Sterbehilfe

Interview mit François Ozon zu Die Zeit die bleibt

Der Tod ist ein Tabuthema. Besonders wenn sich ein Filmemacher vornimmt, genau hinzuschauen, wenn es ans Sterben geht. In seiner Heimat Frankreich wird Francois Ozon wie der Erbe von Rainer Werner Fassbinder gefeiert. Völlig zu Recht, findet Peter Krobath.

SKIP:Wie entsteht ein Film über das Sterben? Hatten Sie persönliche Gründe?

François Ozon: Ich fand es interessant, über meinen eigenen Tod nachzudenken. Besonders letztes Jahr kam ich nicht mehr davon los. Ich musste auf die Ergebnisse einiger Krankenuntersuchungen warten und während dieser Zeit haben mich die Gedanken an meinen Tod nicht mehr losgelassen. Ich hatte Angst. Das Drehbuch schrieb sich wie von selbst. Als die Befunde endlich kamen, gab es keinen Grund zur Sorge mehr. Aber da war der Film im Kopf schon fertig.

SKIP: Ihr Filmheld stirbt an Krebs. Warum nicht AIDS? Das wäre doch viel eher die Krankheit seiner Generation.

François Ozon: Hätte Romain AIDS gehabt, dann wäre Die Zeit die bleibt ein AIDS-Film geworden. Das wollte ich nicht. Es sollte ein Film über das Sterben werden. Gerade in Frankreich sind in letzter Zeit derart viele Filme über AIDS auf den Markt gekommen, dass das fast schon zum Klischee geworden ist. Das wollte ich vermeiden.

SKIP: Besonders beeindruckend finde ich die Gespräche zwischen Romain und seiner Großmutter. Wussten Sie schon beim Schreiben, dass Jeanne Moreau diese Figur spielen würde?

François Ozon: Ja, das war schon sehr bald klar. Ich wusste, dass ich für diese Szenen eine Schauspielerin brauche, die sehr dominant, gleichzeitig aber auch extrem großzügig spielt. Die Großmutter ist eine kleine, aber äußerst wichtige Rolle in Die Zeit die bleibt. Sie ist das Herz des Films.

SKIP: Hat Jeanne Moreau sofort zugesagt? Immerhin ist das keine einfache Rolle.

François Ozon: Wir waren uns schon beim ersten Gespräch einig. Jeanne Moreau ist eine kluge Frau. Sie hat mir schon vor langer Zeit geschrieben, dass sie gerne einmal mit mir arbeiten würden. Damals hatte ich erst ein paar Kurzfilme gemacht. Die muss sie wohl irgendwo gesehen haben.

SKIP: Die Zeit die bleibt ist nicht nur ein Film über den Tod, es ist auch ein Film über Unsterblichkeit.

François Ozon: Vielleicht. Obwohl ich persönlich nicht an ein ewiges Leben glaube. Aber ich wollte, dass Romains Leben eine Spur hinterlässt. Er kann sein Sterben erst akzeptieren, wenn er Frieden mit sich selbst gemacht hat. Auch wenn ihm sein früher Tod unfair vorkommt, muss er doch versuchen, einen Sinn in dieser Sache zu sehen.

Interview: Mai 2005

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