Unser Freund und Helfer

Interview mit Morgan Freeman zu Im Netz der Spinne

Klug, charismatisch, charmant und wenn es sein muss auch schlagfertig und schussfreudig. Der Polizeipsychologe Dr. Alex Cross ist die ideale Filmfigur für Morgan Freeman. Deshalb spielt er ihn auch schon zum zweiten Mal. Interview von Peter Krobath.

SKIP:Was hat Sie bewogen, nach Denn zum Küssen sind sie danoch einmal in die Figur des Polizeipsychologen Dr. Alex Cross zu schlüpfen?

Morgan Freeman: Das ist wirklich eine gute Frage. Grundsätzlich wiederhole ich mich nämlich gar nicht gern. Warum habe ich es gemacht? Erstens war da wohl die Versuchung eines echt hohen Gagenschecks. Zweitens war eine gute Story garantiert. Und drittens fand ich auch den Regisseur sehr okay. Es gab eine Menge Für und Wider ... am Ende haben die Pluspunkte eben überwogen.

SKIP: Und jetzt ist Alex Cross Ihr James Bond ...

Morgan Freeman: Ja, stimmt genau. So kann man das ausdrücken. Obwohl, ganz so viele Folgen werden es dann wohl doch nicht mehr werden. Allein schon deshalb, weil ich ja nicht mehr der Jüngste bin. Ein, zwei weitere Filme sind schon noch möglich, das will ich gar nicht ausschließen, aber das hängt ganz von den Drehbüchern ab.

SKIP: Mir ist an Im Netz der Spinne aufgefallen, dass dieser Film für einen Hollywood-Thriller seiner Preisklasse sehr behutsam mit Gewalt umgeht. War das ein bewusster Schritt in die politisch korrekte Richtung?

Morgan Freeman: Ich persönlich bin ohnehin der Meinung, dass wir all die plakative Gewalt in unseren Filmen nicht wirklich brauchen. Aber die jungen Leute mögen das ... und genau da liegt das Problem. Haben Sie schon einmal überlegt, was im Leben alles passieren muss, bis ein Auto explodiert? Ich meine, nicht zu Schrott gefahren wird, sondern buchstäblich explodiert? Das ist beinahe unmöglich. Aber im Kino fliegen einem die Dinger ständig um die Ohren. Das hat nichts mehr mit der Realität zu tun, da geht es nur noch darum, dass man möglichst viele Tickets verkaufen will, dass man versucht, mit solchen Effekts, die Kids ins Kino zu kriegen. Wenn die ein paar schöne Explosionen sehen, schauen sie sich denselben Film locker zwei, drei mal an. Und genau das wissen die Produzenten, die sind ja auch nicht blöd. Was Gewalt betrifft, hat Hollywood kein Gewissen. Warum auch? Gewalt war immer schon gut fürs Geschäft, und das wird sich wohl nie ändern. Ich habe in meinem Leben sicher schon genug Gewalt auf der Leinwand gesehen. Sie auch. Hat uns das zu Verbrechern gemacht? Eben. Deshalb halte ich auch nichts davon, dass man die Entertainment-Industrie für all die schrecklichen Zwischenfälle verantwortlich macht, die in den USA mittlerweile fast schon täglich passieren. Aber wie gesagt, persönlich bin ich kein Freund von Gewalt im Kino.

SKIP: Hat das Ihre Karriere beeinflusst?

Morgan Freeman: Wieso? Wenn ich ein Skript lese und mir gefällt die Art nicht, wie der Film mit Gewalt umgeht, muss ich den Job doch nicht machen. Ich habe Drehbücher schon für viel weniger in den Mist geworfen.

SKIP: Im Netz der Spinne wurde schon vor einem Jahr gedreht. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?

Morgan Freeman: Wirklich, ist das auch schon wieder so lange her? Mal sehen: High Crimes mit Ashley Judd wurde eben fertig. Aber sonst? Ich glaube, ich habe gar nicht so viel gemacht. Zumindest war ich viermal in Europa, um Interviews für Nurse Betty zu geben.

SKIP: Aber das ist doch auch Vergnügen ...

Morgan Freeman: Vergnügen? Das ich nicht lache. Sie haben offenbar keine Ahnung, wie auf solchen Reisen mein Terminplan aussieht. Ich komme nach Europa, die geben mir einen Tag Freizeit, um den Jetlag halbwegs aus den Augen zu kriegen, aber schon den nächsten Tag verbringe ich von früh bis spät in einem Hotelzimmer, wo ich brav und artig auf Journalistenfragen antworte. Nicht gerade meine Vorstellung von Vergnügen. Das Einzige, was in Erinnerung bleibt, sind ein paar gute Essen, die sie einem spendieren.

SKIP: Keine Einkaufstouren, keine Museumsbesuche?

Morgan Freeman: Das gibt es schon auch, aber dafür ist meine Frau zuständig. Ich muss malochen.

Interview: März 2001

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