Harte Währung

Interview mit Tom Schilling zu Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe

Tom Schilling (26), Nachwuchsschauspieler mit Ecken und Kanten, macht keine Kompromisse: Ob jetzt als hipper Herzensbrecher oder demnächst als düsterer Diktator – der Charakterdarsteller zieht alle Register.

SKIP: Für deine Filmfigur Robert ist die digitale Computerspiel-Welt fast so etwas wie ein Ersatzleben. Bist du selbst einmal so sehr ins Gamen reingekippt?

Tom Schilling: Nein. Mich interessiert Gaming ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich hab als Jugendlicher ein bisschen mit der Playstation gespielt, aber das ist eine Welt, die mir total fern ist. Bei diesen Szenen sag ich dann im Prinzip nur meine Texte auf (grinst). Es geht in Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe ja letzten Endes nicht darum, das ist eher ein Paralleluniversum – und nur insofern ist es wichtig für die Figur. Die Computerspielfreaks werden wohl alle sagen, so ist es ja nicht bei uns – aber für die ist der Film ja eh nicht gemacht.

SKIP: Robert Zimmermann ist nicht nur deine Filmfigur, sondern bekanntlich auch Bob Dylans bürgerlicher Name. Hast du einen Lieblingstitel von ihm?

Tom Schilling: Ich hab viele Lieblings-Dylan-Songs, das wechselt immer wieder. Im Moment ist es glaub ich Ballad of a Thin Man. Dylan ist allgegen­wärtig, seit er angefangen hat, Musik zu machen, und das ist das Besondere an ihm. Seine Musik kommt ja auch im Film vor.

SKIP: Leander Haußmann hat sich von Element of Crime vier Songs extra für den Film schreiben lassen. Das ist ja fast was Altmodisches ...

Tom Schilling: Ja, und etwas sehr Schönes! Ich mag Element of Crime sehr gerne, und ich liebe auch diese Filme, wo es extra geschriebene Songs gibt, wie z.B. Harold und Maude, für den Cat Stevens den Soundtrack gemacht hat. Auch bei Die Reifeprüfung gibt es Songs, die direkt zum Film gehören. Und dass Element of Crime hier diese Rolle spielen, fand ich auch als Fan sehr toll.

SKIP: Du hast schon einmal mit Regisseur Leander Haußmann zusammengearbeitet. Weißt du, warum du für diese Hauptrolle ausgewählt worden bist?

Tom Schilling: Ich kenne Leander schon seit zehn Jahren. Bei einem meiner ersten Castings hab ich damals mit Robert Stadlober für Sonnenallee vorgesprochen. Es hat leider nicht funktioniert, die Rollen wurden dann mit älteren Darstellern besetzt. Leander hat mir aber erzählt, dass er seitdem verfolgt, was ich so mache, und er hat mich auch immer wieder zu Castings eingeladen. Ich war jedes Mal ganz lang dabei, aber am Schluss hat er sich dann doch immer gegen mich entschieden. Warum es jetzt ausgerechnet bei Robert Zimmermann geklappt hat, weiß ich nicht – vermutlich wohl auch, weil er eben nicht so nahe an der Romanvorlage besetzen wollte. Im Roman ist Robert sehr groß, ein sehr gut aussehender, glatter, junger Mann, was ich ja jetzt nicht so bin, er hat ein ausgesprochen gewinnendes Lächeln – ein Beau, ein Art junger George Clooney. Aber Leander wollte lieber mich haben.

SKIP: Mit Robert Stadlober verbindet dich seit Crazy eine lange Freundschaft …

Tom Schilling: Ja, mit Robert hab ich mittlerweile drei Filme gemacht, wir treffen uns immer wieder. Für die Vorbereitung des jungen Hitler in der George-Tabori-Verfilmung Mein Kampf hat er mir sogar den Text auf österreichisch eingelesen, damit ich den Tonfall hinbekomme. Das ist eine sehr enge Freundschaft.

SKIP: Du hast vorhin Die Reifeprüfung erwähnt. War das für dich ein Bezugspunkt für diesen Film?

Tom Schilling: Das ist im Film auch eine Referenz, ja. Normalerweise schaue ich mir zur Vorbereitung Filme an, in denen ähnliche Figuren vorkommen wie die, die ich spielen soll. Aber bei Robert Zimmermann war das eigentlich nicht so. Im Prinzip hab ich mich auf den Film gar nicht vorbereitet, denn wenn man mit Leander dreht, steht praktisch alles im Buch – und vieles wird dann eh wieder umgeschmissen. Er selbst spielt auch gerne vor, er kann eigentlich am besten improvisieren, da ist er unschlagbar. Das kann aber auch sehr schwer sein, ihm zuzuschauen und zu wissen, dass man es selbst so gut gar nicht hinkriegen könnte (lacht).

SKIP: Ist die Liebe zu einer älteren Frau etwas, in das du dich hineinversetzen kannst?

Tom Schilling: Ja, klar, ich glaube, so etwas hat jeder schon einmal erlebt. Ich war da noch ein bisschen jünger, aber da gab es auch viel ältere Frauen, in die ich verliebt war. Klassischerweise die Lehrerin: Frau Zaumseil, die hatte ich in Deutsch. (lacht)

Interview: Magdalena Miedl / Juni 2008

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