Schleyerhaft

Interview mit Erich Schleyer zu Rumpelstilzchen

Andere machen sich wichtig, Erich Schleyer macht sich lieber unverzichtbar. Seit Jahrzehnten ist der geborene Dresdner in Österreich einer der ganz großen Stars – ohne grelle Schlagzeilen, dafür mit viel Publikum.

SKIP: Als ich gehört habe, dass Sie in Rumpelstilzchen eine Hauptrolle spielen, war ich eigentlich sicher, Sie als Rumpelstilzchen zu sehen …

Erich Schleyer: (lacht) Nein, die Katharina Thalbach kann das doch viel besser. Ich darf dafür diesmal den Bösen spielen – den Minister von Schlotter. Die Figur kommt im ursprünglichen Märchen nicht vor, da ist es ja der König selber, der die arme Müllerstochter in den Turm sperrt. Das wollten wir aber nicht so erzählen, die Moral stimmt heute einfach nicht mehr. Sonst allerdings haben wir nichts modernisiert oder ironisiert oder ­so – sonst hätte ich auch nicht mitgemacht.

SKIP: Sie machen Theater, Fernsehen und Kino – wie unterschiedlich sind diese einzelnen Medien für Sie?

Erich Schleyer: Man muss sich halt auf jedes einstellen, und den unterschiedlichen Maßstab beachten. Auf der Kinoleinwand in der Totale reicht eine ganz kleine Geste, in einem kleineren Theater wie der Josefstadt muss man schon weiter ausholen – und im Burg­theater, da muss man ganz groooß spielen, damit es die Leute in den hinteren Reihen noch mitkriegen. Ich habe einmal Dustin Hoffmann in London im Theater gesehen, als King Lear. Der ist ja an sich ein toller Schauspieler, aber das war einfach furchtbar. Der hat so genuschelt, dass man kein Wort verstanden hat.

SKIP: Sie haben immer schon viel mit Kindern gearbeitet …

Erich Schleyer: Ja, Kinder mögen mich. Das ist eine Gabe, für die ich unendlich dankbar bin. Kinder haben auch eine viel direktere Art, einem mitzuteilen, wenn ihnen was nicht gefällt. Wenn sie sich langweilen, dann sagen sie gleich mal: „Du bist ja blöd!“ (lacht).

SKIP: Sie sind nicht nur – neben Heinz „Enrico“ Zuber – eine der Kinderprogramm-Legenden des ORF …

Erich Schleyer: … Haha, ja, wir waren immer ein bisschen Antipoden, der Enrico und ich. Meine Sendungen Hallo, ich bin der Erich und dann Erichs Chaos waren eher für die wilden, unangepassten Kinder, während der Heinz immer ein bisschen auf „wohl­temperiertes Klavier“ gemacht hat (lacht).

SKIP: … sondern haben mit Ihrem Auftritt als Frank-N-Furter in der Rocky Horror Picture Show auch den Wiener Musical-Boom mit ausgelöst.

Erich Schleyer: 1984 war das … und das war ja nicht nur ich allein, sondern das ganze Ensemble war großartig. Ohne Alexander Goebel als Riff Raff etwa wäre das nie etwas geworden. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr ich mich vor dieser Rolle gefürchtet habe (lacht). Dadurch, dass ich in der DDR aufgewachsen bin, konnte ich ja fast kein Englisch, und Rock ’n’ Roll gesungen hatte ich auch noch nie zuvor – das Einzige, was ich konnte, war mich bewegen. Es ist lustig, wieviele Leute sich noch daran erinnern können … ich hab mich bei dem Song Don’t Dream It, Be It immer ins Publikum fallen lassen und dann wild herum­geküsst, dass es eine Freude war (kichert). Und es passiert mir ständig, dass irgendwelche Leute zu mir sagen: „Hey, du hast mich damals auch geküsst.“

Interview: Gini Brenner / Oktober 2007

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