Welcome to Utopia

Interview mit Marco KalantariPhilipp Weck zu Ainoa

Höchste Zeit für Science Fiction. Marco Kalantari (Regie) und Philipp Weck (Produktion), zwei Filmemacher aus Österreich, lieben die Herausforderung und finden neue Formeln für großes Kino. Interview von Catherine Holzer.

SKIP: Ist Österreich reif für "SciFi made in Austria"?

Marco Kalantari: Die Frage stellt sich für mich nicht. Science Fiction um der Science Fiction Willen ist nicht reif für sich selbst. Österreich ist definitiv zu jedem Zeitpunkt reif für Geschichten, die das Herz berühren. Und nur darum geht es letztendlich.

Philipp Weck: Ainoa ist ein "österreichischer Kraftakt". Hier zeigt die jüngere Generation österreichischer Filmemacher, was in Österreich machbar ist. Österreichische Filme müssen nicht immer nur sozialkritische Themen beleuchten, sondern dürfen ruhig auch unterhalten.

SKIP: Ist die Liebe an sich eine Utopie? Und muss sie daher in einer utopischen, futuristischen, irrealen Landschaft bzw. Welt stattfinden?

Marco Kalantari: Liebe in ihrer puren und atemberaubenden Einfachheit stellt für die meisten von uns Menschen eine derartige Komplexität dar, dass es uns leichter fällt, uns auf einer metaphorischen Ebene mit ihr auseinanderzusetzen. Liebe ist keinesfalls Utopie, sondern vielmehr so real, dass wir nur allzu gerne davor davonlaufen. In einer utopischen Welt können wir jedoch die Gesetze für uns neu definieren. Das macht mir als Filmemacher besonderen Spaß. Und es ist eine große Genugtuung, wenn die Menschen, die als Publikum in diese Welt eintauchen, plötzlich jene Liebe, jene Wahrheit, jene menschliche Befindlichkeit wiederfinden, der sie in der Realität entflohen sind. Das ist für mich eine der Formeln von Kino.

SKIP: Ainoa kann als L3 1500 Jahre alt werden. Was wird dann aus Yuri?

Marco Kalantari: Ebenso, wie es unsere Bestimmung ist, die Liebe zu finden, ist es auch unser Schicksal, diese wieder zu verlieren. Das ist die Eigenart von Liebe. Ich werde das nie verstehen. Was Ainoa betrifft - die meisten Androiden geben nach 700 Jahren den Geist auf. Ich glaube, die 1500 sind ein Marketing-Gag.

SKIP: Wie erklärt ihr euch den großen internationalen Erfolg von Ainoa bei Filmfestivals im Ausland?

Philipp Weck: Der Film lebt von der Bildästhetik. Vom Visuellen durchaus vergleichbar mit Hollywood-Produktionen.

SKIP: Welche Filme werden wir in Zukunft von dir sehen? Noch mehr SciFi-Filme? Gibt es weitere Abenteuer mit Ainoa und Yuri? Oder arbeitet ihr schon an einem Projekt mit einem ganz anderen Thema?

Marco Kalantari: Ich mag den Gedanken, das Unerwartete zu tun. Es gibt freilich ein neues Projekt in Vorbereitung, aber soviel ist sicher: Ainoa - Das Musical ist nicht der nächste Schritt.

Interview: Catherine Holzer / September 2006

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