Dr. Love

Interview mit Patrick Dempsey zu Verliebt in die Braut

Schwärmen bis der Arzt kommt. Keine Frage, Grey's Anatomy-Doktor Patrick Dempsey ist der Mann der Stunde, wenn’s um Kino-Herzklopfen geht. In Verliebt in die Braut spielt er hinreissend den verknallten Junggesellen – in Wirklichkeit ist er glücklich verheiratet, aber kein bisschen weniger charmant.

SKIP: In Verliebt in die Braut werden Sie von Ihrer großen Liebe als Trauzeuge engagiert, und müssen als solcher ein tagelanges Heiratsvorbereitungs-Programm absolvieren. Haben Sie mit Ihrer Frau (Dempsey ist seit 1999 mit der Visagistin Jill Fink verheiratet, Anm.) auch so eine Riesenhochzeit gefeiert?

Patrick Dempsey: Das ganze klassische Zeremoniell meinen Sie (lacht)? Nein, absolut nicht, ich finde das ehrlich gesagt ziemlich schräg. Wir wollten keine große Hochzeit, nur was ganz Simples. Wir sind zu meiner Farm in Maine gefahren und haben quasi im Wald dort geheiratet, neben den Apfelbäumen.

SKIP: Ihre Filmfigur hat sich für ihr Single-Leben ganz strenge Regeln aufgestellt. Gibt es sowas für Sie als verheirateter Mann eigentlich auch?

Patrick Dempsey: Ja klar, als Ehemann hat man sogar noch viel mehr Regeln! Allerdings stellt man sich die nicht zwangsläufig selber auf (lacht). Die klare Nummer 1: Deine Frau hat immer recht. Regel Nummer 2: Höre immer auf deine Frau (lacht). Nummer 3: Nie die Kommunikation abreißen lassen, auch wenn’s mühsam ist. Besser, etwas ausreden, als es hinunterschlucken, Schweigen ist der erste Schritt in die innere Einsamkeit. Daraus folgt auch Nummer 4: Unbedingte Ehrlichkeit gegenüber dem Partner. Und Nummer 5, auch ganz klar: Eine regelmäßige Date-Night, auch wenn man schon lange zusammen ist.

SKIP: Was ist das Romantischste, was Sie je für Ihre Frau getan haben?

Patrick Dempsey: Ich hab sie geheiratet, geht’s noch romantischer? (lacht) Bei den kleinen Dingen, die sie gern hat, bin ich ganz gut. Das ­müssen nicht unbedingt Blumen sein. Aber ich bringe ihr hin und wieder eine Jacke mit, die ihr vielleicht in einer Auslage gefallen hat, oder Schuhe.

SKIP: Also haben Sie selber mit dem Hallodri in Verliebt in die Braut wenig gemeinsam – hatten Sie Vorbilder für die Figur?

Patrick Dempsey: Ja, ich habe ein paar Bekannte, die sich so benehmen wie er. Ich kann manchmal gar nicht fassen, womit die davonkommen (lacht). Ich frage mich dann immer: Wie kann man sich da noch in den Spiegel schauen, wenn man solche Nummern mit anderen Menschen abzieht? (lacht) Ich käme da nie durch.

SKIP: Haben Sie für junge, vielleicht noch unerfahrene Frauen einen Tipp, wie man solche windigen Typen früh genug erkennt, bevor sie einem das Herz brechen können?

Patrick Dempsey: Ich glaube, man sollte sich einfach an die halten, die ehrlich zu einem sind. Und man sollte Männer nie zu sehr unter Druck setzen. Das ist der Schlüssel. Und noch etwas, ganz wichtig: Dein Partner sollte auch dein bester Freund sein. Zuerst kommt Freundschaft, dann Liebe. Körperliche Anziehung kann ja maximal etwas ins Rollen bringen, aber wenn man sich darüber hinaus nicht viel zu sagen hat, kann ja nur Mist dabei rauskommen. Vor allem Frauen neigen nach wie vor sehr stark zum bekannten Phänomen: Die Männer, mit denen sie sich richtig gut verstehen, degradieren sie selbst zu teddybärartigen „besten Freunden“. Alles andere aber wollen sie, fast wie blind vom Unheil gesteuert, dann nur mit Männern erleben, die einfach mies zu ihnen sind und sich einen Dreck um sie scheren. Dass das nicht nur idiotisch ist, sondern auch gar nicht gutgehen kann, sollte einem eigentlich die Intelligenz sagen.

SKIP: Sie gelten als männliches Sexsymbol der Stunde, Sie glauben gar nicht, wie viele Grüße ich Ihnen von Frauen ausrichten soll, denen ich erzählt habe, dass ich Sie treffe – woher kommt das? Warum, glauben Sie, liebt Sie jede Frau?

Patrick Dempsey: Ich habe ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung (lacht).

SKIP: Gibt’s da kein Geheimnis?

Patrick Dempsey: Wenn’s eines gibt, dann, dass ich mich nicht darum schere (lacht). Lockerheit ist immer gut, bei allem was man tut. Ich bin happy, habe eine wundervolle Familie und keinen Grund, irgendwer sein zu wollen, der ich nicht bin. Und vor allem: Ich spiele hauptsächlich Typen, auf die die Frauen viel von ihren Wünschen und Sehnsüchten projizieren können.

SKIP: Haben Sie nie Lust, einmal etwas ganz anderes zu verkörpern als den charmanten Ladies’ Man?

Patrick Dempsey: Mit solchen Dingen muss man sehr vorsichtig sein. Meine Filmkarriere ist ja noch sehr jung, da kann ich noch nicht so viele Experimente machen. Und meine beiden Liebeskomödien-Hauptrollen sind bei genauer Betrachtung ja doch auch schon verschieden: In Verwünscht habe ich einen ernsthaften Anwalt und alleinerziehenden Dad gespielt, während ich in diesem Film ein charmanter, windiger Sprücheklopfer bin. Wie die Reise von hier nun weitergeht, wird sich zeigen. Mal sehen, welche Angebote ich kriege.

SKIP: Sie hatten vor ihrem Durchbruch mit Grey’s Anatomy eine sehr lange Durstrecke als Schauspieler. Was hat Sie da bei der Stange gehalten?

Patrick Dempsey: Ganz einfach, ich konnte nicht aufhören, weil ich nichts anderes kann (lacht). Es war zeitweise natürlich sehr hart. Aber ans Aufgeben habe ich trotzdem nie gedacht.

SKIP: Und jetzt lacht Ihnen hier in Los Angeles überall Ihr Gesicht überlebensgroß von allen Plakatwänden entgegen. Fühlt sich das nicht sehr seltsam an?

Patrick Dempsey: Ja, allerdings (lacht). Das erste Mal habe ich das bemerkt, als ich gerade telefoniert habe. Plötzlich glotzt mich da mein eigenes Gesicht riesengroß an. Da bin ich ganz schön erschrocken.

SKIP: Sie sind vielbeschäftigter Schauspieler, auch Ihre Frau ist berufstätig – wie kriegen Sie das eigentlich hin mit drei Kindern?

Patrick Dempsey: Es ist viel Arbeit, für alles genug Zeit zu finden. Die letzten Jahre war’s in meiner Karriere sehr stressig. Und man versucht halt, sowohl Beziehung als auch die Kids eben so gut wie möglich da zu integrieren. Aber es gibt natürlich sehr viel Tage, wo du dich fragst: Ist es das wert gewesen, dafür Zeit mit meinen Kindern zu opfern? Aber hier habe ich mich z. B. gerade jetzt vor den Interviews mit ihnen zum Lunch getroffen, das war sehr nett.

SKIP: Was machen Sie alles zu Hause? Kochen Sie, bringen Sie sie zur Schule?

Patrick Dempsey: Wenn ich nicht arbeite, bring ich die Kleine (Tallula Fyfe, 6 Jahre, Anm.) zur Schule, die Jungs (die Zwillinge Darby Galen und Sullivan Patrick wurden im Februar ein Jahr alt, Anm.) sind ja noch zu klein. Deshalb versuchen wir auch so viel wie möglich zu Hause zu bleiben und so viel Zeit wie möglich mit ihnen dort zu verbringen. Am liebsten schauen wir ihnen einfach zu, sie sind sehr unterhaltsam, eine richtige Slapsticktruppe (lacht).

SKIP: Sie nehmen sich aber auch durchaus Zeit für Hobbies, sie sind ja auch sehr sportlich. Stimmt es, dass Sie mal Profi-Schifahrer waren?

Patrick Dempsey: Naja, nicht ganz. Ich wollte einer werden, aber übers Jugendteam hinaus habe ich es nie geschafft. Aber ich verfolge den Weltcup immer und schaue, wie sich Bode Miller schlägt.

SKIP: Sie sind ja auch leidenschaftlicher Autorennfahrer …

Patrick Dempsey: Ja, in der Tat, vor kurzem bin ich bei der Baja 1000 mitgefahren, ein Rennen, das die Baja California in Mexiko runtergeht. Da habe ich viel gesehen. Es war cool, dort rumzuflitzen. Unabhängig vom Autorennen finde ich Reisen aber sowieso total wichtig. Ich finde es toll, rauszugehen, andere Leute zu treffen und zu versuchen, ihre Kulturen zu verstehen. Ich will die Möglichkeit haben, andere Länder zu bereisen und auch dort zu arbeiten – für mich ist das auch eine wesentliche Motivation für diesen Beruf.

SKIP: Apropos andere Kulturen – in Verliebt in die Braut tragen Sie in einer sehr komischen Szene einen ziemlich kurzen schottischen Kilt. Wie fühlten Sie sich im Minirock?

Patrick Dempsey: Ehrlich gesagt machte ich mir die ganze Zeit Sorgen, ob meine Beine da wohl gut aussehen würden.

Interview: Kurt Zechner / April 2008

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