Santa Cruz

Interview mit Penélope Cruz zu Volver (Zurückkehren)

Um Pedro Almodóvar zu gefallen, musste Penélope Cruz lernen, wie man Gemüse hackt, Geschirr abwäscht und mit den Hüften wackelt wie Sophia Loren. Sie meisterte die Herausforderung mit Bravour. Exklusiv-Interview von Peter Krobath.

Gott zum Cruz. "Sag mal, dein Busen", bemerkt Carmen Maura, die im neuen Film von Pedro Almodóvar Penélopes Mutter spielt, "ist der etwa größer geworden?" Ich meine, Tschuldigung, aber auch Filmjournalisten haben Ohren im Kopf. Und Augen sowieso. Trotzdem will Penélope Cruz kein Wort über ihre neue Oberweite verlieren. Zumindest kein deutliches. Die Antwort geht in Anspielungen über Korsetts und Mieder unter. Nun könnte ich natürlich einwerfen, dass Pedro Almodóvar längst schon verraten hat, wie er seinen Star zu sanftem Aufspecken überredet hat. Man kann der Natur nämlich so oder so nachhelfen. Die Amerikaner machen´s mit dem Messer. Die Spanier mit Masse. Könnte ich sagen. Und dann noch fragen, ob sie mir nicht vielleicht doch ein paar schmutzige Detail über die Schlafzimmergewohnheiten von Tom Cruise erzählen will oder wenigstens verraten, ob Matthew McConaughey wirklich so viel kifft wie alle behaupten. Könnte ich tun. Denn diese Frau weiß die Antwort. Tu ich aber nicht. Dazu ist Penélope Cruz nämlich viel zu nett. Und ihr Film viel zu gut.

SKIP: Raimunda, die du in Volver (Zurückkehren) spielst, wirkt wie die spanische Wiedergeburt all dieser starken Frauenfiguren aus dem italienischen Neorealismus. Einfach wunderschön. Findest du es nicht auch selbst schade, dass du nicht schon viel früher auf dieses Sophia-Loren-Styling gekommen bist?

Penélope Cruz: Ach nein. Als Schauspielerin kannst du nie vorher sagen, was die nächste Rolle von dir verlangen wird. In Volver (Zurückkehren) war es eben wichtig, dass Raimunda eine tiefe Sinnlichkeit ausstrahlt. Die Frauen des Neorealismus haben uns vor allem deshalb inspiriert, weil das meist sehr starke Mütter sind, so wie eben Raimunda auch.

SKIP: In Volver (Zurückkehren) siehst nicht nur genauso aus wie Sophia Loren, du bewegst dich auch so sinnlich wie sie. Stimmt es, dass du der Natur dabei etwas nachgeholfen hast?

Penélope Cruz: Nichts, was Sophia Loren nicht auch gemacht hätte. Es gab eine Art Korsett, dadurch konnte ich meine Körperenergie direkt auf die Hüften konzentrieren. Man sieht sofort, dass der Gang dadurch ein wenig aufregender wird.

SKIP: Auf der Pressekonferenz hast du gesagt, dass Pedro Almodóvar Dinge in dir entdeckt hat, die dir nicht einmal selbst bewusst gewesen sind.

Penélope Cruz: Pedro muss mich nur anschauen, um sofort zu wissen, was ich denke. Mir geht es genauso. Ich kann auch seine Gedanken lesen. Wir haben eine unglaublich tiefe Beziehung zueinander. Das ist schon seit unserer ersten Begegnung so.

SKIP: Ist das nicht fast schon gruselig, wenn man einem Menschen derart nahe kommt?

Penélope Cruz: Gar nicht. Ich liebe dieses Gefühl. Ich denke an Pedro und einen Moment später treffe ich ihn zufällig auf der Straße. Im Kino passiert so etwas dauernd. Aber bei mir ist es auch im Leben geschehen. Wirklich.

SKIP: Volver (Zurückkehren) thematisiert diese beinahe nicht zu brechende Gefühlsebene, die Frauen über Generationen hinaus miteinander verbindet. Gibt es das in deiner Familie auch?

Penélope Cruz: Meine Mutter, meine Schwester und ich sind so eng, dass wir manchmal wie eine einzige Frau wirken. Da gibt es tiefe Gefühle. Auch mein 21-jähriger Bruder, der übrigens ein unglaublich talentierter Musiker ist und noch diesen Sommer sein erstes Album herausbringen wird, gehört dazu. Eduardo beklagt sich zwar dauernd, dass er daheim ständig nur von Frauen umgeben ist, aber wenn wir einen Urlaub planen, fährt er doch viel lieber mit uns fort als mit seinen Freunden. Das ist sehr ungewöhnlich für einen spanischen Mann, besonders in diesem Alter.

SKIP: Bist du privat auch so eine gute Köchin wie in Volver (Zurückkehren)?

Penélope Cruz: Ich habe schon seit Jahren nicht mehr gekocht. Keine Zeit, kaum Übung. Ein Coach musste mir zeigen, wie Küchenprofis Gemüse hacken, zack, zack, zack, das muss schnell und rhythmisch gehen, ich wollte doch nicht wie ein Depp ausschauen. Das klingt vielleicht komisch, aber auch Geschirrspülen musste ich erst wieder lernen. Keine Ahnung, wann ich zuletzt mit der Hand abgewaschen habe. Vor Volver (Zurückkehren) meine ich.

Interview: Peter Krobath / Mai 2006

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