Sägenhaft

Interview mit Tobin Bell zu Saw IV

Mit seiner Rolle als Jigsaw-Killer in der Saw-Serie hat sich Tobin Bell einen blutigen Fixplatz im Olymp des Grauens ausgesägt. Dabei ist der 65-Jährige mit der markanten Stimme privat ein ausgesprochen netter Zeitgenosse, wie Kurt Zechner im Exklusiv-Interview feststellte.

SKIP: Viele Fans bezeichnen den Jigsaw-Killer als legi­timen Nachfolger von Horrorhelden wie Freddie Krueger oder Jason Vorhees. Macht das Sinn für Sie?

Tobin Bell: Das kann ich nicht wirklich beantworten, weil ich keinen einzigen der Freitag der 13.- oder Nightmare on Elm Street-Filme jemals gesehen habe (lacht). Ich habe überhaupt keinen Bezug zu Horrorfilmen. Ich werde oft gefragt „Wie fühlt man sich als Horror-Ikone?“ Ich kann nur sagen: Keine Ahnung. Ich gehe ans Set und versuche, mein Bestes als Schauspieler zu geben. Das ganze Drumherum interessiert mich nicht. Alles, was ich will, ist, dieser Figur Intelligenz und Tiefe zu verleihen – und genug Geld zu verdienen, um mein Auto zu bezahlen (lacht).

SKIP: Welche Filme mögen Sie denn gerne?

Tobin Bell: Das klingt jetzt vielleicht komisch … ich liebe Kostümfilme (lacht). Und ich mag gut gemachte Komödien sehr gerne. Ich steh total auf Jim Carrey oder Adam Sandler. Ich hab in meiner Karriere schon in vier oder fünf Western mitgespielt – eine gute Komödie würde mich jetzt auch mal interessieren (lacht).

SKIP: Als Sie die Rolle des Jigsaw-Killers erstmals angeboten bekommen haben, was haben Sie davon gehalten?

Tobin Bell: Ich fand das Drehbuch sehr außergewöhnlich. Dann traf ich mich mit dem Regisseur, fand auch ihn interessant, und dachte: „Ach, wieso nicht.“ Eine gute Entscheidung, wie sich heute zeigt (lacht).

SKIP: Viele Schauspieler sagen ja, dass die Bösewicht-Rollen die interessantesten sind. Finden Sie das auch?

Tobin Bell: Hm ... ehrlich gesagt halte ich John Harris gar nicht für einen wirklichen Bösewicht. Er ist nur ein Kerl, der total besessen ist von dem, was er tut. Er hat seine „Aufgabe“, und die will er erfüllen, koste es, was es wolle. Das klingt vielleicht etwas irre, ist aber wichtig für mich als Schauspieler, weil er selber sich ja auch nicht als Superschurke sieht. Er ist sich zwar durchaus bewusst, dass er den Menschen Leid zufügt, aber er hält seine Aktionen für völlig gerechtfertigt.

SKIP: Haben Sie eigentlich nie Angst, dass Sie nun für immer auf die Rolle des Bösen festgelegt sind?

Tobin Bell: Nein, gar nicht. Ich spiele die Rolle gern, weil ich sie interessant finde. Und es ist ein großes Glück, eine Figur zu spielen, die eine solche Breitenwirkung hat wie John Harris. Das ist wie in der Musik: Wenn man es schafft, ein Rockstar zu werden, dann hat es wenig Sinn, wenn man sich plötzlich einbildet, dass man viel lieber Jazzlegende geworden wäre (lacht).

SKIP: Bei uns kennt man Sie hauptsächlich als Killer, der ständig neue Foltermaschinen bastelt. Wie sieht eigentlich Ihr Alltag aus? Was tun Sie, wenn Sie nicht am Set stehen?

Tobin Bell: Ich coache eine Baseball-Kindermannschaft und betreue einige städtische Jugendprogramme. Das macht mir großen Spaß.

SKIP: Was sagen die Kids dazu, dass Sie vom Jigsaw-Killer trainiert werden?

Tobin Bell: (lacht) Sie dürfen sie sich die Filme ja noch nicht anschauen, sie sind zu jung dazu. Sie kennen die Figur natürlich trotzdem, und manchmal fragen sie mich: „Bitte, mach die Saw-Stimme! Mach die Saw-Stimme!“ Und dann lasse ich sie noch ein paar Zusatzrunden laufen, und zur Belohnung rede ich dann einige Sätze wie Jigsaw (lacht).

Interview: Kurt Zechner / Januar 2008

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Um Kommentare verfassen zu können, musst du eingeloggt sein.

Falls du bereits registrierter SKIP User bist, gehe zum , solltest du noch kein Benutzerprofil haben, kannst du dich hier registrieren.