Witz und Wirklichkeit

Interview mit Will Ferrell zu Schräger als Fiktion

Will Ferrell ist einer der lustigsten Männer der ganzen Welt, auch wenn sich seine bisherigen Filme wie Buddy, der Weihnachtself oder Anchorman vor allem an das US-Publikum richteten. In Marc Forsters hochgelobtem Schräger als Fiktion sieht man ihn erstmals in einer (fast) ernsten Rolle, und auch das ist ein Hochgenuss: höchste Zeit für das längst überfällige SKIP-Exklusiv-Interview.

Für routinierte Reporter gibt es viele (legale) Möglichkeiten, den kargen Schreib-Sold etwas aufzubessern. Dass mir allerdings der Star und Interview-Partner persönlich einen Geldschein zusteckt, ist mir noch nie passiert. Aber Will Ferrell, dem Zwei-Meter-Riesen mit der Optik eines Teddybärs und der Auffassungsgabe einer Großkatze, lässt sich nicht lumpen, wenn´s um die Pointe geht. Als ihm beim Exklusiv-Interview im noblen Londoner Dorchester Hotel der Originalinterpret des Songs nicht einfallen will, den er im Film zum Besten gibt, mir aber schon (es ist der alte Punkrock-Hadern Whole Wide World von Wreckless Eric) steckt er mir kurzerhand eine Zehn-Pfund-Note zu. Dabei war ich doch schon vorher Will-Ferrell-Fan. Ehrlich.

SKIP: Will, hören Sie selbst eigentlich auch manchmal Stimmen in ihrem Kopf?

Will Ferrell: Ständig. Gerade jetzt wieder. Und die Stimme befiehlt mir, Sie zu töten … GRAAAH!! (lacht). Aber im Ernst: Nein, nie. Ich bin zwar vielleicht manchmal ein bisschen irre, aber so durchgeknallt nun auch wieder nicht.

SKIP: Wenn eine Stimme Ihr Leben kommentieren würde wie bei Harold Crick in Schräger als Fiktion, wessen Stimme hätten Sie denn dann am liebsten?

Will Ferrell: Seltsam, das werde ich total oft gefragt ... also die von Emma Thompson hat mir recht gut gefallen, sie hat eine wunderschöne, warme Stimme, und dazu dieser britische Akzent, herrlich. Julio Iglesias wäre auch toll. Wenn er mit diesem sinnlichen Latino-Schmelz Dinge sagen würde wie "Ohhh, du siehst heute wunderbar aus, und dir geht´s großartig. Und jetzt gehst du zum Supermarkt und holst dir Brot und Käse." (lacht). Die schönste aller Stimmen ist für mich allerdings die von meinem Sohn. Er ist jetzt zweieinhalb. Sicher ist er noch nicht so wortgewandt wie Emma, aber ihm könnte ich ohne Ende zuhören.

SKIP: Ihre Filmfigur Harold Crick ist ein steifer, pedantischer Steuerprüfer, dessen Alltag von strenger Routine geprägt ist. Können Sie das nachvollziehen? Kennen Sie solche Menschen?

Will Ferrell: Fragen Sie meine Frau – sie findet, dass ich selbst ihm gar nicht so unähnlich bin (lacht)!

SKIP: Wie das? Sie wirken nicht gerade wie ein besessener Kontroll-Freak ...

Will Ferrell: Naja, aber ich hab schon ein paar heftige Marotten. Zum Beispiel bin ich einer von denen, die immer darauf achten, dass ihre Schuhe ganz genau nebeneinander stehen, nicht verdreht und keiner weiter vorn oder weiter hinten. Und dann habe ich bei meinem Lieblingsgewand immer totale Panik, dass es vom vielen Tragen irgendwie kaputt wird. Ich war schon als Kind so, ich bestand immer darauf, alles doppelt zu bekommen. Mittlerweile ist das wirklich lächerlich – ich meine, ich habe 30 Paar Schuhe im Schrank, die werden wohl eine Zeit lang halten.

SKIP: Schräger als Fiktion ist – zumindest im Vergleich mit Ihren früheren Filmen – Ihre erste ernste Rolle ...

Will Ferrell: Ja, auch wenn man über ihn lacht, hat Harold Crick doch enormen Tiefgang. Und ich habe ihn auch nicht gespielt wie einen Comedy-Charakter, sondern ganz ernst. Während des Drehs ist er mir eigentlich auch gar nicht witzig vorgekommen, eher tragisch. Zum Beispiel die Szene, in der er sich mit Maggie Gyllenhaal verabreden will und dabei hoffnungslos an sich selbst scheitert. Ich habe fast geweint, als ich das gespielt habe. Als ich den fertigen Film sah, haben alle gelacht. Das fand ich einerseits natürlich erfreulich, weil diese Wirkung ja beabsichtigt war, andererseits aber auch irgendwie gemein.

SKIP: Viele Komiker versuchen sich irgendwann in ihrer Karriere an einer dramatischen Rolle, und oft mit großem Erfolg, siehe Jim Carrey in Die Truman Show. Ist für Sie nun der Punkt gekommen, an dem Sie auch den Kritikern beweisen wollen, dass in Ihnen ein echter Schauspieler steckt? Die Golden-Globe-Nominierung gab´s ja bereits, und Oscar-Gerüchte stehen auch schon im Raum ...

Will Ferrell: Ich wollte schon einmal was Ernsteres spielen, aber es war kein geplanter Schachzug. Ich bekam halt das Drehbuch, fand es super, bewarb mich um die Rolle und bekam sie. Aber heimlich träume ich natürlich wie jeder Schauspieler von den wirklich prestigeträchtigen Rollen, ganz klar. Irgendwann werde auch ich einmal den Hamlet spielen.

SKIP: Wie würden Sie den anlegen?

Will Ferrell: Hm … kurz. So wie der jetzt ist, ist er mit entschieden zu lang. Alles Unwichtige raus. Nur die wesentlichen Sachen bleiben drin. Warten Sie mal (hebt die Stimme): Sainn oder nichttt sainnn!!!! Klingt doch schon ganz gut, oder? Das ist doch aus Hamlet, oder nicht? (lacht)

SKIP: Apropos große Schauspieler: Wie war es, in Schräger als Fiktion mit Dustin Hoffman zu drehen? Viele sagen ja, dass mit ihm zu arbeiten mindestens so lustig ist, wie ihm danach zuzuschauen ...

Will Ferrell: Klar, Dustin ist ein einzigartiges Erlebnis. Er ist einer der warmherzigsten, nettesten und witzigsten Kollegen, die ich kennenlernen durfte. Dabei war ich anfangs wirklich extrem nervös, mit ihm zu arbeiten. Er ist nämlich eines meiner ganz großen Vorbilder - und das, obwohl der Mann nicht mal halb so hoch ist wie ich.

Interview: Oktober 2006

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