Ford in der Falle

Interview mit Harrison Ford zu Aus Mangel an Beweisen

In Aus Mangel an Beweisen muss Harrison Ford einen Mord aufklären, den er selbst begangen haben soll. Thomy Aigner sprach für SKIP mit dem Superstar, der normalerweise Interviews hasst.

SKIP: Im Film Die Waffen der Frauen erzählen Sie Ihrer Partnerin Melanie Griffith auf die Frage, woher Sie ihre Narbe haben, dass Sie mit dem Kinn auf die Klomuschel gefallen sind. Entspricht das auch der Wahrheit?

Harrison Ford: (grinst) Nein. Ich war mit meinem alten Volvo unterwegs durch den Canyon. Wie immer habe ich meinen Gurt erst umgeschnallt, nachdem ich schon losgefahren war - eine schreckliche Unart - und nicht auf die Straße geachtet. Das Resultat: Ich bin voll in einen Telefonpfosten hineingeknallt und habe ins Lenkrad gebissen. Ich hab wie ein geschlachtetes Schwein geblutet, und im Spital haben die mich in einem entsetzlichen Pfusch zusammengenäht.

SKIP: Wie lange haben sie gebraucht, um eine Hauptrolle zu bekommen?

Harrison Ford: Jahre! Ich war Verkäufer, Postler, Fernfahrer und Tischler, bevor ich kleine Rollen im Fernsehen bekam. Und dann wurde ich immer als der jüngere, sensible Bruder engagiert. Es hat mich wahnsinnig gemacht! Zwischen 1968 und 1976 hab ich genau drei Rollen bekommen. Also hab ich mir mein Geld als Tischler verdient.

SKIP: Wo haben Sie sich auf die Rolle in Aus Mangel an Beweisen vorbereitet?

Harrison Ford: In Detroit. Die Atmosphäre des Films ist sehr dunkel. Ein Bild einer mittelamerikanischen Stadt und ein sehr dunkles Bild des menschlichen Charakters. Rusty Sabich ist sehr real. Er ist nicht schwarz und nicht weiß, nicht gut und nicht schlecht, sondern grau, irgendwo in der Mitte. Ein Mensch, der an und für sich das Richtige tun will, es aber nicht immer zustande bringt. Ein Durchschnittsbürger mit dunklen Charakterzügen, einer, dem man es nicht gleich anmerkt, dass er etwas zu verbergen hat. Er hintergeht und wird hintergangen, er lügt und wird belogen. Ein Mensch wie du und ich eben. Rusty Sabich hat eine zweite Welt, seine Familie. Er liebt seinen Sohn, er liebt seine Frau. Und auf gewisse Art liebt er auch seine Kollegin. Und in dieser Geborgenheit vergisst er die triste Seite seines Daseins.

SKIP: Haben Sie Scott Turows Roman gelesen, bevor Sie die Rolle angenommen haben?

Harrison Ford: Ja, aber als ganz normaler Konsument, im Bett vor dem Einschlafen.

Interview: November 1991

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