Kein Ostverächter

Interview mit Elijah Wood zu Alles ist erleuchtet

Freizeichen für Frodo. Mit Elijah Wood am Telefon zu quatschen ist entspannend wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Und man erfährt mindestens ebenso viel Interessantes.

Heißer Draht nach Hollywood. Hier bei uns ist es schon dunkel – doch in L.A. geht der Tag erst so richtig los. "Hallo, wie geht’s dir da drüben in der Alten Welt?" tönt Elijah Wood fröhlich durchs Telefon. Danke, gut natürlich. Und selbst? "Oh, wunderbar, danke. Also, was kann ich dir alles erzählen?"

SKIP: Wie bist du auf das Script von Alles ist erleuchtet gekommen? Nach deinem Der Herr der Ringe-Megaauftritt ist das ja eine vergleichsweise kleine Produktion …

Elijah Wood: Ob ein Film viel oder wenig Budget hat, ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Ich versuche, mir Rollen auszusuchen, die ich mag. Das war auch bei Der Herr der Ringe nicht anders – dass der dann so riesig geworden ist, war ein positiver Nebeneffekt (lacht). Alles ist erleuchtet hat mir einfach gefallen, und ich finde Liev Schreiber super, also war ich dabei.

SKIP: Wie war der Dreh in Osteuropa?

Elijah Wood: Sehr aufregend, ich kannte diesen Teil der Welt bisher ja kaum.

SKIP: Wo genau habt ihr gedreht?

Elijah Wood: Fast ausschließlich in Prag und Umgebung, dort ist ja fast alles an Infrastruktur vorhanden. An den ukrainischen Originalschauplätzen wurden nur ein paar Landschafts-Shots gedreht, der ganze Film wäre sonst zu teuer gekommen – wir hätten sämtliche Ausrüstung erst hinkarren müssen. Aber Prag gibt auch ein recht prächtiges Odessa ab (lacht). Ich hab mich dort auch unglaublich wohl gefühlt, ich finde, Prag ist echt eine der schönsten und atmosphärischsten Städte der Welt. Und das Bier ist herrlich (lacht).

SKIP: Gibt es eigentlich Parallelen zwischen dir und dem Filmheld? Wie wichtig sind dir deine eigenen Wurzeln?

Elijah Wood: Nun, ich würde mich schon gern mal auf die Suche nach meiner Familiengeschichte machen. Wir hier in den USA haben es damit ja viel schwerer als bei euch in Europa, weil die meisten unserer Vorfahren ja von weit her eingewandert sind. Vor kuzem erst habe ich erfahren, dass auch Teile meiner Familie aus Osteuropa stammen – aus Polen und Deutschland. Das hat den Alles ist erleuchtet-Dreh für mich natürlich noch ein bisschen spannender gemacht. Allerdings gibt es doch einen gravierenden Unterschied: Meine Vorfahren waren keine Juden, ihnen blieb das schreckliche Schicksal der Großeltern-Generation im Film erspart.

SKIP: Wie wichtig ist dir deine Familie generell?

Elijah Wood: Sehr wichtig. Ich habe eine sehr enge Beziehung zu meiner Mutter, meiner Schwester Hannah und meinem Bruder Zack, wir sind einander sehr nahe. Nur zu meinem Vater haben wir kaum Kontakt.

SKIP: Deine Filmfigur ist ein besessener Sammler. Sammelst du auch irgendwas?

Elijah Wood: Ja, ich kenne dieses Phänomen recht gut. Ich kann absolut nichts wegwerfen. Fotos, Zeitungsausschnitte, Zettel, Dinge, die mich an bestimmte Menschen erinnern. Momentan ist das allerdings blöd, weil ich keinen wirklichen Wohnsitz habe und ständig zwischen verschiedenen Städten pendle. Und ich weiß langsam wirklich nicht mehr, wohin mit meinem ganzen Zeugs (lacht)! Schon als Kind habe ich Spielsachen gesammelt. Ich habe eine ziemlich komplette Kollektion von Star-Wars-Toys, auf die ich unglaublich stolz war.

SKIP: Wow, die Star-Wars-Kollektion von Elijah Wood – hast du schon mal drüber nachgedacht, was das für Sammlerwert hätte?

Elijah Wood: Stimmt eigentlich – wenns mir mal schlecht geht, kann ich das ganze ja auf eBay stellen (lacht).

SKIP: Das wid wohl noch einige Zeit dauern. Momentan bist du ja gerade wieder schwer im Hollywood-Stress – woran arbeitest du gerade?

Elijah Wood: Ich habe gerade mit dem Dreh von Bobby begonnen – unter der Regie eines meiner großen Heroes, Emilio Estevez. Er hat auch das Skript geschrieben und spielt selber mit. Es geht um eine Gruppe Menschen im Ambassador Hotel während des Attentats auf Senator Robert F. Kennedy. Es sind ziemlich viele interessante Leute mit dabei: Demi Moore, Anthony Hopkins, Lindsay Lohan, William H. Macy, Sharon Stone, Christian Slater … ich freu mich sehr auf die nächsten Monate.

SKIP: Stimmt es eigentlich, dass du vorhast, ein Projekt über Iggy Pop zu realisieren?

Elijah Wood: Ja, da gibt es schon ganz konkrete Pläne. Ich selbst werde Iggy spielen, und es wird ein Film über seine erste Zeit mit seiner Band, den Stooges. Mehr kann ich dir aber noch nicht verraten!

SKIP: Hast du darüber schon mit Iggy selber gesprochen?

Elijah Wood: Noch nicht – aber das soll schon bald geschehen. Ich kanns kaum erwarten. Er ist wirklich ein ewiges Idol von mir – ich bin ja generell ein totaler Musikfan.

SKIP: Du hast ja unlängst sogar dein eigenes Plattenlabel gegründet.

Elijah Wood: Es ist gerade im Entstehen. Es gibt jetzt noch keine konkreten Projekte, wir werden irgendwann im nächsten Jahr loslegen. Ich will damit Musik fördern, die mir am Herzen liegt und an die ich glaube.

SKIP: Wirst du selber auch in einer Band spielen?

Elijah Wood: Besser nicht – ich besser beim Zuhören (lacht)! Hin und wieder jamme ich zum Spaß am Schlagzeug herum, aber für einen Auftritt reichts bei mir einfach nicht.

Interview: November 2005

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