König ohne Krone

Interview mit Brad Pitt zu Babel

Keine Frage: Angelina Jolie und Brad Pitt sind das unumstrittene Regentenpaar der Filmmetropole. Doch dem Hollywood-Halbgott ist Glamour egal: Beruflich überzeugt er im Charakterfach, privat als engagierter Dad mit Weltverbesserungs-Mission.

Im letzten Jahr war Brad Pitt der meistfotografierte männliche Star. Der schöne 43-jährige Neo-Papa sorgte für mehr Schlagzeilen in den Klatschspalten als "Bennifer" und "TomKat" in ihren besten Zeiten. "Brangelina" hob Paparazzi-Abschussprämien in den Zenith und den Gossip-Durchsatz auf ein neues Level. Er selber kann den Kult um ihn und seine Familie nicht ganz nachvollziehen – trotzdem schafft er es irgendwie, den ganzen Medien-Irrsinn mit Humor zu betrachten.

SKIP: Wie geht´s, lange nicht gesehen, was ist passiert?

Brad Pitt: Ich hab mittlerweile drei Kinder, schon gehört?

SKIP: Ich hab´s gelesen!

Brad Pitt: (lacht) Ja, drei in einem Jahr, ich hoffe, wir werden dieses Tempo beibehalten: bis nächstes Jahr sechs, dann neun … Wir arbeiten auf eine Fußballmannschaft hin!

SKIP: Wie hat dich das Familienleben verändert?

Brad Pitt: Ich arbeite viel effizienter. Ich bin mir des Wertes meiner Zeit bewusst. Ich will beruflich das Beste geben, aber ich will es auf eine Weise tun, die es mir erlaubt, soviel Zeit wie möglich mit der Familie zu verbringen. Letztlich ist die Zeit, die ich mit meinen Kindern verbringe, wesentlich wertvoller als der beste Film. Und wenn ich ein neues Projekt beginne, dann denke ich immer daran, dass sich meine Kinder den fertigen Film wahrscheinlich irgendwann mal ansehen werden. Und ich will, dass sie dann stolz auf ihren Dad sein können.

SKIP: So wie bei Babel?

Brad Pitt: Ja, genau. Auf Babel bin ich sehr stolz. Wir drehten in Marokko in einem winzigen Dorf, wo es nicht mal Elektrizität gab. Die brachten wir mit, um den Film zu machen. Und so konnten wir den Menschen helfen.

SKIP: Du engagierst dich viel für Charity-Projekte. Wie sehr wirkt sich das auf deine Arbeit aus?

Brad Pitt: Mal mehr, mal weniger. Weniger etwa bei Ocean’s 13 (lacht). Bei Babel natürlich sehr, weil hinter diesem Film eine große humanitäre Idee steht: Dass wir alle gleich sind, egal wo wir leben, wie wir aufwuchsen und was wir erreicht haben. Und was uns trennt, ist diese Unfähigkeit, einander verstehen zu lernen. Regisseur Iñárritu schafft es, diese Idee als roten Faden durch den Film zu weben, durch alle vier Geschichten, die er parallel erzählt.

SKIP: Dieser Film ist, wenn man deine bisherige Karriere betrachtet, sehr ungewöhnlich. Ist das die Richtung, in die du nun mit deiner Arbeit gehen willst?

Brad Pitt: Absolut! Und nicht nur, was die Arbeit angeht. Aus Babel sprechen meine eigenen Überzeugungen. Nehmen wir z. B. das Thema Globalisierung: Wir sind weltweit enger miteinander verbunden als je zuvor. Theoretisch müssten wir einander auch besser verstehen – stattdessen gibt es mehr Konflikte als je zuvor. Ich denke, das kann nur daran liegen, dass wir immer weniger bereit sind, wirklich miteinander zu kommunizieren.

SKIP: Was kann man dagegen machen?

Brad Pitt: Man sollte die Welt mit eigenen Augen sehen statt nur im Fernseher. Ich halte Reisen für den größten Luxus, was Bildung betrifft, und ich wünschte, jeder könnte es sich leisten, zu reisen.

SKIP: Hast du schon deinen Pilotenschein?

Brad Pitt: Ja, und ich liebe das Fliegen! Es ist einfach großartig. Schon, weil uns dabei keine Paparazzi folgen können! (lacht) Das ist ein großes Plus. Angie fliegt ja schon sehr lange, und es ist toll, dass wir die Kids einfach ins Flugzeug reinsetzen und fliegen können, wohin wir wollen. Und dazu kommt diese Freiheit hoch oben über den Wolken. Das Gefühl, einen ewigen menschlichen Traum zu leben. Für mich war das großartig: Nach meinem 40er noch so etwas Wesentliches lernen zu dürfen.

SKIP: Du hast gesagt, deine Kids werden sicher einmal alle deine Filme sehen – welche haben dich inspiriert?

Brad Pitt: Seltsamerweise liebe ich Saturday Night Fever! (lacht) Ja, wirklich! Und das liegt nicht an den fürchterlichen Anzügen und am Tanzen, obwohl ich den Hustle ganz gut hinkriege. Aber ich wuchs in Oklahoma und Missouri auf, am Land, und die Idee, dass Leute so leben können wie in diesem Film, faszinierte mich. Das war eine völlig andere Welt für mich. Und dann natürlich Butch Cassidy and the Sundance Kid. Das ist der erste Film, an den ich mich überhaupt erinnern kann. Den hab ich schon im Kindergarten gesehen (lacht).

SKIP: Du wirkst so viel gelassener als früher. Gibt es immer noch Dinge, die dich wütend machen?

Brad Pitt: Ach, DIE Liste ist lang! (lacht) Aber ganz oben stehen zwei Sachen. Erstens, dass Amerika einst auf der Idee der Freiheit – der politischen und persönlichen – gegründet wurde, und die jetzige Regierung genau das mit Füßen tritt. Und zweitens unsere Außenpolitik. Auch hier zeigt sich wieder, dass jedes Bemühen fehlt, einen anderen Standpunkt verstehen zu lernen, und stattdessen jedem unsere Art zu leben aufgezwungen wird.

SKIP: Die Presse stört dich nicht?

Brad Pitt: Nicht die Journalisten, die ihren Job Ernst nehmen. Nur diejenigen, die jede journalistische Ethik aus dem Fenster geworfen haben und für eine gute Story alles tun, inklusive reine Erfindungen zu schreiben. Das ist nicht Journalismus, sondern reine Sensationslust.

SKIP: Würdest du dich als Weltverbesserer bezeichnen?

Brad Pitt: Ich hoffe! Ich habe kein Problem mit dieser Bezeichnung. Es ist höchste Zeit, dass es wieder mehr Typen von dieser Sorte gibt.

SKIP: Wie könnte man es denn erreichen, dass die Menschen rund um den Globus einander besser verstehen lernen?

Brad Pitt: Mein persönliches Anti-Rassismus-Programm: Jeder schläft mit jedem, solange, bis wir alle dieselbe Hautfarbe haben! Das wäre doch ein guter Anfang (lacht).

Interview: November 2006

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