Haare Krishna

Interview mit Natalie Portman zu V wie Vendetta

In Cannes überraschte Natalie Portman mit einer punkigen Kurzhaarfrisur. In Berlin wurde der Film zur Stoppelglatze präsentiert: V wie Vendetta führt in eine Zukunft, in der dich selbstständiges Denken direkt ins Gefängnis bringt. Interview von Peter Krobath.

Haare lassen für Hollywood. In erster Linie ist V wie Vendetta ein Mainstream-Film, der unterhalten will, sagt Natalie Portman beim Exklusiv-Interview im Rahmen der Berliner Filmfestspiele. Aber er hat auch eine Botschaft. Nämlich dass Rache einen Menschen von innen heraus zerstören kann.

SKIP: Wow, Natalie Portman als Jean Seberg. Steht dir gut der neue Look. Kompliment an den Friseur.

Natalie Portman: Vielen Dank. Aber das sind nur die Nachwehen der Vollglatze, die ich mir für meine Rolle in V wie Vendetta scheren lassen musste. Langsam aber sicher wächst wieder was auf meinem Kopf.

SKIP: V wie Vendetta spielt in einem totalitären System in der nahen Zukunft. Du verkörperst eine junge Frau, die dem System in die Quere kommt und daher grausam verhört werden soll. Als erster Schritt zur Folter wird ihr der Kopf rasiert. War es eine Überwindung, derart Haare zu lassen für Hollywood?

Natalie Portman: Gar nicht. Ich wollte immer schon eine Glatze. Der Look gefiel mir, ich fand ihn aufregend, habe mich aber doch nie getraut, weil ich eigentlich ein kleiner Feigling bin. Der Film lieferte mir die passende Ausrede, den Extra-Push, der notwendig war. In dieser Szene musste ich weinen, ich sollte total schockiert sein wegen der entwürdigenden Behandlung. Das war schwer zu spielen. Weil eigentlich habe ich mich total auf die neue Frisur gefreut. Endlich Glatze! Trotzdem war es eine heikle Einstellung. Da durfte nichts schiefgehen. Du kannst deinem Star schließlich nur einmal den Kopf rasieren.

SKIP: Wie lange hat die Tortur gedauert?

Natalie Portman: Das ging ruckzuck. Die haben diese Einstellung ausführlich geprobt, immer wieder geübt, natürlich nicht mit mir, da nahmen sie irgendwelche Statisten oder Techniker, die freiwillig den Kopf hinhalten mussten. Die armen Kerle. Was tut man nicht alles für die Filmkunst.

SKIP: V wie Vendetta stellt brisante Fragen in den Raum. Etwa ob Terrorismus eine berechtigte Antwort auf politische Willkür ist.

Natalie Portman: Evey, die ich im Film spiele, verwandelt sich von einer jungen Frau, die absolut kein Interesse an politischen Zusammenhängen hat, in einer Freiheitskämpferin, die am Ende sogar bereit ist zu aktiver Gewalt. Das hat mich neugierig gemacht. Was geht in so einer Person vor? Handelt diese Frau aus freiem Willen oder wurde auch sie nur manipuliert, einer Gehirnwäsche unterzogen? Ab wann ist Terror berechtigt? Ich habe zuletzt viel Zeit in Israel verbracht. Da siehst du solche Fragen auf einmal in einem ganz anderen Licht. Natürlich sind sie schwierig zu beantworten. Trotzdem wird man sie stellen müssen.

SKIP: Dabei kann man sich auch leicht die Finger verbrennen.

Natalie Portman: Schon klar. Natürlich ist das eine große Herausforderung. Aber das macht mir Spaß. Mich faszinieren Dinge, die nicht so einfach zu erklären sind. Ich lasse mich gerne auf Rollen ein, die mir eigentlich Angst machen. Das ist so ein Tick von mir. Manchmal geht das gut, manchmal gar nicht. Bei V wie Vendetta ist alles glatt gelaufen. Ich bin sehr stolz auf diesen Film. Es ist ja wirklich nicht so, dass er den Terror unterstützt. Er stellt nur ein paar wichtige Fragen in den Raum.

SKIP: In den USA beschweren sich Bürgerrechtsorganisationen über die Einschränkungen persönlicher Grundrechte als Begleiterscheinungen im Kampf gegen den Terror. Muss man V wie Vendetta in diesem Zusammenhang als Warnung verstehen?

Natalie Portman: Ich weiß nicht. Ich sehe die USA viel zu optimistisch, als dass ich diesen Film für ein mögliches Zukunfts-Szenario halten könnte. V wie Vendetta erzählt eine abstrakte Story, die überall und nirgends spielen könnte. Vielleicht will dieser Film einfach nur sagen, dass wir die Augen aufmachen sollen. Dass eine Gesellschaft ihre Freiheit sehr leicht auch verlieren kann.

SKIP: Trotzdem musst du auch auf harsche Reaktionen gefasst sein. Im Film wird das britische Parlament in die Luft gesprengt. Das erinnert doch sehr an den Anschlag aufs World Trade Center.

Natalie Portman: Mag sein. Aber nur wenn man nicht weiß, dass der Comicband, auf dessen Bildern V wie Vendetta beruht, schon 1984 entstand und als Angriff auf die Regierung von Thatcher gedacht war. Das Drehbuch haben die Wachowski Brothers Mitte der Neunziger Jahre geschrieben. Natürlich wird es Vergleiche zu 9/11 geben. Aber das sollte nicht im Mittelpunkt der Diskussionen stehen. V wie Vendetta ist ein Mainstream-Film. In erster Linie will er unterhalten. Aber er hat auch eine Botschaft. Nämlich dass Rache einen Menschen von innen heraus zerstören kann.

Interview: Februar 2006

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