Alles Fassade

Interview mit Jamie Bell zu Hallam Foe - This is My Story

Dachhase statt Ballettratte. Billy Elliot ist erwachsen geworden: In Hallam Foe – This Is My Story glänzt Jamie Bell als fast schwindelfreier Häuserkletterer mit tieferer Stimme, markanteren Zügen, ungebrochenem Charisma und viel Sexappeal.

SKIP: Jamie, seit du als tanzender Billy Elliot die Massen verzaubert hast, ist viel passiert in deinem Leben …

Jamie Bell: Das kann man wohl sagen. Ich war ja noch ein Kind damals, alles war neu, ich hatte von nichts eine Ahnung und bin da irgendwie reingerutscht. Mittlerweile habe ich meinen Platz als Schauspieler gefunden – zumindest weiß ich, was ich will. Ich suche meine Rollen und die Leute, mit denen ich arbeite, bewusst aus. King Kong drehte ich mit Peter Jackson, das war natürlich großartig. Ich spielte in Flags of Our Fathers für Clint Eastwood , ein wahrge­wordener Traum. Und jetzt mit David Mackenzie. Es war wundervoll, weil er mir sehr viel kreative Freiheit gelassen hat.

SKIP: In Hallam Foe – This Is My Story verbringst du viel Zeit über der Stadt, kletterst Mauern und Häuserfassaden hoch und hüpfst auf den Dächern herum … wo hast du das gelernt?

Jamie Bell: Ich würde jetzt gerne sagen „Na, von meinen Freunden, auf der Straße“, weil das so richtig cool klingt (lacht) – aber wir haben das meiste im Studio gemacht, und ich hatte einen sehr kompetenten Berater – so einen Typen, der jahrelang allein in der Wildnis in einem Baumhaus gelebt hat, und klettern kann wie eine Katze. Darüber hinaus waren die Szenen, die im Film wirklich waghalsig aussehen, in Wirklichkeit alle nicht so gefährlich.

SKIP: Du hast also nicht etwa Höhenangst?

Jamie Bell: Doch, schon … aber ich hab mich nicht getraut, das zu sagen, weil ich befürchtet habe, Regisseur David Mackenzie würde es sich dann nochmal überlegen und jemand anderen für die Rolle engagieren (grinst). Und es war dann gar nicht so schlimm, mir wurde nur hin und wieder ein bisschen schwindlig, wenn ich an ­einer Dachkante stand und hinunterschaute.

SKIP: In Hallam Foe – This Is My Story sieht man dich in unerwartet direkten Sex-Szenen. Wie ging’s dir dabei, nackt zu drehen?

Jamie Bell: Ich war natürlich extrem verunsichert, es war schließlich das allererste Mal, dass ich nackt vor der Kamera stand. Ich fragte David: „Werde ich da eh so eine Art Socke tragen? Du weißt schon, so ein Ding, dass ich mir überziehen kann, um da, äh, zumindest die ärgsten Blößen zu bedecken?“ David darauf: „Hä? Was soll das sein? Nein, sowas brauchst du doch nicht, keine Angst.“ Ich fragte ihn nochmal: „Bist du sicher?“ „Jaja, keine Sorge“, und dann lachte er so seltsam. Und ich bin mir ganz, ganz sicher, dass er Sophia Myles und Claire Forlani angeschafft hat, mich bei unseren jeweiligen Liebesszene, nun, ähm, zu berühren, um zu sehen, ob das bei mir irgendeine Reaktion hervorruft (kichert) … und natürlich hat es das auch (lacht) … das war wirklich unangenehm. Und dann, bei der Liebesszene im Baumhaus mit Claire Forlani, die ja meine Stiefmutter spielt, da war es saukalt … und ich hatte genau das gegenteilige Problem (lacht). Seither sehe ich Sexszenen in Filmen mit ganz anderen Augen. Auf der Leinwand sieht das so heiß aus, in Wirklichkeit ist es nur sehr seltsam, man achtet die ganze Zeit nur darauf, den anderen nicht an falschen Stellen zu berühren (lacht)! Aber Liebesszenen sind nun Mal ein wesentlicher Teil von vielen Kinofilmen, ich wusste, dass das früher oder später einmal kommen würde – und ich bin froh und dankbar, dass ich mein erstes Mal nun mit David Mackenzie erleben durfte. Hm, das klingt jetzt wohl etwas eigenartig (grinst).

Interview: Kurt Zechner / Februar 2007

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