Jungbrunnen

Interview mit Rachel Weisz zu The Fountain

Schwere Themen leicht serviert. Peter Krobath traf die junge Mutter und Oscar-Preisträgerin Rachel Weisz in Venedig, um über ewiges Leben, friedliches Sterben und Hollywoods Jugendwahn zu plaudern.

SKIP: Würden Sie mir zustimmen, dass The Fountain in all seiner Komplexität doch eher hohe Anforderungen an die Konzentration der Zuschauer stellt?

Rachel Weisz: Das kann ich nicht beantworten. Ich habe mir da jedenfalls nicht schwer getan. Aber The Fountain ist sicher ein sehr ungewöhnlicher Film. Das breite Publikum ist solche Experimente nicht gewöhnt. Aber das heißt doch nicht, dass man sich nicht lustvoll darauf einlassen sollte.

SKIP: Würden Sie gerne ewig leben?

Rachel Weisz: Nein, ich glaube nicht. Die Ewigkeit ist eine lange Zeit. Ich habe während dieser Dreharbeiten viel darüber nachgedacht. Da kann man schon auf seltsame Gedanken kommen. Zum Beispiel: Wenn ein Mensch ewig lebt, wie lange muss er dann in die Schule gehen? 2000 Jahre? 3000 Jahre? Wie lange wäre man in der Pubertät? 4000 Jahre? Es sind ja nicht nur die schönen Momente, die dann ewig dauern, die schwierigen Zeiten dauern auch so lang.

SKIP: Sie spielen eine Frau, die weiß, dass sie sehr bald sterben wird. Sie geht bewusst an ihren Tod heran.

SKIP: Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Rachel Weisz: Ich habe sehr viele Bücher gelesen. Und ich habe viel mit jungen Menschen gesprochen, die in der gleichen Situation waren wie meine Figur im Film. Sie waren todkrank, sie wussten, dass sie bald sterben würden. Sie hatten sich mit ihrem Tod abgefunden, und sie waren bereit, darüber zu sprechen. In jedem Land gibt es Organisationen, die Sterbehilfe betreiben. Die meisten Ärzte wollen das Leben mit allen Mitteln verlängern. Diese Leute stehen auf der anderen Seite. Sie bereiten Menschen bewusst auf den Tod vor, sie helfen ihnen, friedlich und in Würde zu sterben. Das hat mich ungemein berührt.

SKIP: Als Sie den Oscar für Der ewige Gärtner bekamen, waren Sie im siebenten Monat schwanger. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Rachel Weisz: Als ob ich unter Wasser wäre. Die Situation war vollkommen surreal. Ich habe kaum was mitgekriegt, weil ich total nervös war, völlig aufgelöst. Aber so sind wir Engländer: Je nervöser wir werden, desto cooler wirken wir. Das ist eine Gabe Gottes.

SKIP: Wie reagieren Besucher auf Ihren Oscar?

Rachel Weisz: Bisher wollte ihn noch jeder angreifen – auch die, die gesagt haben, dass sie eigentlich gekommen sind, um mein Baby zu sehen. Das scheint ein sehr verbreiteter Fetisch unter Filmfans zu sein: Oscar-Grapschen.

SKIP: Was halten Sie von Hollywoods Jugendwahn?

Rachel Weisz: Das hat es doch schon lange vor dem Kino gegeben. Schon auf Höhlenzeichnungen wollten Frauen jung und schön aussehen. Jetzt haben wir die technischen Möglichkeiten, Jugend zumindest vorzutäuschen. Ich finde es komisch, wenn ich ein auf jung gespritztes Gesicht sehe. Da bewegt sich nichts mehr. Wie eine Maske. Total lächerlich. Aber irgendwie auch furchterregend. Wie in einem Science-Fiction-Film von Terry Gilliam. Aber Männer werden immer jüngere Freundinnen haben wollen. Ist doch so. Da brauchen wir uns gar nichts vormachen.

Interview: September 2006

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