London's Burning

Interview mit Clive Owen zu Children of Men

Viele meinen ja, Clive Owen wäre in Wirklichkeit der bessere James Bond gewesen. Er selber hält sich mit solchen Spekulationen keine Sekunde lang auf und macht mit Filmen wie Children of Men lieber Action für Anspruchsvolle.

SKIP: Children of Men stellt eine Endzeit-Apokalypse dar und dabei vor allem London – Ihre Heimatstadt. War das für Sie persönlich nicht ziemlich angsteinflößend?

Clive Owen: Das war ein echter Horror, aber nicht nur für mich. Wir drehten ja wirklich mitten in London. Wenn da dann eine Filmbombe hochgeht, ist das dieser Tage schwer verstörend.

SKIP: Children of Men spielt in der Zukunft, enthält aber jede Menge sehr aktueller politischer Themen …

Clive Owen: Ja, und gerade das war für mich eine wesentliche Motivation für die Rolle. Es ist sehr befriedigend, Filme zu machen, bei denen es um etwas geht. Die meisten Streifen wenden sich heute ja letztlich an nichts und niemanden, obwohl sie in der heutigen Zeit spielen. Es ist verrückt, dass es erst ein Zukunftsszenario braucht, um auch mal heiße, aktuelle politische Themen aufzugreifen.

SKIP: Der Film dürfte wohl auch der anstrengendste Ihrer bisherigen Karriere gewesen sein. Sie laufen ja fast die ganze Zeit …

Clive Owen: Ja, und ich bin auch in fast jeder Szene zu sehen! Das war wirklich aufreibend. Aber nicht nur physisch, sondern auch mental: Es war sehr schwer, einen Mann zu spielen, der so von Hoffnungslosigkeit geprägt ist.

SKIP: Konnten Sie während der Dreharbeiten zu Hause schlafen?

Clive Owen: Ja, ich bin jeden Tag zu meiner Familie heimspaziert. Aber wenn man sich den ganzen Tag darauf konzentriert, so einen Charakter zu spielen, dann wird der Abend zu Hause nicht grad eine Party.

SKIP: Sie haben mal erzählt, Ihre Töchter glauben, Sie würden beim Zirkus arbeiten …

Clive Owen: (lacht) Ja, stimmt, weil ich halt bei jedem Film immer irgendwie anders aussah. Aber jetzt sind sie schon älter, 7 und 9, und checken schon viel mehr, was mein Beruf ist. Sie kommen auch ans Set. Die Ältere schimpft jetzt die ganze Zeit mit mir, weil ich nichts drehe, was sie sich auch anschauen darf.

SKIP: Also haben Ihre Kinder noch keinen Ihrer Filme gesehen?

Clive Owen: Welchen hätte ich ihnen zeigen sollen? Sin City vielleicht (lacht)?

SKIP: Haben Sie je überlegt, für die Karriere nach L. A. zu ziehen?

Clive Owen: Meine Kinder gehen in London zur Schule, ich liebe London. Vor zehn Jahren noch waren Filmschauspieler fast gezwungen, nach L. A. zu gehen. Aber was wäre gewesen, wenn ich dort keine Engagements gekriegt hätte? Ich hätte meine Familie nach L. A. verschleppt und nie dort gearbeitet – da hätten die wohl auch gefragt, was wir alle eigentlich dort machen. Mittlerweile ist das alles viel offener geworden, und gedreht wird allermeist eh ganz woanders. Ich selbst muss halt ein bisschen mehr reisen. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

SKIP: Ihre Frau Sarah-Jane Fenton hat ja ihre Karriere zurück-gestellt, um sich ganz den Kindern zu widmen. Wenn sie jetzt wieder ins Geschäft zurückkehren möchte – würden Sie dann filmmäßig leiser treten?

Clive Owen: Ich bin da in einer sehr glücklichen Position, weil sie das gar nicht will. Es war auch nicht so, dass sie wegen mir damals zurückgesteckt hat. Sie hat davor ja hauptsächlich Theater gemacht und war nicht gerade glücklich dabei.

SKIP: Sie sind immer ausgesprochen schick gekleidet. Laufen Sie privat auch wie ein Dandy herum?

Clive Owen: Ich habe gute Kleidung gern, ja. Klar, wenn ich in der Früh mit den Kindern spiele, trage ich nicht gerade einen Anzug. Aber sonst sehr gerne, ja!

SKIP: Macht Ihnen der Starruhm eigentlich Probleme?

Clive Owen: Ich habe früher mal eine Hauptabend-TV-Show in England gemacht – und damals war der Druck viel größer als jetzt durch die Filme. Es hängt aber auch viel davon ab, wie man selbst damit umgeht. Wenn du mit drei Bodyguards rumrennst, darfst du dich nicht aufregen, wenn du überall Aufmerksamkeit erregst.

SKIP: Es warten also nicht dauernd Paparazzi vor Ihrem Haus?

Clive Owen: Das gabs schon auch mal, klar. Aber damit muss man sich abfinden, es gibt ja keine Alternative. Mit den Kindern ist das natürlich schwieriger, klar. Aber ich muss mit ihnen ja auch nicht jeden Abend in das angesagteste Restaurant in London gehen.

SKIP: Neben Ihrem Job und Ihrer Familie – was sind sonst Ihre großen Leidenschaften? Der FC Liverpool?

Clive Owen: (lacht) Ja, der steht da ziemlich weit oben. Ich hoffe, ich kann diese Saison zu vielen Spielen gehen.

SKIP: Haben Sie die Weltmeisterschaft verfolgt?

Clive Owen: Ja, fast jedes Spiel.

SKIP: Wie ging´s Ihnen nach dem unglücklichen Abschied des englischen Teams?

Clive Owen: Supermies! (lacht) Die erste SMS nach dem Spiel kam übrigens von Spike Lee. Der war selbst bei der WM, wurde dort völlig fußballverrückt und hatte echt Mitleid mit mir.

SKIP: Spielen Sie auch selbst?

Clive Owen: Nur mit meinen Kids. Eve, die Jüngere, ist ein sehr guter Goalie, und Hannah ist eine tolle Stürmerin.

Interview: September 2006

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