Rios schönster Krieger

Interview mit Rodrigo Santoro zu 300

Der Schöne spielt das Biest. Für 300 verwandelte sich der mandeläugige Brasilianer Rodrigo Santoro in den überlebensgroßen Perserkönig Xerxes. Kurt Zechner fand heraus, was sonst noch alles in ihm steckt.

SKIP: Die Darsteller der Spartaner, allen voran Gerard Butler als Leonidas, mussten sich für 300 einem extremen Work Out unterziehen. War das für Ihre Rolle des Perser-Königs Xerxes auch nötig?

Rodrigo Santoro: Nun, bei mir ging es nicht so sehr um Muskeln, mein Charakter ist ja mehr so ein Größenwahnsinniger, der einfach glaubt, dass er ein Gott ist. Ich musste es nur schaffen, glaubwürdig einen 2,10 Meter-Typen rüberzubringen. Dass ich selbst nicht gerade klein bin, half natürlich. Xerxes ist definitiv sehr extrem. Ein Über-Ego. Er ist eine echte Comic-Figur, sein Look ist total bizarr, diese riesige Figur, voller Gold, völlig haarlos und überall gepierct. Diese Transformation war ein ziemlich intensiver Prozeß. Ganzkörperrasur und fünf Stunden Make-up täglich! Das war mindestens genau so anstrengend wie Gerards Training (lacht).

SKIP: Rodrigo, ab Herbst sehen wir Sie in der TV-Serie Lost. Wen spielen Sie da?

Rodrigo Santoro: Ja, ich bin ab der siebenten Staffel dabei, und meine Figur heißt Paulo … viel mehr darf ich Ihnen allerdings nicht verraten (lacht). Viel mehr weiß ich aber auch gar nicht – die Autoren machen auch uns Schauspielern gegenüber immer ein großes Geheimnis um das, was als nächstes passiert. Soweit ich das mitkriege, gibt es da tatsächlich keinen Darsteller, der weiß, wo die Reise hingeht. Das ist sehr spannend.

SKIP: Wollen Sie jetzt verstärkt in Hollywood arbeiten oder bleiben Sie in Brasilien?

Rodrigo Santoro: Beides. Die Möglichkeiten außerhalb Brasiliens sind natürlich großartig, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber ich habe immer noch eine Karriere in Brasilien, viele Projekte dort am Laufen. Meine Familie, Freundin und Freunde sind auch dort. Es ist also definitiv immer noch mein Zuhause, aber ich reise sehr viel herum derzeit, gerade eben hause ich in Hawaii für die Dreharbeiten zu Lost. Aber gleichzeitig habe ich auch zwei brasilianische Filme fertiggestellt, die demnächst rauskommen.

SKIP: In Ihrer Heimat wurden Sie mit Telenovelas zum Superstar. Wollen Sie so etwas nun nicht mehr machen?

Rodrigo Santoro: Ich habe keinerlei Vorurteile gegenüber der TV-Arbeit, auch nicht bei Soaps. Ich habe dabei eine Menge gelernt. Aber ich habe schon länger keine mehr gemacht, weil man sich da immer gar so lang verpflichten muss. Und derzeit habe ich so viele tolle Möglichkeiten beim Film, dass ich die natürlich lieber wahrnehme.

SKIP: In Baz Luhrmans legendärem Chanel-Werbespot spielen Sie ja Nicole Kidmans Liebhaber. Sind Sie nicht auf den Geschmack gekommen, mit ihr mal einen Film zu machen?

Rodrigo Santoro: Natürlich, am besten mit ihr und Baz Luhrmann. Den halte ich für einen der besten Regisseure überhaupt. Ein echter Künstler. Als ich ihn für dieses Projekt traf, war ich sehr beeindruckt davon, wie unglaublich kreativ er ist. Und wie ernst er seine Arbeit nimmt.

SKIP: Haben Sie eigentlich das Gefühl, dass man Sie manchmal nur wegen Ihres blendenden Aussehens castet oder dass man Ihnen hauptsächlich Rollen als Frauenschwarm anbietet?

Rodrigo Santoro: Das kann schon sein. Und ich sehe das durchaus auch als Kompliment (grinst). Aber ich versuche, so unterschiedliche Sachen wie möglich zu spielen. Ich bin ja schon gespannt, wie die Frauen auf meinen Xerxes reagieren (lacht). In Brasilien habe ich einmal einen Transsexuellen gespielt, das hat meine weibliche Anhängerschaft ganz schön schockiert, kann ich ihnen sagen. Ich sah viele Leute aus dem Kino gehen deshalb. Die wollen mich natürlich immer nur als süßen Gentleman sehen.

SKIP: Brasilianer gelten oft als Womanizer ...

Rodrigo Santoro: Echt? Ich dachte, das sagt man eher über die Italiener (grinst). Ich glaube nicht, dass wir gar solche Frauenhelden sind. Ich bin’s jedenfalls sicher nicht. Obwohl wir wirklich sehr viele sehr schöne Frauen in Brasilien haben.

SKIP: Sie sind also treu und monogam?

Rodrigo Santoro: Ja, das bin ich. Ich bin jetzt dreieinhalb Jahre mit meiner Freundin zusammen.

SKIP: Ist Sie auch eine Schauspielerin?

Rodrigo Santoro: Nein, sie modelt, hosted eine Show und designt Kleider.

SKIP: Haben Sie sie nach Hawaii mitgenommen?

Rodrigo Santoro: Nein, ich fliege immer hin und her. Das ist eine lange Reise, das kann ich Ihnen sagen.

Interview: Februar 2007

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