Leos Showdown

Interview mit Leonardo DiCaprio zu 11th Hour - 5 vor 12

„Ich behaupte nicht, dass wir uns Sorgen machen sollen – sondern, dass wir vor lauter Panik total ausflippen müssten!“ Leonardo DiCaprio präsentierte seine engagierte Doku 11th Hour – 5 vor 12 gleich vor großem Publikum: bei den Filmfestspielen in Cannes.

SKIP: Vor ziemlich genau einem Jahr hat Al Gore seine mittlerweile Oscar-gekrönte Doku Eine unbequeme Wahrheit ebenfalls hier in Cannes präsentiert. Ihr Film ist eine noch viel schärfere Warnung, endlich etwas gegen den drohenden völligen Zusammenbruch zu tun – ist in diesem Jahr alles so viel schlimmer geworden?

Leonardo DiCaprio: Was Al Gore mit seinem Film geschafft hat, war, endlich wieder die Diskussion um den Umweltschutz anzufachen. Er hat eins der größten Probleme der heutigen Zeit in ein filmisches Format gebracht, das viele Leute verstehen und auch gefühlsmäßig nachvollziehen können – und das ist ein enormer Verdienst. Wir sind einfach ein Stück weitergegangen, und haben auf Film gebannt, was einige der klügsten Köpfe dieser Welt zu sagen haben. Und das ist nun mal sehr sehr dramatisch.

SKIP: Was war Ihre persönliche Motivation für 11th Hour – 5 vor 12?

Leonardo DiCaprio: Meine Rolle bei dem ganzen war die des interessierten und betroffenen Bürgers. Ich bin kein Experte, ich höre nur zu, was da so geredet wird. Normalerweise läuft diese Diskussion ja so ab – und das ist ziemlich frustrierend, finde ich – dass einander zwei Wissenschaftler gegenübertreten. Einer davon vertritt die gleiche Meinung wie 99% seiner Kollegen, nämlich, dass wir ganz nahe am Abgrund stehen. Und der andere spielt sich als „Querdenker” auf und behauptet, es sei alles nicht so schlimm. Und in der Öffentlichkeit sieht es dann so aus, als wären diese beiden Meinungen gleichwertig – was schlicht und einfach nicht stimmt. Ich wollte mit meinem Film Menschen, die sich wirklich auskennen, die ihr ganzes Leben dieser Sache widmen, eine Plattform geben, zu erklären, wie es wirklich um unseren Planeten bestellt ist.

SKIP: Nämlich nicht gerade gut, Ihrem Film nach zu schließen …

Leonardo DiCaprio: Als wir zu drehen begonnen haben, war es gar nicht unsere Absicht, die Alarmglocken so dermaßen laut läuten zu lassen. Aber es gibt diesen alten Spruch: „Bei einem Spielfilm ist der Regisseur Gott, bei einer Doku ist Gott der Regisseur.“ Ich hätte nie gedacht, dass 11th Hour – 5 vor 12 ein Weltuntergangsfilm wird – erst die Experten, mit denen wir gesprochen haben, haben uns davon überzeugt, dass die Menschheit tatsächlich vor der Ausrottung steht, wenn nicht bald etwas geschieht. Das ist nicht die Meinung einiger weniger unverbesserlicher Pessimisten – das ist eine wisschenschaftliche Tatsache, und jeder, der das bestreitet, ist entweder dumm oder ein Lügner.

SKIP: War es schwierig, diesen unbequemen Film überhaupt machen zu können?

Leonardo DiCaprio: Wir hätten ihn sicher nicht mit einem der großen Studios machen können, das ist klar. 11th Hour – 5 vor 12 ist ein komplett „hausgemachter“ Film – privat finanziert, selbst produziert und ohne irgendwelche Drehpläne oder Vorgaben von Seiten eines TV-Senders oder Filmstudios oder sonst ­wem. Die Einzigen, die hier etwas zu sagen hatten, waren die Experten.

Interview: Kurt Zechner / Mai 2007

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