Superman im Speckmantel

Interview mit Ben Affleck zu Die Hollywood-Verschwörung

Image is nothing. Als slicker Comic-Superheld Daredevil fiel Ben Affleck einst auf die Schnauze – dafür räumt er als dicklicher TV-Superman-Darsteller in Die Hollywood-Verschwörung Lob und Preise ab.

SKIP: Für deine Rolle als leicht übergewichtiger TV-Superman George Reeves in Die Hollywood-Verschwörung hast du 10 Kilo zugenommen. Jetzt bist du wieder erschlankt – wie hast du das geschafft?

Ben Affleck: Es war definitiv schwieriger, das Gewicht runterzukriegen, als es raufzufressen (lacht). Ich hab von so vielen Kollegen gehört, wie einfach es sei, für eine Rolle zu- und abzunehmen, aber das stimmt überhaupt nicht. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, aber das war echt leichter als das.

SKIP: Wie lang hast du gebraucht, um wieder in Form zu kommen?

Ben Affleck: Ganze vier Monate. Ich dachte echt, das geht schneller. Ich aß nur so fades Zeug wie gedünstetes Huhn ohne Haut und Fett, eine halbe gekochte Kartoffel und Brokkoli dazu. Iss das mal vier Monate – glaube mir, du möchtest dich erschießen.

SKIP: Welcher Aspekt der Figur des George Reeves hat dich besonders berührt?

Ben Affleck: Was ich wirklich am herzzerreißendsten fand, war, wie viele Leute ihn scheinbar einfach echt gern hatten. Er war großzügig, hilfsbereit und nett. Und das zu einer Zeit, wo das nicht unbedingt zum Männer-Ideal gehörte. Er war immer höflich und freundlich. Aber eben auch schrecklich unglücklich über seine Situation. Die ganze Welt liebte ihn als TV-Comic-Helden, und er wollte so gerne ein großer Schauspieler sein ... Gerade Hollywood ist die Hauptstadt der Leute, die ständig etwas erreichen wollen und immer mit ihrer momentanen Situation unzufrieden sind. Eigentlich sollte für die meisten von uns das, was wir haben, genug für ein Leben sein. Man ist gesund, hat einen Job, die Leute mögen einen – das sollte eigentlich reichen. Aber sehr oft ist das eben nicht so. George Reeves ist einfach ein sehr gutes Beispiel für diese generelle, sehr ungesunde Tendenz des Menschen.

SKIP: Es gibt durchaus Parallelen zwischen deiner Rolle als desillusionierter TV-Superman und deiner eigenen Karriere. Hast du auch darunter gelitten, dass für die Öffentlichkeit dein Star-Status und dein Privatleben in den letzten Jahren oft wichtiger waren als deine Arbeit?

Ben Affleck: Durchaus. Es ist oft so, dass die Leute deine Person mit deinen Rollen oder dem Image verwechseln, das von den Medien gezeichnet wird. Und da hab ich natürlich einige unangenehme Erfahrungen gemacht. Das ist schlecht für dich selbst und für die Karriere. Deshalb habe ich mir eine Pause gegönnt und bin eine eine Zeitlang völlig von der Bildfläche verschwunden.

SKIP: Was hast du gemacht in der Zeit? Meditiert vielleicht?

Ben Affleck: (Lacht) Nein, ich hab Regie bei einem Film geführt, hab geheiratet und ein Kind gekriegt (Bens und Jennifer Garners Tochter Violet Anne kam am 1. 12. 2005 zur Welt, Anm.). Diese drei Dinge haben mein Leben ziemlich neu ausgerichtet.

SKIP: Reist dein Kind schon mit dir mit?

Ben Affleck: Nein, seine Mutter arbeitet gerade in den USA, dort ist auch die Kleine. Und da flieg ich auch gleich wieder hin, wenn ich hier fertig bin (lacht).

SKIP: Was macht Jennifer gerade?

Ben Affleck: Sie dreht The Kingdom mit Jamie Foxx und Chris Cooper in Arizona, das für den Film als Saudi Arabien herhalten muss (lacht).

SKIP: Lebt ihr eigentlich noch in L. A.?

Ben Affleck: Wir haben ein Haus in L. A., weil wir ja auch meist dort arbeiten, aber wir überlegen uns, woanders hinzuziehen. Wir wissen nur noch nicht, wohin. Vielleicht hierher nach Venedig, das schaut ja ganz nett aus. Leben eigentlich tatsächlich Leute auf all diesen Inseln rundherum?

SKIP: Klar!

Ben Affleck: Und was machen die hier? Haben die auch Jobs?

SKIP: Natürlich.

Ben Affleck: Und welche? Nur Tourismus und was haben die hier noch ... Glasindustrie?

SKIP: Zum Beispiel!

Ben Affleck: Cool. Schöne Gläser an Touristen zu verkaufen, das würde mir auch gefallen (lacht).

SKIP: Du hast deine erste große Regiearbeit erwähnt, Gone, Baby, Gone, die du gerade mit Ed Harris und Morgan Freeman abgedreht hast. Wie war diese Erfahrung?

Ben Affleck: Genial, ich hoffe, ich bekomme noch mal so eine Gelegenheit. Es ist großartig – endlich waren mal die anderen die Stars, die sich exzentrisch aufführen, während ich den bodenständigen Typen geben musste, der weiß, wo´s langgeht (lacht).

SKIP: Planst du auch Filme mit deiner Frau?

Ben Affleck: Nein. Wenn wir beide mal zusammenarbeiten sollten, dann sicher nicht beim Film (grinst).

Interview: September 2006

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