Wann stirbt Harry?

Interview mit Daniel Radcliffe zu Harry Potter und der Orden des Phönix

Es gibt ein Leben neben Harry Potter. Daniel Radcliffe liebt Musik und spielt auch selbst. Sein Instrument ist die Bassgitarre. Zu seinen Lieblingsbands gehören die Sex Pistols, Red Hot Chilli Peppers, The Strokes, The Clash, The Pixies, The Libertines und Kaiser Chiefs.

Daniel Radcliffe war 10 Jahre alt, als er erstmals mit Harry Potter in Berührung kam. Mittlerweile ist er ein junger Mann. Am 31. Juli wird Englands berühmtester Zauberlehrling seinen 18. Geburtstag feiern. Ein ganz normaler Superstar. Skandale gibt es keine. Nackte Tatsachen schon.

SKIP: Nackt auf der Theaterbühne. Dein Auftritt in Equus sorgte nicht nur in London für Schlagzeilen. Der erste Schritt, um Harry Potter zu entkommen?

Daniel Radcliffe: Das Stück ist großartig. Deshalb habe ich es gemacht. Natürlich kommt es mir entgegen, dass mich wenigstens ein Teil des Publikums mal ganz anders sehen kann. Irgendwann ist Schluss mit Harry Potter – und dann will ich kein ehemaliger Kinderstar sein, der nur in seiner Vergangenheit lebt.

SKIP: Keine Angst, dass der abrupte Rollenwechsel die Fans verstören könnte?

Daniel Radcliffe: Ach, Quatsch. Die Leute fragen sich bei Tobey Maguire in The Good German ja auch nicht, wo er sein Spider-Man-Kostüm gelassen hat.

SKIP: Harry Potter und der Orden des Phönix hat von allen bisherigen Teilen der Serie sicher die dramatischste Geschichte – was sich besonders auf deine Rolle auswirkt.

Daniel Radcliffe: Unser Regisseur David Yates brachte sogar einen Experten für Trauer-Arbeit an den Filmset, damit ich verstehen kann, was Harry Potter in dieser schweren Situation durchmacht. Das war wichtig für mich, weil mir persönlich derartig tragische Erlebnisse Gott sei Dank noch fremd sind. Ich habe noch keines meiner Familienmitglieder verloren. Dafür bin ich sehr dankbar.

SKIP: Zu welchen Erkenntnissen verhalf dir der Trauer-Experte?

Daniel Radcliffe: Es war eine Frau. Sie sprach von der Schuld des Überlebenden. Harry macht da eine Phase durch, wo er das Gefühl nicht los wird, dass eigentlich er es ist, der sterben hätte sollen. Ich verstehe jetzt, was posttraumatischer Stress ist. In Harry Potter und der Orden des Phönix geht es letztlich um den Verlust der Unschuld. Zum ersten Mal wird Harry mit den schlechten Seiten der Menschheit konfrontiert.

SKIP: Alle reden über Harrys ersten Kuss. Wie unterscheidet sich ein echter Schmatz von einem Leinwandkuss?

Daniel Radcliffe: Echte Küsse sind viel spannender. Beim Kinokuss denkst du nur an technische Dinge wie Körperhaltung, Kamerawinkel und nur ja nicht das Gesicht der Partnerin mit der eigenen Nase zu verdecken. Nichts gegen Katie Leung – es war ein netter Kuss, sie kann gut küssen, und sagt das auch über mich – aber ein wirklicher Kuss ist wesentlich aufregender.

SKIP: Deine Partnerin war angeblich schrecklich nervös vor der Kussszene ...

Daniel Radcliffe: Wir waren beide schrecklich nervös! Aber nach ein paar Takes lässt die Nervosität nach und es wird ein ganz normaler Arbeitstag. In einer Londoner Zeitung wurde berichtet, dass wir 30 verschiedene Einstellungen drehen mussten, weil ich Katie so lange wie möglich küssen wollte. Dazu kann ich nur eines sagen: Lass dir nie eine gute Story von der Wahrheit ruinieren!!!

SKIP: Ich habe irgendwo gelesen, Gary Oldman hätte dich während der Dreharbeiten persönlich angegriffen. Stimmt wenigstens das?

Daniel Radcliffe: Ich hatte ernsthafte Probleme mit einer sehr wichtigen Szene, in der Harry seinen Freund Sirius Black sterben sieht. Gary fragte, ob es okay wäre, wenn er mir körperlich entgegen kommt. Ich dachte, er würde mich umarmen, aber stattdessen schüttelte er mich 30 Sekunden lang. Dann liefen die Kameras, und ich begann zu weinen. Seitdem wollen mich alle immer gleich schütteln, wenn ich eine Szene nicht beim ersten Anlauf perfekt hinkriege.

SKIP: Seit deinem zehnten Lebensjahr bist du Harry Potter. Klingt nach verlorener Kindheit ...

Daniel Radcliffe: Das stimmt nicht. Ich hatte eine gesunde, glückliche Kindheit. Es gibt doch keinen vorgegebenen Standard, an dem sich eine normale Kindheit messen lässt. Ich habe nichts versäumt. Natür-lich musste ich schneller erwachsen werden als andere Kinder.

SKIP: Noch zwei Potter-Filme, dann ist Schluss mit Hokuspokus. Bist du über das absehbare Ende traurig?

Daniel Radcliffe: Der letzte Potter-Film wird 2010 in die Kinos kommen, dann werde ich 10 Jahre lang im Hogwarts-Universum gearbeitet haben. Natürlich ist es traurig, aber es ist auch eine schöne Erinnerung.

SKIP: Joanne K. Rowling hat für den abschließenden Band einen prominenten Toten versprochen. Ob das Harry Potter sein wird? Was denkst du?

Daniel Radcliffe: Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich nicht die geringste Ahnung. Die Geheimniskrämerei ist perfekt, mir sagen die schon gar nichts. Aber bei uns in England kann man in den Wettbüros ganz gute Quoten kriegen, wenn man auf den Tod von Harry Potter setzt. Ich persönlich habe nichts dagegen. Wäre doch großartig, wenn am Ende von Harry Potter ein bedeutender und heroischer Tod stehen könnte.

Interview: Juni 2007

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