Große Töne

Interview mit Harald Kloser zu 10.000 BC

Der Vorarlberger Harald Kloser gehört als Filmkomponist zu den erfolgreichsten Hollywood-Österreichern. Mit 10.000 BC gibt er sein Debüt als Blockbuster-Script-Autor und -Produzent. SKIP erwischte ihn am Handy in Phuket, Thailand.

SKIP: Wie lange kennen Sie Roland Emmerich schon?

Harald Kloser: Wir sind schon ewig befreundet, zuletzt habe ich The Day After Tomorrow für ihn vertont.

SKIP: Wollten Sie immer schon produzieren und Drehbuch schreiben, oder hat sich das erst durch die Zusammenarbeit mit Emmerich ergeben?

Harald Kloser: Ich habe neben meiner Arbeit als Komponist eigentlich immer geschrieben, ich habe es einfach nur nie hergezeigt (lacht). Aber Roland hat einiges von mir gelesen und mich schließlich eingeladen, mit ihm 10.000 BC zu schreiben. Gleich mit dem ersten größeren Drehbuch bei einer Millionen-Dollar-Produktion zu landen, ist natürlich ein Traum.

SKIP: Wie kam’s zu der Idee, warum die Steinzeit?

Harald Kloser: Roland fand den Titel 10.000 BC so klasse. Und diese Zeit war für uns ein idealer Ausgangspunkt: Man weiß so wenig darüber, dass wir mehr oder weniger machen konnten, was wir wollten. Natürlich lassen wir durch unser Szenario keine Autos fahren (lacht). Aber wir haben uns ansonsten alle Freiheiten herausgenommen und gespielt mit großen Ideen, großen Bildern und großen Tönen. Wir wollten große Töne spucken (lacht).

SKIP: Der Dreh war ja nicht gerade ein Spaziergang. Sind Sie beide nach dieser sicherlich intensiven Erfahrung noch befreundet?

Harald Kloser: (lacht) Klar, wir sind nicht nur immer noch Freunde, sondern er ist sogar gerade hier mit mir in Phuket und wartet vor der Tür darauf, endlich mit mir Abendessen gehen zu können (lacht). Wir schreiben gerade ein neues Drehbuch, darüber darf ich natürlich noch nichts verraten. Aber es spielt jedenfalls nicht in der Vergangenheit. Im Moment ist in Hollywood zwar Drehbuchautorenstreik, aber da wir beide für unsere Arbeit ja nicht bezahlt werden im Moment, ist das auch erlaubt von der Gewerkschaft. Also kein Streikbruch (lacht).

SKIP: Was hat Sie eigentlich ursprünglich nach Hollywood gebracht?

Harald Kloser: Nun, ich bin im wunderschönen Dorf Hard am Bodensee geboren, war irgendwann mal Musiklehrer in Hohenems, dann hauptberuflich Musiker, in den ersten Jahren zunächst aber im Pop- und Rockbereich. Ich hab mit Falco viel gearbeitet, auch mit  Al Jarreau, Tom Waits, Elton John. Durch Robert Dornhelm kam ich dann zum ersten Mal mit Film in Berührung und zum ersten Mal nach L. A. … Und dort hab ich dann relativ schnell Fuß gefasst und begonnen, die ersten TV-Filme zu vertonen.

SKIP: Sie haben Falco erwähnt – Sie haben mit ihm in den 90ern produziert. Jetzt startet ein Film über sein Leben. Was sagen Sie dazu?

Harald Kloser: Also eines weiß ich ganz bestimmt: Wenn der Hansi aus dem Himmel runterschauen kann und sieht, dass sein Leben jetzt als Film erscheint, dann macht er da oben eine Flasche Champagner auf. Das würde ihm sehr gefallen.

Interview: Kurt Zechner / Januar 2008

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