Einsame Spitze

Interview mit Will Smith zu I Am Legend

Die Welt gerettet hat er ja schon einige Male: Will Smith, mächtigster Schauspieler Hollywoods und letzter Mensch auf Erden, hat trotzdem Zeit für eine Plauderei – über Tennisbälle, zornige New Yorker und das Smith’sche Familien-Business.

SKIP: Sie haben sich lange um dieses Projekt bemüht, obwohl es Ihnen an Angeboten sicher nicht mangelt. Warum lag Ihnen I Am Legend derart am Herzen?

Will Smith: Ich hab mich in das Script schon vor zehn Jahren verliebt, weil es so mutig ist – fast schon unverschämt. Es geht um den letzten Mann auf Erden! Allein die Kühnheit, einen Schauspieler einen Film dieser Größe fast ganz alleine machen zu lassen, ist eine aufregende Idee – und je schwieriger etwas ist, desto mehr reizt es mich. Ich musste einfach beweisen, dass ich das kann, auch wenn es mir keiner zutraut.

SKIP: Erkennen Sie sich in der Figur wieder?

Will Smith: In vielen Wesenszügen ist er sogar das genaue Gegenteil von mir selbst. Ich fühle mich kaum einmal allein, ich bin es auch fast nie. Ich bin mit ungefähr drei Dutzend Schwestern aufgewachsen (Anm.: In Wirklichkeit sind es natürlich nur drei), habe mein Leben lang nicht allein in einem Raum geschlafen, also ist Einsamkeit etwas Faszinierendes für mich.

SKIP: Wie bereiten Sie sich auf eine Rolle vor, in der Sie praktisch die ganze Zeit alleine spielen?

Will Smith: Zum Glück habe ich schon eine Menge Special-Effects-Erfahrung – also bin ich schon ganz gut damit vertraut, mit einem grünen Tennisball zu streiten, aus dem dann erst nachher ein Monster gemacht wird. Doch diesmal ging’s noch einen Schritt weiter, weil ich wirklich alleine war.

SKIP: Ist der Film Science Fiction oder realistischer Zukunfts-Thriller?

Will Smith: Ich versuche, Filme zu machen, die in keine Genre-Schublade passen. Science-Fiction-Fans werden den Film wegen der Sci-Fi-Elemente toll finden, und Drama-Fans werden die Beschreibung eines postapokalyptischen Traumas schätzen.

SKIP: Machen Sie gern Science Fiction?

Will Smith: Ich hab das immer geliebt. Dieser Film ist eine Rückkehr in die Tage vor den großen Special Effects, wo es noch vor allem um die Story ging, wo das Drama von einer irgendwie neuartigen Idee ausgelöst wurde. Die Figur und die Story sind das Wichtigste – die Spezialeffekte sind dann der Bonus, die knallen immer dann rein, wenn man sie am wenigsten erwartet.

SKIP: Wie war es, in einem verlassenen New York zu drehen?

Will Smith: Die New Yorker mögen es nicht besonders, wenn man die Fifth Avenue am Montagmorgen verlassen aussehen lassen will (lacht). Es war neun Uhr früh, und wir haben sechs Blocks auf der Fifth Avenue abgesperrt. Die Leute haben uns dafür gehasst! Aber es schaut großartig aus. Das ist richtig gruselig, weil einem klar wird, das New York niemals leer ist, nie! Man merkt, dass wirklich irgendetwas ganz Furchtbares passiert sein muss.

SKIP: War die Rolle auch körperlich anstrengend?

Will Smith: Ich hatte schon Schlimmeres überstanden. Es gibt ja praktisch keinen tatsächlichen Kampf mit Körperkontakt zwischen mir und den Zombies. Das meiste geschieht aus der Distanz – und weil sie so schnell und stark sind, kann man sie sowieso nicht richtig bekämpfen. Es geht also hauptsächlich ums Rennen und Schießen.

SKIP: In Ihrem letzten Film spielte Ihr Sohn Jaden eine große Rolle, diesmal gibt Ihre Tochter Willow an Ihrer Seite ihr Leinwand-Debüt …

Will Smith: Naja, nach Jadens Auftritt in Das Streben nach Glück war Willow total eifersüchtig (lacht). Also war ich froh, dass es in ­I Am Legend einige Szenen gab, in denen die Tochter meiner Filmfigur zu sehen ist – so konnte ich diesmal Willow einsetzen (grinst).

SKIP: Ermutigen Sie Ihre Kinder dazu, eine Showbiz-Karriere anzustreben?

Will Smith: Es ergibt sich ganz von selber (lacht). Das ist eben unser Familienbusiness. Ich habe einen Neffen, der gerade seine erste Single rausbringt. Das ist ganz normal bei uns.

SKIP: Machen Sie sich gar keine Sorgen, dass Ihre Kids in die klassische Hollywood-Kinderstar-Schiene geraten und zu schnell verheizt werden könnten?

Will Smith: Nein. Wenn man so eine Falle erkennt, kann man sie ja vermeiden. Das gilt überhaupt für so viele Dinge in Hollywood – hier läuft derart viel nach immer den gleichen Mustern ab, dass man sich echt wundert, wieviele Menschen da immer noch überrascht tun. Als ich zum Beispiel nach L.A. kam, vor vielen Jahren, sagte ich: „Ich will der größte Schauspieler Hollywoods werden!“ Dann hab ich mir die Top Ten mit den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten angeschaut. Davon waren ungefähr neun Stück Special-Effects- oder Animationsfilme. Und ungefähr acht von denen waren Special-Effects- oder Animationsfilme mit irgendwelchen Monstern und einer Love Story. Also habe ich ein wenig gesucht – und Independence Day gedreht (grinst). Wenn man mal herausbekommen hat, wie’s läuft, dann braucht man sich nur noch an der richtigen Stelle postieren und warten, bis das Glück vorbeikommt.

Interview: November 2007

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