Als ich neun oder zehn war, kam dann die legendäre BBC-TV-Version raus, mit Colin Firth als Mr. Darcy. Die hatte ich natürlich sofort auf Video und sah sie nonstop, zwei Jahre lang (lacht). Mein Bruder hasst mich heute noch dafür, weil ich ständig den Familienfernseher blockierte. Ja, und gelesen hab ich das Buch natürlich sowieso hundertmal, sobald ich gut genug lesen konnte.

SKIP: Hattest du da keine Scheu, in einer Neuverfilmung mitzumachen?

Keira Knightley: Doch, anfangs schon – die Geschichte ist ja ein echtes Heiligtum. Aber Regisseur Joe Wright hat mich überzeugt, dass sein Zugang ganz neu und anders sein würde.

SKIP: Inwiefern anders?

Keira Knightley: Nun, er wollte die sozialen Gegebenheiten dieser Zeit (der Film spielt 1790, Anm.) so authentisch und realistisch wie möglich darstellen. Joe hat das so erklärt: Wenn jemand in 50 Jahren über die heutige Zeit einen Film drehen wird, dann werden die Charaktere höchstwahrscheinlich aussehen wie in den Fashionmagazinen von 2005. Alle sind perfekt frisiert und supermodisch gekleidet. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Und bei den Leuten im 18. Jahrhundert war das ganz genau so: Oft haben die ja auch versucht, supermodisch zu sein, aber es einfach nicht hingekriegt. Sie hatten keine Dienstmädchen, die ihnen Locken legten, und keine eigenen Schneider. So sehr ich die BBC-Version liebe – aber die Leute darin sehen immer perfekt gestylt und gepflegt aus. Richtig unberührbar. In unserem Film sieht man richtige Menschen. Verschwitzt, schlampig und aus Fleisch und Blut.

SKIP: Wie gefielen dir die Kleider, die du als Lizzy Bennet trägst?

Keira Knightley: Die waren ziemlich angenehm, gar nicht einengend, wie man sich das vorstellen würde. Lizzy ist ja nie wirklich zurechtgemacht, sie sieht meist fast ein bisschen schlampig aus. Richtig burschikos – wenn man das in einem Kleid überhaupt sein kann.

SKIP: Joe Wright erzählte, dass er dich anfangs gar nicht als Lizzy besetzen wollte, weil er dich zu schön fand. Erst als er dich zum ersten Mal persönlich traf, hat er seine Meinung geändert ...

Keira Knightley:... weil er gesehen hat, dass ich doch nicht so gut aussehe (lacht)? Es geht doch nichts über ein gut gesetztes Kompliment! Aber ernsthaft: Ich wirke in Natura viel weniger lieblich als auf der Leinwand. Ich bin ziemlich schlampig, und alles, was ich trage, sieht früher oder später schlampig aus – egal wie elegant es zuvor gewesen sein mag.

SKIP: Spätestens seit Fluch der Karibik bist du ein echter Hollywood-Star. Fühlst du dich auch manchmal unter Druck gesetzt, dem Hollywood-Schönheitsideal entsprechen zu müssen?

Keira Knightley: Nein, eigentlich nicht. Und selbst wenn ich wollte, würde das auch nicht viel nützen (lacht). Ich liebe L.A., aber ich möchte nie dort wohnen – weil ich diesen Zirkus so lächerlich finde. Zum Beispiel bin ich dort mit Abstand eine der dicksten Jung-Schauspielerinnen. Echt wahr! Bei Casting-Terminen sind die anderen alle maximal die Hälfte von mir. Oder beim shoppen - da gibt es überall diese Tops, die ganz offensichtlich nur für Frauen gemacht sind, die unechte Brüste haben. Denn mit BH kann man die nicht anziehen – und ohne schon gar nicht, wenn man einen natürlichen Busen hat! Oder wenn ich dort zum Hautarzt gehe, damit was gegen meine Akne macht, und der sagt: "Geht klar - sollen wir auch gleich Ihre Nase richten und Fett absaugen?" Ich bin 20 Jahre alt! Was wollen die denn von mir? (lacht)

SKIP: Würdest du dir jemals die Brüste vergrößern lassen?

Keira Knightley: Oh nein. Da gibt es so eine Reality-TV-Serie namens Dr. 90210. Da zeigen sie, wie Schönheitsoperationen gemacht werden. Das ist brutal! Absolut wääh! Sind die alle wahnsinnig??

SKIP: Gibt es für dich persönlich eine Art Schönheitsideal? Irgend jemanden, der du gerne ähnlich sehen würdest?

Keira Knightley: Oh ja: Sienna Miller! Es wäre schön, mehr wie sie auszusehen. Sie ist perfekt.

SKIP: Hast du sie schon mal getroffen?

Keira Knightley: Ja, ein paar Mal, und sie ist ein echtes Sweetheart. Und sie sieht immer sooo toll aus! Echt wahr: ich kenne keine einzige 20-jährige, die nicht gern Sienna wäre. Oder Kate Moss – die ist immer noch der Inbegriff der Rock-’n’-Roll-Coolness. Ich hätte auch nichts dagegen, wie sie auszusehen. Aber das ist eine der tollsten Dinge an meinem Job: Man kann immer jemand anders sein. Ich kann mich ja ohnehin nie entscheiden, wer oder was ich wirklich sein will, da kommt mir das sehr entgegen.

SKIP: Gerade jetzt hast du wieder Filme für völlig unterschiedliches Zielpublikum am Start …

Keira Knightley: Allerdings! Da ist zum einen Stolz und Vorurteil, ein wunderschön romantischer Liebesfilm – und dann bald Domino, sicherlich das Heftigste, was ich je gemacht habe. Sex, Drogen, Gewalt ... alles drin. Viele Leute werden davon schockiert sein. Hoffe ich zumindest (lacht).

SKIP: Eins haben die meisten deiner Rollen gemeinsam: du spielst starke, relativ unabhängige Frauen.

Keira Knightley: Das hängt wahrscheinlich auch mit meinen eigenen Kino-Vorlieben zusammen: Meine absolute Lieblingsschauspielerin aller Zeiten ist Katharine Hepburn, knapp gefolgt von Bette Davis. Ich möchte auf der Leinwand starke Frauen sehen. Weibchen im Hintergrund interessieren mich nicht. Ich spiele sicher nie die scharfe Tante mit dem Schmollmund, deren Hauptaufgabe es ist, rumzukreischen und dann Sex mit der männlichen Hauptfigur zu haben.

SKIP: Du hast auch gerade in der Südsee Pirates of the Carribbean – Dead Man´s Chest abgedreht. Sicher, es ist schön dort – aber hast du trotzdem manchmal Heimweh gehabt?

Keira Knightley: Monatelange Trennungen von deinen Lieben sind immer schwierig und schmerzhaft. Ich habe mir da einige Gegenstrategien zurechtgelegt: Meine Mum zum Beispiel kommt mich am Set besuchen, wann immer sie kann. Sie ist Schriftstellerin, das macht die Sache einfacher, denn schreiben kann sie überall ihrem Laptop. Und auch sonst versuche ich so viele Freunde und Verwandte wie möglich zu Kurzbesuchen zu überreden. Gott sei Dank brauch ich bei diesem Reiseziel nicht sooo viele Argumente (lacht). Und wenn ich mal ein paar Tage drehfrei habe, dann flieg ich heim. An meinem Geburtstag (am 26. März wurde sie 20, Anm.) zum Beispiel bin ich für drei Tage aus der Karibik nach London geflogen. Ich wollte nicht schon wieder ohne meine Family feiern wie die zwei Geburtstage davor. Gerade in diesem Biz darf man den Kontakt zu seiner eigenen Welt nie verlieren.

Interview: Juli 2005

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