Zeus´ Muskel

Interview mit Gerard Butler zu 300

In Das Phantom der Oper zeigte Gerard Butler gerade mal sein halbes Gesicht. Als legendärer König Leonidas in 300 sieht man seinen ganzen durchtrainierten Body – und für Kurt Zechner offenbarte der vielseitige Schotte seine inneren Werte.

SKIP: Für Ihre Rolle als König Leonidas haben Sie – wie ja der ganze männliche Cast – Ihren Body perfekt auftrainiert. Wie fühlt man sich in so einem Körper?

Gerard Butler: Nun, mittlerweile ist der ganze Zauber ja leider schon wieder weg – im Gegensatz zum Hochtrainieren geht das nämlich ziemlich schnell, vor allem wenn man wie ich einen Liter Cola am Tag trinkt (lacht). Es war großartig, sich so bärenstark und kräftig zu fühlen. Wenn man auf so einem Level trainiert, also über fast acht Monate sechs Stunden am Tag, dann kriegt man eine mächtige Dosis Testosteron ab. Und andere körper-eigene Botenstoffe, die dich ordentlich pushen. Die Diät allerdings war schräg. Ich musste zwar sehr viel essen, aber immer nur bestimmte Sachen. Ein Huhn und vier Pistazien zum Beispiel.

SKIP: Warum war dieses extreme Training so wichtig?

Gerard Butler: Es ist schon ein bisschen verrückt: Wenn ich so am Set stand, in all meiner Muskelpracht, dann habe ich mich wirklich wie ein Löwe gefühlt. Bereit, es mit einer Million Gegner aufzunehmen. Ich hätte in echt zwar vielleicht nicht mal einen geschafft, aber ich habe mich gefühlt, als könnte ich alleine eine ganze Armee vermöbeln. Und ich glaube, nur so konnte ich diesen Anführer wirklich glaubhaft verkörpern. Mich stört bei ähnlichen Filmen immer, wenn da so dünne Heringe mit gestelztem Englisch Feldherren verkörpern, die Riesenarmeen befehligen. Das glaubt doch keiner!

SKIP: Wie sind Sie während des Drehs da überhaupt zwischenzeitlich wieder runtergekommen von diesem Trip?

Gerard Butler: Naja, beim Training bist du immer fast nackt, und wir drehten in Montreal bei teilweise minus 20 Grad. Da ist die Gefahr, dass du zu hitzig wirst, nicht so groß (lacht).

SKIP: Also auch keine Pool-Parties für Sie am Wochenende?

Gerard Butler: Nein! Ist das nicht furchtbar, wenn man gerade so einen Body hat? Ich war richtig frustriert, weil ich keine entsprechenden Möglichkeiten fand, damit anzugeben. Ich hab dann bei Starbucks beim Kaffeeholen öfter mal das Shirt hochgehen lassen und zu den freundlichen Damen dort gesagt: "Hey, schaut euch doch meine Bauchmuskeln an!" (lacht).

SKIP: Wie hat Ihre Freundin auf die Megamuskeln reagiert?

Gerard Butler: (lacht) Wie fast alle Frauen hat sie vorher ja immer behauptet, dass sie gar nicht so auf Muskeln steht. Aber wenn du selbst mal solche Muckis hast, dann merkst du schnell, wie enorm stärker deine Anziehungskraft auf Frauen plötzlich ist. Die glotzen genauso wie wir Männer. Vielleicht ist es aber auch wieder nur das gesteigerte Testosteron-Ego, das sich das einbildet (lacht).

SKIP: Sie haben ja einmal eine juristische Karriere angestrebt ...

Gerard Butler: Naja, angestrebt würde ich das nicht nennen. Mit 15 hab ich gesagt: "Ich will Schauspieler werden!" Und meine Eltern meinten: "Großartig! Aber jetzt lass uns ernsthaft über deine Zukunft reden." Mitte der 80er gab es in ganz Schottland vielleicht drei Schauspieler mit Jobs. Also versucht man´s halt mit einer "richtigen" Ausbildung, in meinem Fall einem Jus-Studium. Und schwupps, plötzlich sind sieben Jahre vergangen, und du bist konfrontiert mit der harten Wahrheit: "Ist das mein Leben? Muss ich irgendwann mit 65 auf eine Karriere zurück­blicken, die ich gar nicht machen wollte?" Nichts gegen Anwälte – aber ich wusste einfach, dass das nichts für mich ist. Das haben irgendwann auch meine Eltern verstanden. (lacht) Und jetzt bin ich hier, gottlob genau da, wo ich immer hinwollte.

Interview: Februar 2007

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