Sprich langsam

Interview mit Bruce Willis zu Ab durch die Hecke

Bruce Willis wirkt tough, sexy und cool wie nie. Alles nur Fassade: In Cannes gestand er Kurt Zechner, dass er bei den wichtigen Dingen des Lebens oft wie ein Waschbär vor der Hecke steht.

In Ab durch die Hecke leiht Bruce dem durchtriebenen Waschbär RJ die Stimme – aus purer Spielfreude. "Wegen des Geldes hab ich hier nicht mitgemacht. Schließlich wird man bei Animationsfilmen ja nur in Lebensmitteln bezahlt, je nachdem welches Tier man grad spielt – wussten Sie das nicht?"

SKIP: Was hat Sie gereizt, einen Synchro-Job in Ab durch die Hecke zu übernehmen? Wollten Sie einen Film für Ihre Kids machen?

Bruce Willis: Vor allem hab ich mitgemacht, weil es eine ausgezeichnet geschriebene Komödie ist. Komödie ist mit Abstand die schwierigste Kunstform, und ich finde, wir haben das ziemlich gut hingekriegt.

SKIP: Und, wie funktioniert der Film bei Ihren Kindern?

Bruce Willis: Meine Kids lieben den Film, Ehrensache.

SKIP: Die Regisseure haben mir erzählt, dass Sie Ihre tiefe Stimme hochpitchen mussten, weil Ihre Dialoge speziell mit dem Bären Nick Nolte sonst so bedrohlich wie in Stirb Langsam geklungen hätten …

Bruce Willis: Ach, glauben Sie nie, was Ihnen Regisseure erzählen (lacht). Aber es stimmt schon, es war ein fast zweimonatiger Prozeß, die richtige Stimme für den Waschbären RJ zu finden. Man hat keine Hilfsmittel, keine Schauspielkollegen, mit denen man arbeiten könnte. Und man muss sehr darauf achten, langsam und vor allem deutlich zu sprechen. Man kann ja nichts aus meiner Mimik rauslesen! Und trotzdem muss es total natürlich klingen … Alles, was ich tun konnte, war, mich weitestgehend in einen Waschbären reinzudenken (grinst). Wahrscheinlich der schwierigste Schauspieljob in meiner ganzen Karriere.

SKIP: Es wurde schon viel heruminterpretiert, was die Hecke, die die Tiere in dem Film überwinden, alles symbolisieren könnte … Was war diesbezüglich Ihre höchste "Hecke" bisher?

Bruce Willis: Ich versteh immer noch nicht, was Frauen denken. Es ist zum Verzweifeln. Was wollen sie von mir? Was soll ich tun? Ich renne wie Hammy das Eichhörnchen im Film ständig von einem Ende der Hecke zum anderen und kenn mich immer noch nicht aus. Danke für diese Frage (grummelt).

SKIP: Oh, nicht verzagen, damit sind sie sicher nicht allein.

Bruce Willis: Glauben Sie mir, kaum jemand ist bei Frauen so planlos wie ich (lacht).

SKIP: Trotz alledem wirken Sie zur Zeit extrem relaxt.

Bruce Willis: Ich mach mir einfach nicht mehr so viele Sorgen wie früher. Sorgen machen einen immer unleidlich. Ich bezahle andere Leute dafür, sich meine Sorgen zu machen (lacht). Mein Job ist es, unterhaltend und interessant zu sein.

SKIP: Was passiert nun eigentlich mit Die Hard 4? Da ist ja was am Köcheln, oder?

Bruce Willis: Könnte sein (grinst).

SKIP: Sie werden mir doch sicher mehr darüber verraten …

Bruce Willis: Ok, wir sind so nahe dran wie noch nie, jetzt tatsächlich damit loszulegen. Wir haben jedenfalls ein großartiges Skript, viel mehr gibt´s allerdings noch nicht. Wenn wir dann anfangen, ruf ich Sie an, ok?

SKIP: Fein, darauf komme ich zurück! Wie ist eigentlich Cannes für Sie dieses Mal?

Bruce Willis: Naja, zum dritten mal bin ich jetzt hier, das erste Mal mit Pulp Fiction, dann mit Das fünfte Element. Aber diesmal gehts fast noch mehr rund. Gestern wären Jeffrey und ich fast aufs offene Meer abgetrieben worden (während eines Interviews am Strand schwappte eine Welle ins Interview-Zelt, Anm.) Haben Sie davon gehört?

SKIP: Ja, Sie wurden etwas nass …

Bruce Willis: Ja, so kann man das nennen. (lacht)

SKIP: Man hat den Eindruck, dass Ihnen im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen solche Events wirklich Spaß machen …

Bruce Willis: Ich hab immer Spaß, egal was ich mache! Ich bin sehr lebenslustig. Das war vielleicht nicht immer so, aber für die letzten 35 Jahre gilt das bestimmt.

SKIP: Ihre unglaubliche Popularität macht Ihnen dabei keine Probleme?

Bruce Willis: Nicht wirklich. Früher schon, da war ich auch noch hitzköpfiger. Aber im Moment finde ich alles sehr cool.

SKIP: Viele Leute vergessen ja schnell, wo sie einmal herkamen. Sehen Sie die Privilegien immer noch als Bonus oder wird es irgendwann langweilige Routine, immer in den besten Hotels zu wohnen und von allen hofiert zu werden?

Bruce Willis: Ja, das ist schrecklich langweilig. Lieber würde ich in dreckigen Motels schlafen und nur trockene Schinken-Käse-Sandwiches essen (lacht). Ich sehe nichts als selbstverständlich an, und versuche, jeden Moment der Gegenwart voll auszukosten. Ich liebe es, mit meinen Freunden rumzuhängen und zu lachen, und mit meinen Töchtern Zeit zu verbringen. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich überhaupt nur mehr das tun.

SKIP: Sie sind ein absoluter Familienmensch?

Bruce Willis: Total. Meine Family ist für mich das Wichtigste überhaupt. Ich liebe es, Vater zu sein und wünschte mir sofort noch mehr Kinder, wenn ich die entsprechende Partnerin dafür hätte.

Interview: Mai 2006

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