Mathematik und Magie

Interview mit Gwyneth Paltrow zu Der Beweis - Liebe zwischen Genie und Wahnsinn

Als Zahlengenie verzaubert Gwyneth Paltrow in Der Beweis sowohl Filmpartner Jake Gyllenhaal als auch die versammelte US-Filmkritik, die einstimmig über ihre "bisher beste" Performance jubelt.

Eine hochbegabte Mathematikerin zu spielen, war für Gwyneth tatsächlich eine schauspielerische Meisterleistung. Schließlich war sie selber nie besonders gut im Rechnen. Macht nichts, trotz schlechter Mathe-Noten ist sich doch noch eine steile Karriere ausgegangen, und die schwarzen Zahlen am Konto stimmen auch. Doch nicht Ruhm oder Reichtum lassen Gwyneth momentan strahlen wie ein Christbaum in Vollbrand – Söhnchen Moses, geboren am 9. April 2006, ist momentan ihr größtes Glück. Trotzdem lässt sie es sich nicht nehmen, auch über ihr jüngstes Film-Baby in den höchsten Tönen zu schwärmen.

SKIP: Sie haben die Rolle in Der Beweis als eine der schwierigsten Ihrer Karriere bezeichnet …

Gwyneth Paltrow: Das war sie wirklich. Allerdings hatte ich den unheimlichen Luxus, sie vorher schon auf der Bühne gespielt zu haben, das half sehr. Ich fühle mich durch die langen Proben meiner Filmfigur Catherine sehr verbunden. Alles, was sie bewegt, passiert tief in ihr drinnen, nichts dringt ganz an die Oberfläche. Daher braucht es viel Kraft, sie zu spielen.

SKIP: In Der Beweis geht es unter anderem um eine komplizierte Vater-Tochter-Beziehung. Das so kurz nach dem Tod Ihres Vaters (er starb im Oktober 2002 an Krebs, Anm.) zu spielen, muss auch nicht gerade einfach gewesen sein.

Gwyneth Paltrow: Stimmt. Aber es hat mir sehr geholfen, das auf künstlerische Weise zu verarbeiten … als ich das Stück auf der Bühne spielte, lebte mein Vater noch. Und als ich den Film machte, war er schon tot. Das war hart. Es gab ein paar Szenen mit Anthony Hopkins, die sehr, sehr tough waren. Anders betrachtet lernte ich sowohl vom Leben für meine Rolle, als auch durch die Arbeit an dem Film fürs Leben. Es fügten sich also alle Puzzle-Teilchen schön ineinander. Catherine gab für ihren Vater sehr viel auf. Aber ich denke, wenn man einen Elternteil sehr liebt, dann sieht man so etwas nicht als Aufopferung. Es ist die Pflicht eines Kindes, ab einem gewissen Zeitpunkt für seine Eltern da zu sein. Catherine hatte keine richtige Jugend, aber eine so starke Verbindung zu ihrem Vater, dass das für sie nicht einmal ein Kompromiss war. Ich verstehe das sehr gut.

SKIP: Im Film geht es ja auch um die Probleme eines Kindes mit einem erfolgreichen Elternteil. Catherines Vater ist ein brillanter Mathematiker, und ihre Umgebung erwartet von ihr, dass sie sich mit ihm messen kann. Sie selber wuchsen nicht nur mit einem, sondern mit zwei berühmten Elternteilen auf: Ihr Vater war erfolgreicher Producer, Ihre Mutter ist die Schauspielerin Blythe Danner. Hatten Sie nie Angst, in ihrem Schatten zu stehen?

Gwyneth Paltrow: Gott, das ist alles schon so lange her. Aber ich erinnere mich, dass ich mir große Sorgen machte, dass mich niemand Ernst nehmen würde, oder dass ich eine Rolle nur deshalb bekomme, weil meine Eltern im Business sind. Ich hatte anfangs ein echtes Problem damit, laut zu sagen: "Ich bin Schauspielerin!" Und doch ist es großartig, von klein auf mit diesem Job aufzuwachsen, ihn sozusagen schon durch die Muttermilch aufzusaugen.

SKIP: Nun zu einer Frage, die schon Russell Crowe nach A Beautiful Mind über sich ergehen lassen musste: Wie waren Sie in Mathe?

Gwyneth Paltrow: Oh, grauenvoll! Gräßlich schlecht! (lacht) Ich brauchte sogar eine Nachhilfelehrerin. Miss Duckett, eine alte englische Lady, die sich nach ihrer Pensionierung um hoffnungslose Fälle wie mich kümmerte.

SKIP: Sie haben vor Der Beweis zwei Jahre nicht gearbeitet – Ihrer Tochter zuliebe?

Gwyneth Paltrow: Ja. Und es hat sich so bezahlt gemacht! Sie ist unglaublich. Sie ist smart und extrem lustig, und sie spricht unaufhörlich. Sie kann schon viele Worte, und vieles sagt sie auf spanisch, weil sie es von ihrem Kindermädchen lernt. Sie ist so süß, ein wirklich glückliches kleines Mädchen, das weiß, dass es über alles geliebt wird. Ich empfinde es als solch ein Geschenk, sie in meinem Leben zu haben.

Interview: November 2005

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