Love & Heath

Interview mit Heath Ledger zu Brokeback Mountain

"Es war sehr tough." Aber es hat sich ausgezahlt: Für Brokeback Mountain ließ Heath Ledger das Sonnyboy-Image hinter sich und begeistert mit Charakter, Dramatik und Gefühl. Interview von Elisabeth Sereda.

Heath Ledger gibt sich zur Zeit das absolute Kontrastprogramm in Sachen Liebe: Erst in Casanova mit Sonnyboy-Charme, dann als schwuler Cowboy mit gebrochenem Herzen – und privat im Glück mit Brokeback Mountain-Kollegin Michelle Williams. Beim Interview in Los Angeles zeigt sich, welch intensive Erfahrung der Dreh von Brokeback Mountain für ihn gewesen sein muss – so nachdenklich und erwachsen habe ich ihn noch nie erlebt.

SKIP: Beginnen wir doch gleich mit der Frage, die im Zusammenhang mit Brokeback Mountain wohl am meisten diskutiert wurde: Wie war es für dich, mit Jake Gyllenhaal Liebesszenen zu drehen?

Heath Ledger: Es war auf jeden Fall sehr tough. Dazu brauchten wir ziemlich viel Courage. Doch Jake und ich trugen Verantwortung für die Geschichte. Liebesszenen waren nun mal Teil der Story, ohne die sie keinen Sinn ergeben würde. Um diese intimen Szenen spielen zu können, mussten wir die Realität vergessen, die Kraft der Geschichte akzeptieren und die Liebe, die diese beiden Männer für einander empfinden, annehmen. Wenn wir in der Zeitspanne zwischen "Action" und "Cut" auch nur ein einziges mal darüber nachgedacht hätten, dass hier Heath Jake küsst, hätten wir den Job sofort aufgeben müssen.

SKIP: Hat dich diese Rolle als Schauspieler mehr gefordert als deine bisherigen Filme?

Heath Ledger: Wahrscheinlich schon. Auf jeden Fall war es meine bisher reifste Rolle. Das war das spannendste für mich an diesem Projekt. Ich musste hier als Mensch und als Schauspieler erwachsen werden. Am Ende fühlte ich ungeheuren Stolz, dass wir das geschafft hatten.

SKIP: Aber du hast dich doch während der Dreharbeiten in Michelle Williams verliebt, oder?

Heath Ledger: Ja, und das machte das Heimgehen am Ende eines langen Drehtages sehr angenehm (lacht). Was für ein Kontrastprogramm zu Jake und unseren Liebesszenen vor der Kamera! Trotzdem sind Michelle und ich professionell genug, unsere privaten Gefühle füreinander nicht in den Film fließen zu lassen. Es machte zwar unser beiden Liebesszenen einfacher, aber ich glaube nicht, dass man unsere wahren Gefühle auf der Leinwand sieht. Denn das würde in dem Fall die Szenen ruinieren.

SKIP: Als du Brokeback Mountain zum ersten Mal gesehen hast, wie ist es dir dabei gegangen? Hast du da schon gemerkt, welches Meisterwerk da entstanden ist?

Heath Ledger: Beim ersten Mal sicher nicht. Michelle und ich sahen den Film in New York, wir waren ganz allein im Screening. Als wir rauskamen, war uns nicht klar, ob er nun brillant oder voll daneben gegangen ist (grinst). Es fällt mir ja generell immer schwer, mir selbst zuzuschauen. Ich bemerke die Schminke, die kleinen Tricks, und ich kann mich auch selber nicht leicht toll finden … Und dann sah ich Brokeback Mountain nochmals in Venedig beim Filmfestival, gemeinsam mit Publikum. Alle waren begeistert, und es erfüllte mich mit grossem Stolz, wie gut dieser Film geworden ist.

Interview: Dezember 2005

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