Sexy Bastard

Interview mit Hugh Grant zu Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück

Peter Krobath traf Hugh Grant zum Exklusiv-Interview in Los Angeles. Seitdem weiß er, warum sexy Frauen saufen und echte Männer wie Mädchen raufen.

SKIP:Was kann ein Mann aus einem Film wie Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück lernen?

Hugh Grant: Viel. So erfährt man hier von den Problemen, die Frauen mit ihrer Unterwäsche haben. Denn immer wenn es endlich mit dem richtigen Mann zur Sache geht, haben sie ganz sicher nicht den sexy Slip an, stattdessen ein schreckliches, riesiges dafür aber figurbetonendes Teil. Das habe ich vorher nicht gewusst.

SKIP: Im Film sagst du in deiner Eigenschaft als sexy Bastard mitten in so einer heiklen Situation, dass Bridgets Schlüpfer dich an deine Mutter erinnert. Stimmt es, dass diese Textzeile von dir stammt?

Hugh Grant: Aber ja. Hier habe ich überhaupt mehr improvisiert als gewöhnlich. Richard Curtis beschreibt meine Figur als unartig - und was unartig betrifft, da kenne ich mich ganz gut aus. Außerdem: Ich liebe diese riesigen Unterhosen wirklich, aber alle Frauen, die ich kenne, haben immer nur so öde String-Tangas an. Schade.

SKIP: Beschreibe dein ideales Frauenbild ...

Hugh Grant: Ich stehe auf Frauen, die rauchen und trinken und auch sonst nicht die Bravsten sind. Diesen - wie soll ich sagen - Schlampeneffekt finde ich unglaublich sexy.

SKIP: Aber in der Öffentlichkeit sieht man dich nie mit solchen Damen.

Hugh Grant: Ich habe eben gelernt, euch Journalisten aus dem Weg zu gehen. Aber mein Freundeskreis in London ist voll von solchen Mädchen. Was ist schlecht an einer Frau, die ihren Chardonnay liebt? Müssen doch nicht alle nur Mineralwasser trinken.

SKIP: Stimmt schon. Aber was macht umgekehrt den Bridget-Jones-Typ für dich so attraktiv?

Hugh Grant: Das mag jetzt blöd klingen, aber ich mag Frauen, die auf eine nette Art hoffnungsvoll verzweifelt sind, weil sie glauben, dass sie ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, obwohl im Grunde eh alles in Ordnung ist. Erstens finde ich so einen Zustand liebenswert und zweitens ziemlich sexy. Weiß auch nicht warum. Ich liebe Kellnerinnen in lausigen Pubs, diese leicht verschmuddelten Frauen, die vorne immer einen kleinen Essensrest auf der Bluse haben, die machen mich echt an.

SKIP: Auf einer Partyszene im Film triffst du Salman Rushdie. Wie war er?

Hugh Grant: Sehr nett. Aber er hat sich fürchterlich gelangweilt, weil ihm vorher natürlich keiner gesagt hat, dass Dreharbeiten in der Regel fürchterlich langweilig sind. Deshalb habe ich ihm ein Spiel gezeigt, dass ich für solche Situationen entwickelt habe. Es heißt: "Such dir die Statistin aus, mit der du am liebsten Sex haben würdest." Salman hat das Spiel geliebt. Er kam dauernd an und sagte: "Hugh, ich habe es mir anders überlegt. Kann ich meine Favoritin doch noch einmal ändern?"

SKIP: Übrigens: Meine aufrichtige Gratulation zum Boxkampf mit Colin Firth. Dieser Fight wird wohl Filmgeschichte schreiben.

Hugh Grant: Danke für das Kompliment. Ich habe immer schon davon geträumt, den Stunt-Choreografen vom Set zu verbannen. Hier ist mir das endlich gelungen. Ehrlich, wenn du diese Profi-Schläger an eine Szene lässt, schaut jede Rauferei gleich aus, mehr oder weniger Jean-Claude van Damme, mit dem wirklich Leben hat das nichts zu tun. Ich aber wollte, dass wir uns so prügeln, wie sich zwei vierzigjährige, gutbürgerliche Engländer eben prügeln würden: gemein, aber gleichzeitig auch ziemlich feige. Viel Gezeter, viele Untergriffe. Wir raufen wie die Mädchen. Aber die meisten Typen, die ich kenne, raufen wie die Mädchen. Das ist nun mal so.

SKIP: Habt ihr die Szene wirklich ganz ohne Stuntdoubles gedreht?

Hugh Grant: Du darfst nicht vergessen, dass Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück eine eher preiswerte Produktion war, noch dazu haben wir in England gedreht. Das heißt, es gab zwar Stuntdoubles, aber die waren viel zu dick, trugen schäbige Perücken und sahen irgendwie wie Pädophile aus. Die ließen wir nur auf den Set, als wer durch die Schaufensterscheibe fallen musste. Den Rest der Rauferei haben Colin und ich unter uns ausgetragen.

Interview: März 2001

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