Cleveres Kerlchen

Interview mit Hugh Grant zu Mitten ins Herz - Ein Song für Dich

Hugh Grant weiß, wie der Hase läuft. Zuerst erklärt man laut und deutlich, dass man keine Lust mehr auf Kino hat. Dann treibt man sich längere Zeit nur noch auf Partys rum. Und meldet sich schließlich mit einer musikalisch beschwingten Romantik-Komödie zurück ins Geschehen. Sehr zur Freude aller Fans.

SKIP:Sie zählen nicht gerade zu den fleißigsten Filmstars. Warum gibt es immer wieder so lange Pausen zwischen Ihren Projekten?

Hugh Grant: Ich bin der Meinung, es fällt sowieso niemandem auf, wenn ich mich ab und zu ins Privatleben zurückziehe. Am allerwenigsten dem Publikum, das mich ohnehin schon satt hatte. Jetzt fragt mich jeder, ob Mitten ins Herz - Ein Song für Dich mein Comeback ist. Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Ich hätte gar nichts dagegen, ein Star von gestern zu sein. So wie meine Figur im Film. Der weiß auch, dass er früher mal viel berühmter war als heute – und trotzdem ist er ein glücklicher Mensch.

SKIP: Diese Einstellung ist untypisch für Hollywood, wo jeder mit harten Bandagen um seine Karriere kämpft.

Hugh Grant: Stimmt. Das ist mein britisches Erbe. Wir Engländer haben kein Problem mit Versagern. Aber in Amerika bist du ein Niemand, wenn du versagst. Ich finde es schrecklich, wenn jemand immer nur an seinen Erfolgen gemessen wird. Nur weil ich irgendwann mal groß war, muss das doch nicht ewig so weitergehen, oder? Nehmen wir Simon Le Bon, den treffe ich gelegentlich auf irgendwelchen Partys. Klar war der in den 80ern mit Duran Duran ein viel größerer Star als heute. Na und? Er ist immer noch ein toller Typ, hat einen großartigen Humor und kann auf eine super Karriere zurückblicken. Ich finde, man muss das respektieren. Im Showgeschäft ist es nämlich gar nicht so leicht, mit Würde alt zu werden.

SKIP: Sie sagen von sich, dass Sie Musik hassen. Warum dann dieser Film?

Hugh Grant: Ehrlich gesagt, hatte ich panische Angst vor dieser Rolle. Ich wollte mich nicht lächerlich machen. Ich hasse Musik wirklich. Klar, die Geschichte war witzig, aber jeder, dem ich davon erzählte, reagierte gleich: "Von allen Leuten in der Welt, die einen Popstar spielen könnten, bist du die allerschlechteste Wahl." Nur Marc Lawrence war anderer Meinung. Er hat mich jahrelang mit diesem Projekt gequält. Irgendwann gab ich auf. Ich wusste, dass diese Rolle ein Risiko ist, aber ich bin es eingegangen. Was erstaunlich ist. Im Grunde bin ich nämlich ein sehr feiger Schauspieler. Ich gehe in meinen Filmen gern auf Nummer Sicher. Absurderweise hat mir dann gerade die Musik im Film am meisten Spaß gemacht. Ich hatte so viel Angst vor einer Blamage, dass ich alles tat, um sie zu vermeiden. Das ist der Perfektionist in mir.

SKIP: Warum können Sie Musik nicht leiden?

Hugh Grant: Das liegt in meiner Kindheit begraben. Ich gebe meinen Eltern die Schuld. Die haben nie Musik gespielt. Höchstens einmal im Jahr hat mein Vater eine alte Platte mit schottischer Tanzmusik aufgelegt. Damit wurde mir alles verdorben. Die Songs habe ich heute noch in den Ohren.

SKIP: Sie zählen zu den ganz wenigen britischen Filmstars, die nie Lust aufs Theater zeigen ...

Hugh Grant: Theater ist nur für die Schauspieler toll, für das Publikum aber ist es eine endlose Tortur. Seien wir doch ehrlich: Von 30 Theaterstücken ist vielleicht eines interessant und unterhaltsam, der Rest besteht aus tödlicher Langeweile. Und Komödien kann ich im Theater schon gar nicht spielen. Ich muss nämlich immer mitlachen, wenn wer im Publikum lacht.

SKIP: Mitten ins Herz - Ein Song für Dich ist eine romantische Komödie. Wie definieren Sie Romantik?

Hugh Grant: Keinen blassen Schimmer. Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen, wo die Methoden der Verführung mit klassischen Foltertechniken verglichen werden. Zuckerbrot und Peitsche. Deshalb können Frauen so gut abwechselnd nett und zickig sein. Oder Männer nach einer heißen Nacht so gut verschwinden. Alles nur Mittel, um jemanden emotional von sich abhängig zu machen. Tut zwar weh, funktioniert aber echt gut.

SKIP: Interessante Theorie. Was mir eben auffällt: Sie gelten als Weinexperte. Dabei sehe ich Sie immer nur Gin Tonic trinken.

Hugh Grant: Mein Vater hat Wein geliebt ... wir Kinder durften immer kosten. Sie sehen ja, was dabei rauskommt. Ich habe nur einmal, als ich sonst nichts zu tun hatte, ein Buch über Wein gelesen. Vermutlich habe ich damals in Interviews mit meinem Fachwissen geprotzt. Dabei hasse ich solche Leute. "Ich liebe diesen Pinot Noir. Er reinigt den Gaumen bevor er sich blumig ausbreitet." Ist doch völliger Quatsch!

Interview: Januar 2007

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