Spiel ohne Grenzen

Interview mit Roland Emmerich zu 10.000 BC

Roland Emmerich gerät in seiner Filmkarriere von einer Katastrophe in die andere – und ist auch noch glücklich dabei. Kurt Zechner traf den 52-jährigen Hollywood-Starregisseur in Hamburg.

Roland Emmerich, ­geboren 1955 in Stuttgart, entdeckte früh seine Leidenschaft für perfekte Special ­Effects. Um 1990 ­wanderte er nach ­Hollywood aus – und sicherte sich mit ­Filmen wie Independence Day, Der Patriot oder The Day After ­Tomorrow hat einen Fixplatz im Regie-Olymp.

SKIP: Herr Emmerich, Sie meinten einmal, dass es bei fast jedem Ihrer Filme einmal zu dem Punkt kam, wo Sie gesagt haben: „Nie wieder tue ich mir so was an.“ Gab’s den bei 10.000 BC auch wieder?

Roland Emmerich: Oh ja – und zwar deswegen, weil ich so ein Pech mit dem Wetter hatte. Bislang hatte ich diesbezüglich immer Glück – aber jetzt! Wir kamen zum Drehen nach Neusee-land, da hieß es, zu der Zeit schneit es da nie, und zwei Tage später lag ein Meter Schnee. Eine Katastrophe. Aber wir haben’s dann doch geschafft. Haben alles umgeschrieben auf Schnee ... und jetzt sieht’s auch super aus, aber es war sehr hart!

SKIP: Was hat Sie am Thema Mittelsteinzeit so fasziniert?

Roland Emmerich: Es gibt ja aus dieser Zeit überhaupt keine geschriebene Geschichte, also ist so gut wie alles, was man von damals weiß, letztlich Spekulation. Unsere Story hat ja sowieso keinerlei historische Ansprüche, wir wollten ja keine Dokumentation drehen – es war also tatsächlich in jeder Hinsicht ein Spiel ohne Grenzen (lacht).

SKIP: Sie wagen sich gerne an große, ungewöhnliche Themen und machen spektakuläre Eventmovies daraus …

Roland Emmerich: Ja, das ist genau mein Ding. Ich habe überhaupt keine Lust, die fünfzehnte Comic-Book-Verfilmung abzuspulen. Ich will was Eigenes machen, was sonst keiner bringt. In 10.000 BC zum Beispiel gibt’s außer den Säbelzahntigern und Mammuts noch einen ganzen Haufen prähistorischer Kreaturen, ganz schreckliche, die man so bisher noch nie auf der Leinwand gesehen hat.

SKIP: Mittlerweile sind Sie in Hollywood einer der großen Player – können Sie sich noch erinnern, wie es war, als Sie dort erst versuchten, Fuß zu fassen?

Roland Emmerich: Klar (lacht). Ich bin dort gleich bei einem Film gelandet, der von Joel Silver produziert wurde, und der Star war Sylvester Stallone. Neun Monate lang habe ich durchgehalten, bis es mir zu blöd wurde. Ich hab’ gesagt: „Wenn ihr mich als Regisseur wollt, dann habe ich das letzte Wort – und nicht Joel Silver oder Sylvester Stallone!“ Was soll ich sagen – ich habe den Film nicht zu Ende gedreht.

SKIP: Welche Tipps würden Sie jemandem mitgeben, der es auch wie Sie in Hollywood schaffen will?

Roland Emmerich: Ich sage jedem: Probier’s, aber bleib dir selbst treu. Verkaufe niemals deine Seele, das geht nicht gut. Und wenn’s nicht klappt, dann klappt’s eben nicht.

Interview: Kurt Zechner / November 2007

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