Halleluja

Interview mit Halle Berry zu X-Men: Der letzte Widerstand

Sie ist fast überirdisch schön, hat einen Oscar in der Tasche, und in X-Men: Der letzte Widerstand kann Halle Berry sogar fliegen. Im wirklichen Leben fährt Halle allerdings keineswegs auf der Überholspur, wie sie Elisabeth Sereda im Exklusiv-Interview verriet.

SKIP: Sie sind wunderschön und sehr erfolgreich – aber privat hatten Sie´s nie leicht. Ihr Vater hat Ihre Mutter sehr früh in Ihrem Leben verlassen. Es heißt, dass ein derartiges Trauma in der Kindheit für Mädchen oft die Ursache für spätere Männerprobleme ist. Sehen Sie das auch so?

Halle Berry: Absolut. Ich glaube, dass meine Kindheit ohne Vater mein Leben sehr beeinflusst hat. Zwar hatte ich eine tolle, starke Mutter, die versuchte, beide Rollen zu erfüllen. Aber je älter ich werde, desto mehr erkenne ich das Muster, das sich durch all meine Beziehungen zieht. Meine Sehnsucht nach meinem Dad ist sicher der Grund, warum ich ständig an Männer gerate, die mich entweder total bevormunden oder all die Dinge tun, die sich andere Frauen nie so lange gefallen lassen würden. Das Gute ist, dass ich das jetzt weiß und mir nichts mehr vormache.

SKIP: Wie müsste für Sie der "Richtige" sein?

Halle Berry: Den perfekten Mann gibt´s ja sowieso nicht. Ich wäre schon zufrieden, wenn ich einmal einen finden würde, der mich weder betrügt noch dominiert noch sonst wie schlecht behandelt.

SKIP: Glauben Sie, dass Ihre Karriere ein Hindernis für viele Männer ist?

Halle Berry: Nein. Ich glaube, dass das oft als Ausrede benützt wird. Ich kenne genug Paare, bei denen einer oder beide sehr erfolgreich sind, und die eine sehr gute Beziehung führen.

SKIP: In den Magazin-Rankings der schönsten, sexiesten, talentiertesten oder erfolgreichsten Hollywod-Schauspielerinnen haben Sie seit Jahren einen Fixplatz an der Spitze. Wie wichtig sind Ihnen solche Ehrungen?

Halle Berry: Das einzig Wichtige daran ist, dass zwischen dem Wort "schön" oder "talentiert" und dem Wort "Schauspielerin" das Wort "farbig" nicht mehr vorkommt. Das ist ein wichtiger Schritt.

SKIP: Ms. Berry, Sie haben immer wieder Rollen gespielt, in denen es um die Frage ging, wo die Grenze zwischen Sinn und Wahnsinn liegt …

Halle Berry: Und glauben Sie mir, genau auf dieser dünnen Linie balanciere ich jeden Tag! (lacht) Ich frage mich oft täglich, was wirklich und was unwirklich ist. Besonders in dem Biz, in dem ich arbeite, ist die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit sehr oft verschwommen. Ich war selbst vor fünf Jahren in einer Situation, wo ich mich nicht mehr erinnern konnte, was passiert ist. Ich wurde beschuldigt Fahrerflucht begangen zu haben, nachdem ich einen Unfall verursacht hatte. Man warf mir vor, ich würde keine Verantwortung für meinen Fehler übernehmen wollen. Es fiel mir sehr schwer, mich zu verteidigen, denn mir fehlen bis heute gute 45 Minuten. Ich war völlig konfus, nachdem ich offensichtlich mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geflogen war – was ich auch nur weiß, weil meine Stirn genäht werden musste.

SKIP: Sie haben im Laufe Ihrer Karriere auch sehr viele Frauen gespielt, denen übel mitgespielt wird. Wie verarbeitet man so eine Rolle? Wirkt sich das auch auf Ihr Leben aus?

Halle Berry: Nun, das Schöne an meinem Beruf ist, dass man mit einer geeigneten Rolle einiges aus dem richtigen Leben verarbeiten kann. Ich lebe sehr nah am Wasser, wie man so schön sagt, ich weine sehr schnell. Und jede Menge unterdrückte Gefühle kommen dann vor der Kamera hoch. Für mich persönlich ist das sehr heilsam – und für die Performance wohl auch.

SKIP: In X-Men: Der letzte Widerstand spielen Sie zum dritten Mal die schöne Mutantin Storm – eine Fantasy-Figur. Können Sie auch aus dieser Rolle etwas für Ihr Leben mitnehmen?

Halle Berry: Natürlich. Als Mutantin ist Storm anders als die anderen, und sie hat ihr ganzes Leben lang Schwierigkeiten damit gehabt. Und als Schwarze kann ich das sehr gut verstehen. Schon als Kind war ich davon überzeugt, dass alles besser würde, wenn ich nur meine Hautfarbe ändern könnte. Mittlerweile weiß ich, dass das Unsinn ist.

SKIP: Was geschieht eigentlich mit Storm im 3. Teil der X-Men-Saga?

Halle Berry: Sie ist stärker geworden, in jeder Beziehung. das gefällt mir. Und sie kann fliegen!

SKIP: Heißt das, Sie mussten diesmal an die Drähte?

Halle Berry: Oh ja, das war total irre. Ich liebe es, Action-Rollen mit viel Körperarbeit zu spielen, aber das war sogar mir fast ein bisschen zuviel. Das ist wie stundenlang Achterbahn fahren. Einmal haben sie mich nach einer Szene runtergelassen, und als ich dann langsam zu meinem Trailer ging, wurde mir plötzlich so schlecht, dass ich mitten in die Kulissen kotzte. Das war extrem peinlich (lacht).

Interview: Oktober 2005

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