Gimme! Gimme! Gimme!

Interview mit Pierce Brosnan zu Mamma Mia!

... a man after midnight. Bevor Pierce Brosnan wieder als Thomas Crown auf Raubzug geht, tauscht er noch James Bonds Martini gegen griechischen Metaxa und zeigt sich beim Wettsingen um Meryl Streeps Herz von seiner romantischen Seite.

SKIP: Eine Frage, die sich aufdrängt: Haben Sie bisher nur unter der Dusche gesungen, oder auch professionell?

Pierce Brosnan: Ich habe vor einigen Jahren den Film Evelyn gemacht, darin habe ich irische Pubsongs gesungen. Aber das ist mit dem speziellen Sound der ABBA-Songs natürlich nicht zu vergleichen. Wenn ich da nur an das Lied denke, das Meryl und ich gemeinsam singen (S.O.S., Anm.) – das ist ein Song wie ein Schlachtross! Das hinzubekommen, war der blanke Wahnsinn! Während der Vorbereitungen auf Mamma Mia! habe ich mich sowieso mehr als einmal gefragt: Warum hast du diese Rolle übernommen? Anfangs hat es ja nach einer guten Idee geklungen: ­Ab nach Griechenland und ein bisschen trällern mit Meryl Streep! Aber dann wurde es richtig anstrengend, auch wenn der musikalische Leiter Martin Lowe sehr geduldig mit mir war.

SKIP: Haben Sie die Songs alleine einstudiert und geprobt, oder wie muss man sich das vorstellen?

Pierce Brosnan: Naja, Martin ist einmal mit einer tragbaren Orgel in meinem Haus in Malibu aufgetaucht, ist zwei Stunden lang die Lieder mit mir durchgegangen und hat mich dann mit einem iPod voller ABBA-Musik alleine gelassen. Und von diesem Moment an hat es immer und überall in meiner Gegenwart ABBA gespielt, auch im Auto wenn ich meine Kinder in die Schule geführt habe. Das hat sie zwar verrückt gemacht, aber es musste sein. Später habe ich hauptsächlich in meinem Haus auf Hawaii geübt, ich bin einfach den ganzen Tag singend herumgelaufen. So lange, bis es mir nicht mehr peinlich war, die Lieder so richtig aus mir rauszulassen. Gottseidank steht das Haus in einer sehr dünn besiedelten Gegend.

SKIP: Aber irgendwann mussten Sie vor den Kollegen singen ...

Pierce Brosnan: Genau, und an die Nacht vor den Studioaufnahmen erinnere ich mich lieber nicht! Benny und Björn (die beiden Bs aus ABBA und Produzenten des Mamma Mia!-Films, Anm.) waren natürlich da, und sie haben mich auch toll unterstützt, trotzdem war ich einfach nur fix und fertig. Aber dann habe ich Colin Firth gesehen und wusste: Dem geht’s noch schlechter als mir. Im Vergleich zu ihm habe ich mich wie Pavarotti gefühlt (lacht)! So ist das eben als Schauspieler: Augen zu und durch.

SKIP: Und jetzt: Fühlen Sie sich wohl als Sänger oder sind Sie einfach froh, dass es vorbei ist?

Pierce Brosnan: Nein, ich singe immer noch gerne. Hauptsächlich im Badezimmer und in Richtung Meer auf Hawaii. Gleich nach den ersten Proben haben sich meine Kinder noch ernsthafte Sorgen um ihren Dad gemacht, denn damals war meine Stimme nicht angenehm anzuhören. Jetzt ist das anders. Ich fühle mich wohl beim Singen. Vielleicht nehme ich ein Album auf. Ich werde mal mit Benny und Björn sprechen: ABBA-Reunion featuring Pierce Brosnan (lacht).

SKIP: Sie haben an die Dreharbeiten offenbar nur die besten Erinnerungen?

Pierce Brosnan: Ja, vollkommen. Ernsthaft, diesen Film zu drehen war eine wunderschöne Erfahrungen, es war der Sommer meines Lebens! Wir hatten ein tolles Team und unglaublich viel Spaß miteinander. Und eines kommt noch dazu: Egal wie man über ABBA denkt, egal wie zynisch man ihre Lieder betrachten will – man kann ­einfach nicht anders, als dazu zu tanzen. Es klingt lächerlich, aber egal wann und wo man Dancing Queen auflegt, wirklich niemand kann still sitzenbleiben. Die Lieder haben so viel Herz und erzählen so ergreifende Geschichten – ich fühle mich einfach ­gut, wenn ich ABBA höre.

SKIP: Was können Sie uns über Sam erzählen, die Figur, die Sie spielen?

Pierce Brosnan: Er ist ein Mann mittleren Alters, ein erfolgreicher Architekt, der seine große Liebe hat entwischen lassen. Also hat er eine andere geheiratet, die falsche Frau, und hat sein Bestes gegeben, weil er ein Gentleman ist. Schließlich lässt er sich aber doch scheiden und bekommt diese Einladung nach Griechenland, zu ihr, seiner großen Liebe. Er nimmt an, weil er sie unbedingt wiedersehen möchte, und dann, an einem Punkt in seinem Leben, wo er glaubt, alles verloren zu haben, verliebt er sich erneut. Und wenn man alle diese Emotionen in sein Spiel und seinen Gesang hineinlegt und Passagen singt wie „where are those happy days, they seem so hard to find, I tried to reach for you, but you have closed your mind, whatever happend to our love“ – dann erzeugt das überwältigende Gefühle. Weil sich genau diese Frage – Was ist denn nur passiert mit uns, was haben wir falsch gemacht? – sicherlich jeder schon mal gestellt hat. So war jedenfalls mein Zugang zu dieser Rolle.

SKIP: Wie war eigentlich das Leben in Griechenland während der Dreharbeiten?

Pierce Brosnan: Ich hatte meine Frau und die Kinder dabei und es war groß­artig, besonders für die Kinder. Da gab es immer Musik, Daddy hat gesungen ... sie hatten enormen Spaß.

SKIP: Wo und wie lange waren Sie in Griechenland?

Pierce Brosnan: Insgesamt waren wir sechs Wochen dort und zwar auf Skiathos und Skopelos. Es war traumhaft, tolle Leute, wir hatten eine schöne Zeit. Skopelos war sicherlich die idyllischste griechische Insel, die ich bisher gesehen habe, und ich war schon auf einigen.

SKIP: Sie sind ja schon viel herumgekommen als Schauspieler. Welcher Ort ist Ihnen da besonders ans Herz gewachsen?

Pierce Brosnan: Hawaii, wo ich lebe, ist einer der schönsten Orte, die ich kenne. Es ist eine kleine Insel im Norden und einfach göttlich dort. Die Natur ist unglaublich spirituell und majestätisch. Und Indien finde ich auch sehr faszinierend.

SKIP: Sie sollten mal in einem Bollywood-Film mitspielen – da wird auch gesungen und getanzt ...

Pierce Brosnan: (lacht) Ja, dafür wäre ich jetzt sicher bestens gerüstet.

SKIP: Also, was steht wirklich als nächstes am Programm?

Pierce Brosnan: Ein kleiner Film, ein Drama mit Susan Sarandon (The Greatest, Anm.). Und dann natürlich Teil 2 der Thomas Crown Affäre.

SKIP: Sie haben gesagt, Sie Leben auf Hawaii. Aber Sie haben doch auch ein Haus in Malibu, oder?

Pierce Brosnan: Ja, Malibu ist seit 25 Jahren mein Zuhause. Ich habe auch in London ein Zuhause, mein Geburtsland Irland ist jetzt aber eigentlich nur mehr ein Platz, den ich von Zeit zu Zeit besuche, der Ort, wo ich herkomme. Aber richtig zu Hause fühle ich mich in Kalifornien, das ist einfach eine so tolle Gegend mit Bergen, dem Ozean, Stränden ...

SKIP: Sie machen einen unglaublich fitten, jugendlichen Eindruck – betreiben Sie Sport, um so in Form zu bleiben?

Pierce Brosnan: Ich surfe, sehr oft mit meinen Söhnen, immerhin leben wir in Malibu und Hawaii. Dabei war ich eigentlich nie eine Wasserratte, so wie die meisten Iren. Dann spiele ich viel Tennis, mache Yoga und gehe Joggen und Bergsteigen. Ich betreibe das alles nicht nach einem strengen Plan – aber in meinem Alter muss man einfach etwas tun für seine Fitness.

SKIP: Und sind Sie zufrieden mit dem, was Sie sehen, wenn Sie sich im Spiegel betrachten? Keine Probleme mit dem Älterwerden?

Pierce Brosnan: Probleme würde ich das nicht nennen. Natürlich sehe ich mich älter werden, es gibt Veränderungen – und die muss man akzeptieren, sonst zerbricht man ja daran. Man muss das Älterwerden feiern!

SKIP: Stehen Sie mit dieser Einstellung in Malibu nicht ziemlich alleine da?

Pierce Brosnan: Oh, bitte nicht auf Malibu herumhacken (lacht). Aber das stimmt natürlich, viele kommen mit dem Altern nicht zurecht. Und es gibt ja heute auch viel mehr Produkte als früher: Augencreme für Männer zum Beispiel – ich war ja selbst Teil dieser Industrie (Brosnan machte Werbung für Männer-Kosmetik, Anm.). Aber warum auch nicht, wenn es hilft, glücklich zu sein. Das ist doch schließlich das Wichtigste, nicht nur ein langes Leben zu führen, sondern ein glückliches. Als Schauspieler wird man ja andauernd mit sich selbst konfrontiert und bekommt besonders deutlich vor Augen geführt, wie die Zeit vergeht. Man sollte also versuchen, gesund zu leben, und viel Wasser trinken (lacht).

Interview: Dina Maestrelli / April 2008

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