Kein Kuchen mehr

Interview mit Paul Weitz zu American Dreamz - Alles nur Show

Vom American Pie zum amerikanischen Albtraum: Mit seiner bissigen Satire American Dreamz traf Paul Weitz mitten ins Herz seiner Heimat. Und das tat ordentlich weh. Interview von Gini Brenner.

Hugh Grant ist in Wahrheit ein Ungustl, Willem Dafoe kann echt hässlich sein und Popsternchen Mandy Moore ist eine ziemlich gute Schauspielerin: In American Dreamz vernichtet Paul Weitz reihenweise Vorurteile.

SKIP: Die Story von American Dreamz ist wirklich ziemlich abgehdreht. Wie ist Ihnen denn die eingefallen?

Paul Weitz: Nun, ehrlich gesagt basiert das Ganze auf Hugh Grants Persönlichkeit.

SKIP: Die seiner Filmfigur, meinen Sie?

Paul Weitz: Neinnein, Hugh im richtigen Leben. Ich habe ihn ja während der Dreharbeiten zu About a Boy recht gut kennen gelernt. Und er ist genau so eine Person wie der Showmaster in American Dreamz: Unglaublich charmant, extrem witzig, dahinter aber ein beinharter Zyniker mit pechschwarzer Seele.

SKIP: Wie, Hugh Grant ist also kein netter Mensch?

Paul Weitz: Nein. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag ihn wirklich gerne. Und er kann sehr sehr süß sein, aber nett ist er mit Sicherheit nicht (lacht). Und als er mein Skript gelesen hat, hat er genau so reagiert wie seine Filmfigur: Er hat die Augen verdreht und gesagt: "Oh nein, bitte mach, dass ich dieses Angebot nicht annehme!" 10 Sekunden später hat er unterschrieben.

SKIP: Willem Dafoe spielt den Berater des Präsidenten – mit Bierbauch und Halbglatze. Wie haben Sie ihn dazu gebacht?

Paul Weitz: (Lacht) Wir haben im Computer die Frisur von US-Vizepräsident Dick Cheney auf Willems Gesicht montiert. Das haben wir ihm dann geschickt. Er hat sofort zurückgerufen und war mit dabei.

SKIP: Waren Sie jemals Fan von TV-Talentsuchshows?

Paul Weitz: Bevor ich mit diesem Film begann, überhaupt nicht. Ich hab sowas nie gesehen und den Zirkus drumherum überhaupt nicht verstanden. Aber als Recherche hab ich dann natürlich begonnen, regelmäßig American Idol (die US-Version von Starmania, Anm.) anzuschauen – und ich muss zugeben, dass dieses Format extremes Suchtpotenzial hat. Und ich verstehe immer mehr, warum dieses Programm so beliebt ist: Es ist hier in Amerika die letzte Bastion echter Demokratie. In der Politik sind Wahlen längst etwas Undurchschaubares, und wie man gesehen hat, kann man sogar durch Wahlbetrug US-Präsident werden. Bei American Idol hingegen gilt: Wen die Leute am liebsten mögen, der gewinnt. Und es kann jeder mitmachen, hier kommt es – zumindest theoretisch – nur darauf an, was jemand kann, und nicht, wieviel Geld oder wieviele einflussreiche Freunde seine Familie hat.

SKIP: Während sich die Kritiker weltweit über American Dreamz zerkugeln, kam der Film in den USA selber nicht so gut weg …

Paul Weitz: Klar, er ist einfach zu nah an der Realität (lacht). Sowas vertragen meine Landsleute nicht sehr gut.

SKIP: Von Ihrem Debütfilm American Pie gibt es mittlerweile schon einen vierten Teil. Haben Sie damit eigentlich noch irgend etwas zu tun?

Paul Weitz: Nein, mein Bruder Chris und ich waren nur bei den ersten beiden Filmen involviert, als Regisseure oder Produzenten. Die benützen jetzt noch immer den Namen, aber wir verdienen nichts mehr dran.

SKIP: Was werden Sie als nächstes machen? Werden Sie wieder mal mit Chris zusammenarbeiten?

Paul Weitz: Nun, wir haben uns entschlossen, beruflich eine Weile getrennte Wege zu gehen. Das ist besser für das Familienleben (lacht). Mein nächstes Projekt ist eine Tragikomödie über einen jungen Mann, der als Obdachlosenasylen jobbt, um sich über Wasser zu halten – und dort immer wieder seinen eigenen Vater trifft.

SKIP: Klingt wie die Kurzbeschreibung einer TV-Sitcom.

Paul Weitz: Stimmt eigentlich … so hab ich das noch gar nicht gesehen. Super Idee!

Interview: Mai 2006

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