Queen Kong

Interview mit Naomi Watts zu King Kong

Gegen den größten Filmlover aller Zeiten anzuspielen ist keine Kleinigkeit. Doch zwischen dem riesigen King Kong und der zarten Naomi Watts stimmt die Chemie. Kurt Zechner besuchte sie exklusiv am Set in Neuseeland.

"Ich war immer schon ein wildes Mädchen. Ich habe einen älteren Bruder, und er und seine Freunde waren meine Spielkameraden. So hatte ich nie die Chance, auf zimperlich zu machen. Ich trug auch nie rosa Nagellack oder hübsche Kleidchen. Ich wollte tough sein!" Eine weise Entscheidung von Naomi Watts – denn nun, als sie Peter Jackson am King Kong-Set zum 20. Mal von Hundertschaften halbnackter Film-Wilden den Opferhügel hinaufzerren lässt, braucht es jeden Funken Zähigkeit in ihrem zarten Körper. Kurz darauf sitzt eine bibbernde Naomi, eingehüllt in eine warme Decke, im Interview-Zelt, schlürft heißen Tee und schenkt den mitleidigen Journalisten ihr (den Umständen entsprechend) wärmstes Lächeln.

SKIP: Gerade hatten wir das Privileg, Ihnen beim Dreh zusehen zu dürfen. Sie wurden von den Eingeborenen Stufen raufgeschleppt, fallen mehrmals hin, es war eiskalt, sie waren nur mit Unterwäsche bekleidet und wurden noch dazu von strömendem Regen aus Feuerwehrschläuchen besprüht. Wie fühlt sich das an, so eine Szene immer und immer wieder zu drehen?

Naomi Watts: Schrecklich anstrengend (lacht)! Aber dass ich nach dem 20. Take schon so völlig fertig aussah, trägt sicher zur Glaubwürdigkeit der Szene bei.

SKIP: Wie schaffen Sie es eigentlich, einen solchen Dreh ohne Lungenentzündung zu überstehen?

Naomi Watts: (lächelt) Wir haben hier solche speziellen Fleece-Alu-Decken, die sonst nur Bergsteiger verwenden. Die wärmen kurzzeitig extrem schnell wieder auf, wenn man sich zwischen den Takes drin einwickelt.

SKIP: Hatten Ihre Co-Schauspieler und die Statisten, die Sie in der Szene als Eingeborenen gewaltsam die Stufen raufzerren, eigentlich Hemmungen, Sie als Star richtig hart anzupacken?

Naomi Watts: Nein, genau das Gegenteil war der Fall (lacht)! In der ersten Probe haben sie mich richtig grob gepackt, und ich musste sie etwas zurückpfeifen. Als wir dann zu drehen anfingen, waren sie wieder viel zu sanft. Das war zwar für mich angenehmer, sah aber auf der Leinwand nicht sehr überzeugend aus. Also hieß es: Zurück zur Brutalität (lacht)! Deshalb bin dann auch sehr oft hingefallen bei der Szene und hab mir jede Menge blauer Flecken geholt. Den Kopf hab ich mir auch angeschlagen (zeigt ihre Beulen).

SKIP: Inwiefern hat sich Ihre Ann Darrow im Vergleich zur Ur-Version von 1933 verändert? Beide Filme spielen ja zur gleichen Zeit …

Naomi Watts: Heute haben wir insgesamt einen ganz anderen Zugang zu der Geschichte. Ann ist in Peters Film eine viel stärkere Frau, kein kreischendes Weibchen mehr. Das wäre reichlich unzeitgemäß.

SKIP: Heißt das, Sie kommen ganz ohne Tribute an Fay Wrays legendären King-Kong-Schrei aus? Der machte sie ja quasi zur Mutter aller Scream Queens.

Naomi Watts: Sie schreit wirklich unglaublich gut, aber auch sehr viel … Bei mir wird das etwas weniger werden, fürchte ich. Meine Ann wird wohl ein bisschen tougher. Und außerdem ist so ein Schrei verdammt schwierig hinzukriegen. Man braucht dazu sehr viel Technik und Übung. Wenn man das nicht richtig kann, kommt nur Gekrächze dabei raus – und unglaubliche Halsschmerzen (lacht).

SKIP: Wie kam es eigenlich zu Ihrem Engagement? Hat man Sie einfach angerufen oder gab es auch Castings?

Naomi Watts: Peters Team hat mich kontaktiert, als sie gerade den dritten Ringe-Teil in London fertig stellten. Wir trafen uns zum Dinner, das war aber mehr ein freundschaftlicher Event, wir haben kaum von King Kong gesprochen. Als es dann aber bald darauf recht konkret wurde, war ich natürlich sehr aufgeregt. Ich hab ja noch nie bei einem Blockbuster mitgemacht.

SKIP: Hatten Sie keine Bedenken, die Rolle anzunehmen? Fay Wray wurde damals nach King Kong sehr festgelegt auf den Part und hatte es danach recht schwer, Rollen zu finden.

Naomi Watts: Oh, ich habe bei jedem Film Bedenken. Meistens sogar noch, wenn wir schon längst filmen! Aber ich hoffe schon, dass es diesbezüglich bei mir anders läuft. Schließlich habe ich ja schon zuvor die unterschiedlichsten Filme gemacht.

SKIP: Wie spielt man eigentlich eine Liebesgeschichte gemeinsam mit einer Special-effects-Kreatur?

Naomi Watts: Das war mein erster Gedanke am Set: Wie kann man eine Liebesgeschichte mit jemandem kreieren, der beim Drehen gar nicht da ist? Aber gemeinsam mit dem großartigen Andy Serkis, der diesbezüglich durch seine Rolle als Gollum so viel Erfahrung hat, war ich mir sicher, das es klappen würde. Ich hatte zwei Augen und eine Seele, auf die ich mich konzentrieren konnte. So war es leicht, eine echte Verbindung herzustellen.

SKIP: Hätten Sie bei einem Film mit einem Riesenaffen auch zugesagt, wenn ihn nicht Peter Jackson gemacht hätte?

Naomi Watts: (lacht) Nun, hängt davon ab, wer es dann gewesen wäre … Aber klar, Peter war das wichtigste Argument für mich. Mit ihm zu arbeiten ist wohl Ziel jedes Schauspielers.

SKIP: Was ist es, was die Arbeit mit Peter so besonders macht?

Naomi Watts: Seine Visionen sind extrem klar und greifbar. Deshalb vertraut man ihm total, bereits lang bevor man überhaupt ans Set kommt. Er legt sehr viel Wert auf die ganz persönliche Interpretation jeder Rolle. Und auch wenn er sehr stark ist, überrumpelt er einen nie mit seiner Meinung, wie das viele andere Regisseure tun. Man kann ihm jederzeit eigene Ideen präsentieren – auch wenn die noch so doof oder verrückt scheinen. Er hilft allen, ihrem Instinkt zu vertrauen. Bei ihm kommt man sich nie blöd vor, wenn man mal was ausprobiert. Und so kitzelt er aus allen Beteiligten das Beste raus, was sie ihm geben können.

Interview: November 2004

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