Ob Liebe ewig hält?

Interview mit Christiane Paul zu Reine Formsache

Warum macht Liebeskummer auf der Leinwand so viel Spaß, wenn man in der Realität doch nur weinend im Regen steht? Peter Krobath traf Christiane Paul, um wesentliche Fragen des Lebens zu klären.

Hektik, Humor und Herzklopfen. Als die Scheidung nur noch Reine Formsache ist, kriegt Felix Fracksausen. Eigentlich will er sich doch nicht von Pola trennen. Kein Wunder. Pola wird von Christiane Paul gespielt. Und so eine Frau lässt kein Mann so einfach ziehen.

SKIP: Jane Fonda hat einmal gesagt: "Die Ehe ist eine schöne Erfindung aus der Zeit, als die Menschen noch mit 40 Jahren gestorben sind." Sehen Sie das auch so?

Christiane Paul: Das ist nicht ganz uninteressant. Früher haben die Leute oft nur aus sozialen oder materiellen Zwängen geheiratet, da ging es um reine Absicherung, heute haben die Frauen ganz andere Möglichkeiten sich innerhalb der Gesellschaft zu entwickeln. Das verändert den Stellenwert der Ehe beträchtlich. Außerdem, wie Jane Fonda richtig feststellt, leben wir mittlerweile natürlich länger. Was zur Frage führt: Wie lange halten Beziehungen überhaupt? Gilt so ein Ja-Wort für die Ewigkeit? Ich bin mir da nicht ganz sicher, ehrlich gesagt.

SKIP: Warum wird denn überhaupt noch geheiratet?

Christiane Paul: Früher war die Ehe auch ein Schutz für die Frau, das fehlt mittlerweile wohl. Ich denke, manchmal heiraten die Leute heute einfach nur aus steuerlichen Gründen, sehr oft aber auch, und das stimmt mich optimistisch, aus Liebe. Und das wünscht man sich natürlich am allermeisten. Aber je älter wir alle werden, desto öfter stellt sich auch die Frage: Einen Partner auf Lebenszeit – gibt es das überhaupt? Gar nicht so einfach zu beantworten. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

SKIP: Weshalb ist gerade Liebeskummer im Kino oft so lustig?

Christiane Paul: Das sind die Momente, wo man sich selbst im Kino wiedererkennt, wo man spürt, dass gerade die tragischen Momente im Leben oft auch irrsinnig komisch sind. Außerdem sind das gerade die Phasen im Leben, wo man sich selbst unglaublich spürt. Zumindest ging das mir immer so, wenn ich mich schlecht fühlte. Und die Leute handeln und reagieren auch anders, wenn sie in solchen gefühlsmäßigen Extremsituationen sind. Sicher ist Marc Hosemann, der in Reine Formsache meinen Mann spielt, auch eine tragisch-komisch Figur. Denn man kann ihn als Filou sehen, der die Liebe seines Lebens verspielt, der aber gleichzeitig auch alles Mögliche anstellt, um wieder zu ihr zurückzukommen. Dabei geht vieles schief, weil er versucht zu sein, was er nicht ist – und eben das ist komisch.

SKIP: Ist es für eine Frau ein Liebesbeweis, wenn sich ein Mann für sie so offensichtlich zum Idioten macht?

Christiane Paul: Na ja, ich finde nicht, dass er sich zum Idioten macht. Er ist knapp davor, aber kriegt gerade noch die Kurve. Aber lassen Sie mich überlegen ... ich glaube nicht, dass man das als Frau besonders gut findet. Man will ja doch jagen und erobert werden, und wenn da ein Mann zu sehr versucht, dir alles Recht zu machen, geht doch auch ein gewisser Reiz verloren. Aber im Film geht es darum, dass die Pola, die ich spiele, irgendwann doch erkennt, wie weit er versucht, über seinen Schatten zu springen, um ihr zu beweisen, dass er sie liebt. Und das sie vielleicht doch noch eine zweite Chance haben.

SKIP: Zum Beispiel kellnert Felix, obwohl er es gar nicht kann, nur um in Polas Nähe zu sein. Was war Ihre absurdeste Liebestat?

Christiane Paul: Meine? Ich bin mal jemanden hinterher gereist. Mit dem Flugzeug in eine andere Stadt geflogen. Der wusste nichts davon. Ich wollte ihn "zufällig" treffen. Es gab da ein paar Dinge zu klären.

SKIP: Hat es funktioniert?

Christiane Paul: Nein. Aber aus anderen Gründen nicht.

SKIP: In Reine Formsache gehen die Männer reihenweise fremd und fühlen sich ganz normal dabei, aber sobald eine Frau dasselbe tut, fallen sie aus allen Wolken. Ich finde das sehr schön beobachtet. Warum ist das so?

Christiane Paul: Ich glaube, das hat mit unsren Ursprüngen zu tun. Die Frau steht immer noch für Heim und Familie, und der Mann eben für Lebensunterhaltung und Fortpflanzung. Ich habe mich damit noch nicht sehr beschäftigt. Eigentlich interessiert mich das auch gar nicht so sehr. Aber was man so sieht, erweckt schon den Anschein, dass Männer viel mehr als Frauen ihre Bestätigung in der Sexualität suchen. Der Mann findet sein Selbstbewusstsein im Triebleben. Für eine Frau ist das vielleicht nicht so entscheidend, denke ich.

SKIP: Um beim Film zu bleiben: Wenn Pola auch nur annähernd so leichtfüßig durch das Leben und die Liebe taumeln würde wie Felix, würde sie sofort ins verruchte Umfeld einer Femme Fatale abrutschen...

Christiane Paul: Genau. Frauen billigt man das so nicht zu. Aber für mich persönlich wäre das ohnehin nicht akzeptabel. Pola geht sehr locker damit um, dass Felix mal mit der und dann wieder mit der was hat. Für mich persönlich wäre das schwer vorstellbar. Obwohl es viele Beziehungen gibt, die so ein Model akzeptieren. Aber nicht für mich.

Interview: Februar 2006

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