1:0 für die Liebe

Interview mit Buket Alakus zu Eine andere Liga

Sie ist vom Fußballfieber völlig zerfressen: Regisseurin Buket Alakus versteht es, aus Sportmuffeln fanatische Verehrer des beliebten Ballspiels zu machen. Das Eine andere Liga-Team ist inzwischen WM-tauglich. Auch Catherine Holzer zieht sich schon mal das Trikot an.

SKIP: Eine andere Liga ein Fußballfilm, bei dem eine problematische Liebesbeziehung im Vordergrund steht. Fetzige Dialoge fliegen einem hier wie Bälle um die Ohren. Eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass es hier um ein junges Mädchen geht, das sich von ihrer Krankheit nicht unterkriegen lässt. Männer und Frauen lachen sich schief. Bei allem Respekt: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass Buket Alakus eine Frau ist.

Buket Alakus: Ein junges Mädchen, das Brustkrebs hat und Fußball spielt, ist für viele so was wie Tomatensuppe mit Banane: Das kann ja nicht schmecken. In Brasilien ist das aber das Nationalgericht. Für alle, die das nicht kennen, ist es merkwürdig. Der Film soll Spaß machen, auch wenn wir hier ein ernstes Thema anpacken: Brustkrebs. Eine junge Frau überlebt den Krebs. Frauen zu zeigen, die gegen den Krebs kämpfen und dabei kotzen, ist nichts Neues. Aber was passiert mit denen, die den Krebs zumindest vorübergehend besiegt haben. Ich wollte ein junges Mädchen zeigen, das burschikos ist und mit ihrer Weiblichkeit eigentlich gar nicht so umgehen kann.

SKIP: Warst du selbst immer schon ein Fußballfan?

Buket Alakus: Nein! Jetzt schon. Ich bin wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Natürlich kannte ich Fußball von meinem kleinen Bruder, der Maradona sein wollte, und dass alle – auch die härtesten männlichen Mitglieder unserer Familie – immer geweint haben, wenn ihr Verein verloren hat. Da mussten wir aus dem Zimmer raus. Mein Vater hat immer einen Bauchtanz gemacht, wenn sein Verein gewonnen hat. Fußball war bei uns ein ernstes Thema. Es hat auch immer etwas mit Leben und Tod zu tun gehabt. Deswegen war es für Eine andere Liga wichtig, dass die Heldin Fußball spielt. Hier geht es um Kampf, Teamgeist und darum, dass es in jeder Sekunde des Spiels immer darum geht, zu siegen. Die meisten, die Ahnung vom Fußball haben, haben Angst, so einen Film zu machen, weil sie fürchten, zu versagen. Mittlerweile liebe ich Fußball ... Es geht beim Fußball immer um Emotionen. Und bis zum Schluss zittert man, ob es der Favorit schafft – eigentlich wie im Film ...

SKIP: Ich merke, dass dich der Fußballvirus schon total erfasst hat ... wie deine Hauptdarstellerin Karoline Herfurth.

Buket Alakus: Karoline hat ein halbes Jahr mit ihrem Trainer Frank Piper trainiert. Frank Piper ist ein sehr, sehr harter Typ. Von der Idee, Frauen zu trainieren, was er anfangs überhaupt nicht begeistert. Er wollte nur Jungs trainieren und ist einfach aufgestanden, um zu gehen. Von der Sekunde an wusste ich, dass er genau der richtige für mich ist, der "meine Mädchen" trainiert. Bei meinen Mädchen hat das Blut gebrannt, als ich ihnen erzählt habe, dass Frank Piper sie nicht trainieren wollte. Zum ersten Training sind sie alle, um ihn zu ärgern, in rosa Outfits gekommen. Anfangs hat das nicht wirklich nach Fußball ausgeschaut, aber dann haben alle hart trainiert und zum Schluss war es echte Liebe. Zu manchen Mädchen hat er bis heute Kontakt, manche kicken immer noch.

SKIP: Warum heißt Ken Duken, der den Trainer im Film spielt, mit Vornamen "Toni" ? Ist das eine Hommage an Toni Polster?

Buket Alakus: Nein, überhaupt nicht! Zwar kenne ich einen Trainer mit Namen Toni, der mir auch ein bisschen die Vorlage für diese Figur geliefert hat, aber mit Toni Polster hat das rein gar nichts zu tun.

SKIP: Hast du mit Karoline Herfurth absichtlich eine Deutsche mit der Rolle einer Halbtürkin besetzt?

Buket Alakus: Karoline hatte das, was ich gesucht hatte: Das Melancholische in ihren Augen und die Willensstärke, wie ein Stehaufmännchen immer aufzustehen. Außerdem haben wir sie "getürkt": wir haben ihr Augenbrauen, Wimpern und Haare gefärbt, um ihr Aussehen einfach "türkischer" zu machen. Dann haben wir mit ihr eine Art "Aufnahmeprüfung" vor Türken gemacht. Karolines Türkisch war perfekt.

Interview: April 2006

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