Intensivstation

Interview mit Birgit Minichmayr zu Fallen

Wer Birgit Minichmayr sieht, spürt das Leben. Das gilt in Theater und Kino. Seit einem Jahr lebt die Oberösterreicherin in Berlin. Ihren Fans schickt sie zwei Filme. Tom TykwersDas Parfumund Barbara AlbertsFallen.

SKIP:Gibt es Rollen, die Ihnen so nahe sind, dass Sie dachten: Das bin ja ich?

Birgit Minichmayr: Wahrhaftigkeit ist immer angenehm, trotzdem muss eines klar sein: Mit mir persönlich hat das nichts zu tun. Nach Spiele Leben habe ich gehört: "He, das bist ja voll du." Dazu kann ich nur sagen: "Nein, bin ich nicht." Ich nehme keine Drogen. So ein Bedürfnis zur Selbstzerstörung habe ich seit der Pubertät nicht mehr verspürt. Und einen Würfel würde ich schon gar nicht über mein Schicksal bestimmen lassen. Was bleibt, ist eine bestimmte Art von Lebendigkeit. Aber die findet man auch in anderen Rollen.

SKIP: In Tom Tykwers Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders spielen Sie eine Frau, die ihr Kind am Fischmarkt zur Welt bringt und dann am Scheiterhaufen endet.

Birgit Minichmayr: Das wurde in Barcelona gedreht. Es hat gestunken und ich war von oben bis unten mit Fischdreck beschmiert. Ich wollte unbedingt Fisch essen in Barcelona. Aber nach diesem Drehtag hatte ich die Nase voll von Fisch.

SKIP: In Barbara Alberts Fallen spielen Sie eine Frau, die mit Tod, Schmerz und Verzweiflung zurechtkommen muss. Welche dieser Figuren ist näher am Leben?

Birgit Minichmayr: Ich glaube, das ist gar nicht wichtig. Kunst ist immer auch Überhöhung. Natürlich hat ein guter Film mit Authentizität zu tun, aber viel auch mit Verführung. Manchmal muss man auch ein Märchen erzählen können.

SKIP: In dem Fall wäre Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders das Märchen?

Birgit Minichmayr: Genau. Dieser Stoff ist eine unglaubliche Herausforderung, weil es grundsätzlich ums Riechen geht, und die Nase ist ein Sinnesorgan, das nun eben nicht unbedingt fürs Kino geschaffen ist. Wie schafft man es, dass die Zuschauer dasselbe riechen wie die auf der Leinwand? Man will schließlich keine Duftsäckchen verteilen. Da kommt dann der Faktor Verführung zum Tragen.

SKIP: Sie werden oft als laut und impulsiv beschrieben.

Birgit Minichmayr: Das ist eine innere Kraft. Es stimmt, dass ich eine laute Stimme habe, aber sie kann auch sehr leise sein. Ich verteidige halt meine Sachen auf der Bühne. Medea nicht kraftvoll zu spielen, ist nicht meine Angelegenheit. Man kriegt schnell eine Farbe von den Medien umgehängt. Die Laute, die Impulsive ... dagegen kannst du dich nicht wehren. Das ist dann das Produkt Minichmayr, das wird nicht von mir gemacht, sondern von anderen, mit denen ich oft gar nix zu tun habe.

SKIP: Interessant. Die Frage war privat gemeint und Sie antworten sofort als Bühnenperson.

Birgit Minichmayr: Privat habe ich sicher den Hang, alles sehr intensiv erleben zu wollen. Manchmal geht das ja auch in die Hose. Trotzdem möchte ich mich spüren.

SKIP: Ich habe Sie einmal in Wien beim Chinesen beobachtet, eine Stunde lang. Sie haben gegessen und telefoniert. Das war sehr schön, wie eine Szene aus einem Film von Eric Rohmer.

Birgit Minichmayr: Als Schauspielerin wird man eben oft auch privat wie eine Figur gesehen. Das ist schon so. Aber irgendwie auch schräg, finde ich.

Interview: August 2006

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